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Fruchtwasser: Aufgaben, Funktionen und wichtige Informationen zur Menge

Fruchtwasser

Das Fruchtwasser ist lebensnotwendig und schützt ungeborene Babys vor Stößen sowie lauten Geräuschen von außen. Zudem dient das Fruchtwasser als Wärmeregulierung und ist maßgeblich an der Entwicklung der Atmung beteiligt. Welche Aufgaben das Fruchtwasser noch übernimmt und was die Menge sowie die Farbe des Fruchtwassers über die Gesundheit von werdender Mama und Baby aussagen, erfahrt ihr in diesem Artikel. Zudem klären wir euch darüber auf, wie ihr Fruchtwasser erkennen und von anderen Flüssigkeiten unterscheiden könnt.

Aufgaben und Funktionen vom Fruchtwasser

Direkt nach der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut beginnt die Fruchtblase damit, lebenswichtiges Fruchtwasser zu bilden. Dabei könnt ihr euch die Fruchtblase, die auch als Amnion bezeichnet wird, als eine Art Sack vorstellen, der wiederum aus Eihäuten besteht. Mit dem Wachstum des Babys füllt sich die Fruchtblase zunehmend, bis das Ungeborene in der 4. Schwangerschaftswoche bereits komplett mit Fruchtwasser umhüllt ist. Ungeborene fühlen sich im warmen Fruchtwasser richtig wohl und können dort geschützt sowie wohlbehütet heranwachsen.

Mit der Nabelschnur verbunden kann sich das heranwachsende Baby relativ frei bewegen und absolviert sogar den ein oder anderen Purzelbaum. Durch das Umherschwimmen im Fruchtwasser kann das Baby zudem gleichmäßig wachsen und sowohl die Muskulatur als auch das Skelett werden schonend aufgebaut. Indem die Nabelschnur mit ihren wichtigen Gefäßen frei im Fruchtwasser schwebt und nicht eingeklemmt wird, kann diese das Baby in der gesamten Schwangerschaft ausreichend versorgen.

Zudem erfüllt das Fruchtwasser den wichtigen Zweck, das Ungeborene vor Druck, Stößen sowie lauten Geräuschen von außen zu schützen. Doch nicht nur das ungeborene Kind ist durch das Fruchtwasser geschützt, auch Tritte von innen gegen die Bauchdecke werden durch das flüssige „Schutzpolster“ abgemildert und verursachen der werdenden Mama nicht allzu große Schmerzen.

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Das Fruchtwasser dient zudem als Wärmeregulierung und wirkt Temperaturschwankungen entgegen: Durch den kindlichen Stoffwechsel wird sehr viel Wärme produziert, welche wiederum an die vorhandene Flüssigkeit in der Fruchtblase abgegeben wird. Dieser schlaue Schachzug der Natur verhindert somit nicht nur eine Unterkühlung, sondern auch eine Überhitzung des Ungeborenen und sorgt für eine angenehme Temperatur in Mamis Bauch.

Einer Unterkühlung wird außerdem vorgebeugt, indem Ungeborene etwa ab der 15. SSW über kleine Härchen verfügen. Die sogenannte Lanugo-Behaarung ist über den gesamten Körper verteilt und fällt wieder aus, sobald das Ungeborene gegen Ende der Schwangerschaft genügend Fettreserven angelegt hat. Um zu verhindern, dass die sehr dünne Haut der Babys im Fruchtwasser aufweicht, ist diese zugleich mit einer weißen sowie wachsartigen Schicht, der sogenannten Käseschmiere, überzogen und geschützt.

Durch das Ein- und Ausatmen sowie Schlucken von Fruchtwasser entwickelt sich außerdem die Lungenreife des ungeborenen Babys und wird nachhaltig angeregt. Durch das Trinken von Fruchtwasser wird gleichzeitig der Schluckreflex trainiert und somit der Harn- sowie Verdauungsapparat auf seine Funktionen vorbereitet. Das Baby trinkt das Fruchtwasser, welches daraufhin wieder nachgebildet wird, und scheidet es anschließend als fetalen Urin wieder in die Fruchtblase aus. Sobald sich der Geschmackssinn gebildet hat, kann das Ungeborene sogar den süßlichen Geschmack des Fruchtwassers wahrnehmen.

Weitere Funktionen des Fruchtwassers:

  • Ein Verwachsen zwischen Embryo und Eihäuten der Fruchtblase wird verhindert.
  • Kurz vor der Geburt hilft das Fruchtwasser dabei, den Muttermund für die bevorstehende Entbindung zu öffnen.
  • Zusammen mit der verbliebenen Käseschmiere dient das Fruchtwasser beim Geburtsvorgang als natürliches Gleitmittel.
Gut zu wissen:
Unter anderem aufgrund des Schluckens und anschließenden Wiederausscheidens wird das Fruchtwasser gegen Ende der Schwangerschaft etwa alle drei Stunden erneuert. In diesem Zuge wird auch von dem sogenannten Fruchtwasser-Kreislauf gesprochen.

Was ist in Fruchtwasser enthalten und wie entwickelt es sich?

Fruchtwasser wird vermehrt ab der 3. Schwangerschaftswoche gebildet, um das Ungeborene zu schützen. Dabei stellt Wasser mit rund 99 Prozent den Hauptbestandteil des Fruchtwassers dar. Der Rest besteht größtenteils aus Proteinen, Kohlehydraten sowie Fetten, verschiedenen Spurenelementen und Elektrolyten (Kalium, Natrium), Glucose, Laktat, Harnstoffen, kleinen Härchen sowie Hautzellen des Ungeborenen.

Im ersten Trimester stammt das Fruchtwasser in erster Linie von der werdenden Mama und wird von der Plazenta abgegeben. Etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche wird das Fruchtwasser vorwiegend von den Lungen sowie Nieren des Ungeborenen selbst produziert. Ab der 14. SSW wird die süßlich schmeckende Flüssigkeit zudem getrunken und anschließend über die Nieren sowie die Harnblase als wenig konzentrierte Urin wieder ausgeschieden.

Gut zu wissen:
Durch das Schlucken von Fruchtwasser wird der gesamte Magen-Darm-Trakt sowie der Schluckreflex angeregt und die Funktionen der Nieren sowie des Harnsystems werden nachhaltig verbessert. Zudem wird auf diesem Wege garantiert, dass das Fruchtwasser regelmäßig ausgetauscht wird.

Welche Menge Fruchtwasser ist normal?

Wie viel Fruchtwasser sich in der Fruchtblase befindet, ist unter anderem vom aktuellen Schwangerschaftsstadium sowie vom Alter des Ungeborenen abhängig. Zudem variiert die Fruchtwassermenge von Schwangeren zu Schwangeren. Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf ist es jedoch so, dass die Fruchtwassermenge zu Beginn kontinuierlich ansteigt und wieder abnimmt, je weiter die Schwangerschaft voranschreitet.

Zu Beginn der Schwangerschaft, etwa um die 7. SSW herum, beträgt die durchschnittliche Fruchtwassermenge ungefähr 20 Milliliter. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche steigt die Menge auf etwa einen halben Liter an, um zwischen der 28. und 37. Schwangerschaftswoche mit 1000 bis 2000 Millilitern das maximale Volumen zu erreichen.

In den letzten Wochen vor der Geburt nimmt die Fruchtwassermenge dann wieder kontinuierlich ab und das Baby wird nicht mehr so stark gepolstert. Dies erklärt wiederum, warum werdende Mamas ab diesem Zeitpunkt vermehrt Abdrücke durch ihren Babybauch erkennen können und auch die Tritte nicht mehr so effektiv abgemildert werden.

So wird die Fruchtwassermenge gemessen

Euer Frauenarzt kann die Fruchtwassermenge ganz einfach per Ultraschall feststellen. Manche Frauenärzte können auf dem Ultraschall sogar mit ihrem geschulten Blick erkennen, ob die vorhandene Fruchtwassermenge entweder zu hoch oder zu niedrig ist. Doch um die genaue Fruchtwassermenge zu ermitteln, wird eure Gebärmutter in vier Quadranten (Bereiche) unterteilt, wobei jeweils der größte Bereich vermessen wird.

Die Summe der vier ermittelten Einzelwerte bildet die Grundlage zur Errechnung des sogenannten Fruchtwasser-Index, der auch Amnionflüssigkeits-Index genannt und mit dem Kürzel AFI oder FI abgekürzt wird. Anhand einer Tabelle und dem errechneten AFI kann der Frauenarzt feststellen, ob die Fruchtwassermenge in der jeweiligen Schwangerschaftswoche normal hoch ist.

Dabei sollte der Wert im letzten Drittel der Schwangerschaft zwischen 5 und 20 Zentimeter betragen. Ist der ermittelte Wert kleiner als 5, deutet dies auf eine zu niedrige Fruchtwassermenge hin. Bei Werten über 20 ist diese hingegen zu hoch. Weitere Möglichkeiten, um die Fruchtwassermenge zu ermitteln, stellen die Messung des tiefsten Fruchtwasserdepots sowie das Zwei-Durchmesser-Fruchtwasserdepot dar.

Gut zu wissen:
Die Fruchtwassermenge wird nicht automatisch bei jeder Routineuntersuchung gemessen. Verläuft die Schwangerschaft ohne Probleme, wird die Menge normalerweise nur bei folgenden Begebenheiten ermittelt:
  • Bestimmte Vorerkrankungen sowie Bluthochdruck der werdenden Mama.
  • Der Frauenarzt oder die Hebamme haben den Verdacht, dass die Fruchtwassermenge zu niedrig, beziehungsweise zu hoch ist.
  • Die werdende Mama hat das Gefühl, dass die Kindsbewegungen nachlassen.
  • Bei einer vorangegangenen Schwangerschaft war das Baby zum Zeitpunkt der Geburt zu klein oder das Geburtsgewicht war zu gering.

Ursachen und Gefahren von zu wenig Fruchtwasser

Eine zu geringe Fruchtwassermenge, was im medizinischen Bereich unter dem Begriff Oligohydramnion bekannt ist, kann sich in der gesamten Schwangerschaft entwickeln. Hin und wieder deutet eine zu geringe Fruchtwassermenge darauf hin, dass die werdende Mama schlicht und ergreifend zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. Dabei ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5 Litern in der Schwangerschaft essenziell. In anderen Fällen deutet eine zu geringe Fruchtwassermenge auf organische Erkrankungen, wie beispielsweise auf eine eingeschränkte Harn- oder Nierentätigkeit, des ungeborenen Babys hin.

Weitere mögliche Ursachen von zu wenig Fruchtwasser:

  • Mangelnde Versorgung der Plazenta (Plazentainsuffizienz)
  • Ein Leck in der Fruchtblase
  • Bluthochdruck bei der werdenden Mama oder beim Ungeborenen
  • Der Urin kann beim Ungeborenen nicht richtig abfließen
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Angeborene Defekte im Erbgut
  • Kind wächst nicht richtig
  • Bei Zwillingen: Transfusionssyndrom

Enthält die Fruchtblase zu wenig Fruchtwasser, können sich unter anderem Fehlstellungen, wie ein Schiefhals oder eine Fußfehlstellung, bilden. Es besteht auch die Gefahr, dass das Baby zum Zeitpunkt der Geburt noch ungewöhnlich klein ist. Zudem kann es bei einer zu geringen Fruchtwassermenge zu einem Einklemmen der Nabelschnur vor sowie während der Geburt kommen. In diesem Falle wird von einer sogenannten Nabelschnurkompression gesprochen.

Ein Einklemmen der Nabelschnur birgt sehr große Risiken, denn die Versorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff sowie anderen lebenswichtigen Nährstoffen kann stark beeinträchtigt werden. Zu wenig Fruchtwasser erhöht außerdem den kindlichen Stress beim Geburtsvorgang. In diesem Zuge kann es dazu kommen, dass das Baby Mekonium (den ersten Stuhlgang) in das Fruchtwasser absetzt und daraufhin einatmet, was im schlimmsten Fall Atemprobleme hervorruft.

Doch was passiert, wenn der Frauenarzt eine zu geringe Fruchtwassermenge bei euch feststellt? Ist dies der Fall, gilt erstmal: nicht unnötig in Panik verfallen und Ruhe bewahren! In den meisten Fällen kann bereits eine Infusion, welche eine ähnliche Zusammensetzung wie das Fruchtwasser aufweist, den Flüssigkeitsspeicher wieder auffüllen. Ist die Menge nur minimal zu gering, kann es sogar helfen, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Gegen Ende der Schwangerschaft oder wenn der Entbindungstermin bereits überschritten wurde, kann zudem über eine kontrollierte Einleitung der Geburt nachgedacht werden.

Zu viel Fruchtwasser

Enthält die Fruchtblase zu viel Fruchtwasser, liegt eine sogenannte Polyhydramnion vor. Diese tritt relativ selten sowie meist im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester auf und kann unter anderem auf eine gut behandelbare Schwangerschaftsdiabetes der werdenden Mama hindeuten. Zudem könnte beim Ungeborenen die Aufnahme des Fruchtwassers blockiert sein, was wiederum auf eine Speiseröhrenverengung hindeuten kann.

Die vergrößerte Bewegungsfreiheit aufgrund der erhöhten Fruchtwassermenge kann zu einer Beckenend- oder Querlage führen und somit den Geburtsverlauf erschweren. Oftmals kann es schon helfen, die Ess- und Trinkgewohnheiten zu verändern, um die Fruchtwassermenge wieder zu normalisieren. Ist zu viel Fruchtwasser vorhanden, kann sich das bei der Schwangeren durch eine plötzlich starke Zunahme des Bauchumfangs, Verstopfungen oder ein häufiges Wasserlassen äußern.

Worüber kann das Fruchtwasser noch Aufschluss geben?

Die sogenannte Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese oder auch Fruchtwasserpunktion), bei welcher die Fruchtblase punktiert und anschließend Fruchtwasser entnommen wird, kann Aufschluss über Gen- oder Chromosomenveränderungen beim Ungeborenen geben. So können unter anderem das Down-Syndrom sowie ein Neuralrohrdefekt festgestellt werden.

Da es sich bei der Amniozentese jedoch um einen invasiven Eingriff handelt, der mit gewissen gesundheitlichen Risiken für Mama und Baby verbunden ist, wird diese in der Regel nur durchgeführt, wenn die Schwangere über 35 Jahre alt ist oder das Risiko einer Gen- oder Chromosomenstörung erhöht ist. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei einer auffälligen Messung der Nackenfaltentransparenz oder bei genetischen Vorbelastungen in der Familie.

Frauenärzte können anhand der vorhandenen Phospholipide im Fruchtwasser zudem abschätzen, ob die fetale Lungenreife erreicht wurde und das Baby bereit für die Geburt sowie das Leben außerhalb der schützenden Gebärmutter ist. Diese Bestimmung ist insbesondere bei einer frühzeitigen Wehentätigkeit wichtig, um zu wissen, ob das Baby im Ernstfall bereits auf die Welt geholt werden kann. Im Fruchtwasser können außerdem bestimmte Erreger, wie beispielsweise Toxoplasmose sowie Listerien, nachgewiesen werden. Zudem kann bei einer Blutgruppenunverträglichkeit anhand der Konzentration des Bilirubins im Fruchtwasser festgestellt werden, wie gefährdet das ungeborene Baby ist.

Was die Farbe über das Fruchtwasser verrät

Neben der Fruchtwassermenge ist insbesondere die Farbe des Fruchtwassers sehr aufschlussreich und kann dem Frauenarzt oder der Hebamme Auskunft über die Gesundheit des Ungeborenen geben und die Entscheidung über das weitere Vorgehen vereinfachen. Im Normalfall und in den ersten Wochen der Schwangerschaft hat Fruchtwasser eine klare sowie ein leicht gelbliche Farbe. Gegen Ende der Schwangerschaft nimmt die Flüssigkeit hingegen eine milchig-trübe Farbe an.

Nimmt das Fruchtwasser im Laufe der Schwangerschaft eine gelbe Verfärbung an, liegt höchstwahrscheinlich eine Blutgruppenunverträglichkeit vor. Ist das Fruchtwasser fleischfarben, kann dies auf einen Tod des Babys im Mutterleib hindeuten. Am häufigsten kommt es allerdings vor, dass das Fruchtwasser eine grünliche Verfärbung aufweist. Dies deutet auf einen frühzeitigen Mekonium-Abgang hin, was insbesondere bei einer Übertragung sowie bei Stress des Kindes vorkommen kann.

Normalerweise wird das Mekonium oder Kindspech, wie der erste Stuhl des Neugeborenen auch genannt wird, in den ersten 12 bis 48 Lebensstunden abgesetzt. Steht das Kind vor oder während der Geburt jedoch unter starkem Stress, kann der Stuhl bereits in der Fruchtblase abgesetzt werden und das Fruchtwasser verfärben. In einer Stresssituation wird die Sauerstoffversorgung verschlechtert, was wiederum die Durchblutung des Darms beeinträchtigt. Dadurch kommt es zu verstärkten Darmbewegungen und gleichzeitig zu einer Erschlaffung des Schließmuskels.

Gelangt das mit dem Fruchtwasser vermengte Mekonium beim Atmen in die Lungen des Babys (Mekoniumaspiration), kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Um das Wohl der werdenden Mama sowie des Babys nicht zu gefährden, muss bei einem grünlich sowie bräunlich verfärbten Fruchtwasser schnell gehandelt werden. Der Frauenarzt entscheidet, ob die Geburt medizinisch eingeleitet oder gegebenenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss.

Fruchtwasser richtig erkennen

Ist der nasse Fleck im Slip Ausfluss, Urin oder vielleicht schon Fruchtwasser? Je näher der Geburtstermin rückt, umso häufiger machen sich Schwangere Gedanken, wie und ob sie Fruchtwasser von einem normalen Scheidenausfluss oder Urin unterscheiden können. Dabei ist ein verstärkter Ausfluss während der Schwangerschaft völlig normal und schützt werdende Mamas unter anderem vor vaginalen Infektionen. Jedoch kann die Ausfluss-Menge, vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel, deutlich zunehmen und wird daher hin und wieder mit dem Abgang von Fruchtwasser verwechselt.

Einen schwangerschaftstypischen Ausfluss könnt ihr daran erkennen, dass dieser einen unauffälligen sowie milden Geruch hat und gegen Ende der Schwangerschaft meist sehr stark sowie gleichzeitig dickflüssig ist. Tritt der Ausfluss allerdings in Verbindung mit einem Juckreiz oder Schmerzen auf, solltet ihr euren Frauenarzt aufsuchen. Das Gleiche gilt, sollte sich der Ausfluss in seiner Farbe oder Konsistenz ändern. Im Gegensatz zum Ausfluss ist Fruchtwasser hingegen dünn wie Wasser, durchsichtig oder leicht rosa und geht in den meisten Fällen schwallartig oder tröpfchenweise ab.

Mit zunehmender Schwangerschaft nimmt nicht nur der Ausfluss, sondern auch die Harninkontinenz zu und kaum eine Schwangere bleibt vor einer – zumindest leichten – Blasenschwäche verschont. Aus diesem Grund fällt es Frauen gegen Ende der Schwangerschaft oft schwer zu unterscheiden, ob es sich in der nassen Unterhose um Urin oder Fruchtwasser handelt. In diesem Falle solltet ihr euch am besten auf euren Geruchssinn verlassen. Riecht die Flüssigkeit nicht nach Urin, sondern leicht süßlich oder nach nichts, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Fruchtwasser. Zudem lässt sich Fruchtwasser, anders als Urin, nicht mit der Beckenmuskulatur aufhalten, da dieses unkontrolliert abgeht.

Kleiner Tipp:
Um festzustellen, ob es sich bei der abgegangenen Flüssigkeit um Fruchtwasser handelt, empfehlen Hebammen werdenden Mamis, sich für etwa eine Stunde hinzulegen und dabei das Becken leicht nach oben zu lagern. Steht ihr anschließend auf und es geht wieder Flüssigkeit ab, handelt es sich ziemlich sicher um Fruchtwasser und eure Fruchtblase ist geplatzt.

pH-Wert des Fruchtwassers mit speziellen Teststreifen ermitteln

Mit speziellen Teststreifen oder einem Testhandschuh aus der Apotheke oder dem Internet können Schwangere einfach und schnell feststellen, ob es sich bei der abgegangenen Flüssigkeit um eine schwangerschaftsbedingte Inkontinenz, einen Ausfluss oder um Fruchtwasser handelt.

Bevor ihr einen solchen Test durchführt, solltet ihr wissen, dass der Säuregehalt in Flüssigkeiten durch den pH-Wert ausgedrückt werden kann. Je saurer eine Flüssigkeit ist, umso niedriger ist gleichzeitig der pH-Wert. Fruchtwasser hat zum Beispiel mit einem Wert von 7 bis 7,5 einen leicht alkalischen pH-Wert. Zum Vergleich: Der pH-Wert im Scheideneingang liegt im Normalfall zwischen 4 und 4,4 und ist somit um einiges saurer als Fruchtwasser.

Ein Fruchtwasser-Teststreifen kann den pH-Wert, also den Säure- oder Basengehalt einer Flüssigkeit, mithilfe des Farbstoffs Lackmus ermitteln. Sobald der Farbstoff mit sauren oder basischen Stoffen in Berührung kommt, verändert sich daraufhin die Farbe. Die Anwendung ist einfach in der Durchführung: Drückt den Teststreifen einfach auf den verdächtigen Fleck im Slip und anhand der Färbung könnt ihr erkennen, um welche Flüssigkeit es sich handelt. Da es jedoch sehr viele verschiedene Produkte zur Bestimmung des pH-Werts auf dem Markt gibt, solltet ihr euch im Vorfeld in einer Apotheke, eurem Frauenarzt oder eurer Hebamme beraten lassen.

Bitte beachten:
Zwar können Fruchtwasser-Teststreifen einen Hinweis darauf geben, um welche Flüssigkeit es sich handelt, allerdings kann der pH-Wert durch unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel Messfehler oder eine Verunreinigung, falsch bestimmt werden. Nur der Frauenarzt oder die Hebamme können euch ganz genau sagen, ob ihr Fruchtwasser, Urin oder Ausfluss verliert.

Das Verlieren von Fruchtwasser

Der Blasensprung, unter dem das Platzen der Fruchtblase verstanden wird, und der damit einhergehende Abgang von Fruchtwasser stellen den Startschuss für die bevorstehende Geburt dar. Sobald die Fruchtblase geplatzt ist, sind die Wehen entweder bereits vorhanden oder lassen nicht mehr allzu lange auf sich warten.

Dabei geht das Fruchtwasser tröpfchenweise und in selteneren Fällen schwallartig ab. Dass beim Blasensprung meist nur einige Tropfen Fruchtwasser abgehen, liegt an der Geburtsposition des Kindes, denn meist wird der Ausgang bereits vom Köpfchen verschlossen. Mit Schmerzen ist der Blasensprung übrigens nicht verbunden und die meisten werdenden Mamas nehmen diesen nur wahr, weil plötzlich warme Flüssigkeit austritt und ihre Beine hinunterläuft.

Geht das Fruchtwasser bereits ab, bevor die Eröffnungswehen eingesetzt haben, handelt es sich um einen vorzeitigen Blasensprung. Platzt die Fruchtblase hingegen während der Eröffnungswehen und wenn der Muttermund noch nicht vollständig geöffnet ist, wird von einem frühzeitigen Blasensprung gesprochen. Weitere Arten eines Blasensprungs sind:

Rechtzeitiger Blasensprung: Dieser findet statt, wenn der Muttermund komplett geöffnet ist.
Verspäteter Blasensprung: Die Fruchtblase platzt erst in der Austreibungsphase und wenn der Muttermund bereits länger vollständig geöffnet ist.
Hoher Blasensprung: Liegt vor, wenn die Fruchtblase oben aufplatzt. Unter Umständen muss die Hebamme nachhelfen und die Fruchtblase aufstechen.

Findet der Blasensprung nach der 36. Schwangerschaftswoche statt, geben Frauenärzte in der Regel Entwarnung. In den meisten Fällen setzen die Wehen einige Stunden später ein und die Geburt kann losgehen. Lässt die Wehentätigkeit jedoch 24 Stunden nach dem Platzen der Fruchtblase und nach dem Abgang von Fruchtwasser weiterhin auf sich warten, wird die Geburt meist eingeleitet oder ein Kaiserschnitt durchgeführt. So soll unter anderem verhindert werden, dass das Baby eine Sepsis erleidet.

Bei einem vorzeitigen Blasensprung zwischen der 28. und 36. Schwangerschaftswoche muss der Frauenarzt nach einer gründlichen Untersuchung über das weitere Vorgehen entscheiden. Ist die Lungenreife des Ungeborenen bereits erreicht, wird die Geburt in der Regel eingeleitet. Anders sieht es jedoch aus, sollte das Kind noch nicht selbstständig atmen können. In diesem Fall wird versucht, die Geburt mit der Vergabe von wehenhemmenden Medikamenten hinauszuzögern.

Bitte beachten:
Neben dem erhöhten Infektionsrisiko kann ein vorzeitiger Blasensprung außerdem zu einem Nabelschnurvorfall führen, da sich das Ungeborene vor der 36. SSW meist noch nicht in seiner Geburtsposition befindet. Indem sich die Nabelschnur vor das Ungeborene schiebt und dadurch eingeklemmt wird, kann es zu einer gefährlichen Unterversorgung mit Blut sowie Sauerstoff kommen. Befindet sich euer Baby zum Zeitpunkt des Blasensprungs noch nicht in seiner Geburtsposition, solltet ihr deshalb vorsichtshalber eine leichte Seitenposition einnehmen und den Krankenwagen anrufen.

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