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Vorzeitiger Blasensprung – Ursachen, Anzeichen & Behandlung

Vorzeitiger Blasensprung

Wenn die Fruchtblase, die das ungeborene Kind schützend umgibt, frühzeitig reißt, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung. Tröpfchenweiser Verlust des Fruchtwassers kann dabei ebenso vorkommen wie ein schwallartiger Erguss. Mit dem vorzeitigen Blasensprung beginnt bei 20 % der werdenden Mütter der natürliche Vorgang der Geburt. Von diesen 20 % beginnt in 50 % der Fälle der Geburtsvorgang innerhalb der darauffolgenden 48 Stunden.

ACHTUNG!
Bei vorzeitigem Blasensprung Rettung informieren! Liegendtransport!

Auch, wenn die Medizin heute viele Möglichkeiten hat, um Menschenleben zu retten, ist eine Geburt nie ganz ungefährlich. Da es bei einem vorzeitigen Blasensprung zu Komplikationen kommen kann, solltet ihr schnellstmöglich die Rettung informieren und euch in die Hände eines Arztes begeben. Sollte sich eine weitere Person in eurer Nähe aufhalten, bittet diese, für euch anzurufen, legt euch hin und bleibt in Liegeposition.


Zu welchen Komplikationen kann es bei einem vorzeitigen Blasensprung kommen?

Mögliche Komplikationen beim Ungeborenen sind:

  • Amnioninfektionssyndrom
  • Probleme bei der Lungenentwicklung
  • Lageanomalien
  • Mangelnde Sauerstoffzufuhr
  • Nabelschnurvorfall
  • Plazentaablösung beim unreifen Kind

Mögliche Komplikationen bei der Mutter sind:

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  • Amnioninfektionssyndrom
  • Gebärmutterentzündung
  • Harnwegsinfekte
  • Schock
  • Sepsis
  • Störung der Blutgerinnung

Wie kann ich erkennen, dass es sich um den Abgang von Fruchtwasser handelt?

Den Schwall an Fruchtwasser, der sich bei vorzeitigem Blasensprung ergießt, könnt ihr im Normalfall nicht mit Harnverlust verwechseln. Sollte es sich um einen tröpfchenweisen Verlust handeln, kann nur die ärztliche Untersuchung Aufschluss geben. In vielen Fällen ist der Verlust von einigen Tröpfchen Fruchtwasser nicht weiter schlimm. Kleine Risse können sich von selbst wieder verschließen und geringe Mengen Fruchtwasser können nachproduziert werden.

Welche Untersuchungen führt der Arzt bei Verdacht eines vorzeitigen Blasensprunges durch?

Um einen Fruchtwasserabgang nachzuweisen wird euer Arzt eine vaginale Untersuchung durchführen. Gerade in der Spätschwangerschaft kann es sich nämlich auch um einen unkontrollierten Harnabgang handeln.


Zur Feststellung verwendet euer Frauenarzt entweder ein pH-Indikatorpapier (Lackmuspapier) oder einen IgF-1-Schnelltest. Das Fruchtwasser hat einen leicht basischen pH-Wert, welchen das pH-Indikatorpapier anzeigt, indem es sich bläulich verfärbt. Scheidensekret hat einen schwach sauren pH-Wert, den der Teststreifen in rötlicher Farbe anzeigt.

Da ein Amnioninfektionssyndrom (AIS) bei vorzeitigem Blasensprung für Mutter und Kind gefährlich werden kann, wird der Frauenarzt bei erhärtetem Verdacht einen Scheidenabstrich vornehmen und das Blut der Mutter untersuchen.

Was ist das Amnioninfektionssyndrom? Was ist eine Sepsis?

Ein Amnioninfektionssyndrom ist ein klinischer Notfall. Von einem Syndrom spricht man immer dann, wenn mehrere Krankheitsanzeichen (Symptome) in Kombination auftreten. Das AIS ist eine Infektion, welches gleichzeitig die Eihöhle, die Eihäute, den Mutterkuchen (Plazenta) und das Ungeborene angreifen. Als Folge kann es zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen. Häufige Erreger, die zum Amnioninfektionssyndrom führen sind Streptokokken, Enterokokken, Staphylokokken und E.coli.

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine Entzündungsreaktion des Körpers, welche durch Bakterien, Toxine oder Pilze ausgelöst werden kann.

Welche Therapie bei vorzeitigem Blasensprung?

Die weitere Therapie unterscheidet sich je nach Entwicklungsstatus des Ungeborenen. Je früher der Zeitpunkt des Blasensprungs, desto riskanter ist es für das Ungeborene. Erstes Ziel der Behandlung ist das Hinauszögern der Geburt. Das Ungeborene soll noch so viel Zeit wie möglich im Bauch der Mutter verbringen. Jeder Tag verschafft dem Baby mehr Zeit für dessen Entwicklung. In vielen Fällen muss jedoch eine frühe Geburt eingeleitet werden. Sie ist mit großen Risiken für das Kind verbunden. Lasst euch jedoch nicht gleich entmutigen. Das jüngste Frühchen Europas heißt Frieda, wurde 2010 in der 21. Schwangerschaftswoche geboren und ist heute gesund und putzmunter!

Vorzeitiger Blasensprung vor der 24. Schwangerschaftswoche

In der Zeit bis zur 24. Schwangerschaftswoche ist ein vorzeitiger Blasensprung leider trotzdem sehr kritisch. Ab sofort darf die Mutter das Bett im Krankenhaus nicht mehr verlassen. Mindestens alle 24 Stunden wird das Blut der Mutter auf AIS und andere Erreger untersucht, sowie die Fruchtwassermenge kontrolliert. Die Vitalzeichen des Ungeborenen werden mit einem CTG (Cardiotographie) durchgehend überwacht. Ab der 20. Schwangerschaftswoche entscheiden sich Mediziner oft für eine Antibiotika-Therapie zum Schutz gegen eine Infektion. Sollte es zu weiteren Komplikationen kommen, wird die Schwangerschaft frühzeitig abgebrochen. Die Geburt wird bei AIS ab der 23. Schwangerschaftswoche eingeleitet.

Vorzeitiger Blasensprung zwischen der 24. und 33. Schwangerschaftswoche

Auch nach der 24. Schwangerschaftswoche gilt bei vorzeitigem Blasensprung absolute Bettruhe. Eine Antibiotika-Therapie soll eine Infektion verhindern. Auch Wehenhemmer werden der Mutter verabreicht, um das Ungeborene so lange wie möglich im Bauch der Mutter belassen zu können. Außerdem werden der Mutter Medikamente (Cortison) verabreicht, welche die Entwicklung der Lunge des Babys fördern. Mindestens alle 24 Stunden wird das Blut auf AIS und andere Erreger untersucht. Die Vitalzeichen des Ungeborenen werden durchgehend überwacht. Bei Anzeichen auf AIS wird sofort die Geburt eingeleitet. Ab der 32. Schwangerschaftswoche entscheiden sich die Ärzte heute oft für eine frühzeitige Geburt durch Kaiserschnitt. So können Nabelschnurvorfall und weitere Infektionen verhindert werden.

Vorzeitiger Blasensprung zwischen der 33. und 35. Schwangerschaftswoche

Bei vorzeitigem Blasensprung nach der 33. Schwangerschaftswoche wird zunächst der Entwicklungsstatus der Lunge des Babys eruiert. So lange die Lungenreife nicht erreicht ist, wird die Geburt hinausgezögert. Möglicherweise werden dazu Wehenhemmer verabreicht. Sollte der vorzeitige Blasensprung nach der 35. Schwangerschaftswoche passieren und die Blutuntersuchung keinen Verdacht auf AIS bestätigen, wird der natürliche Beginn des Geburtsvorganges abgewartet. Die Mutter erhält prophylaktisch (vorbeugend) eine Antibiotika-Therapie. Sollte diese nicht nach maximal 24 Stunden einsetzen, entscheiden sich die Mediziner für eine Geburtseinleitung. Bei AIS-Diagnose oder der Feststellung von verunreinigtem Fruchtwasser entscheidet sich der Arzt für einen Kaiserschnitt, welcher möglichen Komplikationen (z.B.: Nabelschnurvorfall) vorbeugt.

Vorzeitiger Blasensprung nach der 38. Schwangerschaftswoche

Ab der 38. Schwangerschaftswoche ist das Baby vollkommen entwickelt. Die restliche Zeit im Mutterleib nutzt es nur noch, um zu wachsen. Ein Blasensprung nach der 38. Schwangerschaftswoche leitet fast ausnahmslos den Geburtsvorgang ein. Das Baby erblickt auf natürlichem Wege das Licht der Welt. Nur in Ausnahmefällen wird die Geburt künstlich eingeleitet. Ein Kaiserschnitt wird in diesem Schwangerschaftsstadium nur bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Babys (wie beispielsweise beim Abfallen der kindlichen Herztöne oder drohender Infektion) durchgeführt.

Vorzeitiger Blasensprung: Ursachen

Ein hoher Druck im Inneren der Fruchtblase kann zum Einreißen der Eihaut führen. Mögliche Ursachen dafür können sein:

  • Alkohol
  • Bauchtrauma (Verletzung des Bauches)
  • Bindegewebsschwäche der Eihaut
  • Blutungen während der Schwangerschaft
  • Drogenkonsum
  • Komplikation nach Fruchtwasseruntersuchungen (in sehr seltenen Fällen)
  • Mangelernährung
  • Mangelnde Hygiene im Genitalbereich
  • Mehrere Abtreibungen (Aborte)
  • Mehrlingsschwangerschaft (führt aufgrund des vermehrten Fruchtwassers zu einer Spannung der Fruchtblase)
  • Mütterliche Erkrankungen
  • Niedriger BMI
  • Rauchen
  • Schwäche des Muttermundes (Zervixinsuffizienz)
  • Schwäche des Gebärmutterhalses
  • Stehende Tätigkeit
  • Übergewicht
  • Vaginale Infektionen, die sich in Richtung der Eihülle (Fruchtwasserblase) ausbreiten
  • Vermehrte Fruchtwasserbildung (Polyhydramnion)
  • Vorergehende Ausschabungen der Gebärmutter (Kürettage; Abrasio)
  • Vorherige Fehlgeburten
  • Vorzeitige Wehen

Warum löst eine Infektion einen vorzeitigen Blasensprung aus?

Jede Infektion führt zur Freisetzung bestimmter biochemischer Stoffe. Die als Gewebshormone fungierenden Prostaglandine sind für Schmerz, Blutgerinnung, Entzündungen sowie die Aufweichung der Fruchtblase verantwortlich. Sie entstehen durch die Aktivität von Bakterien in der Scheide oder dem Enddarm der Mutter.

Wie kann es zu vermehrter Fruchtwasserbildung (Polyhydramnion; Hydramnion) kommen?

Vermehrte Fruchtwasserbildung kommt oft bei Vorerkrankungen der Mutter oder Erkrankungen sowie Fehlentwicklungen des Babys vor. Es handelt sich dabei um eine Komplikation, die bei einem Prozent der Schwangerschaften auftritt.

Wie kann es nach einer Fruchtwasseruntersuchung zu einem vorzeitigen Blasensprung kommen?

Komplikationen treten vor allem in den ersten 24 Stunden nach der Punktion auf.  Ein vorzeitiger Blasensprung kann Folge einer Fruchtwasseruntersuchung sein. Das kommt sehr selten vor. In den meisten Fällen geht lediglich etwas Fruchtwasser ab und die Fruchtblase schließt sich nach kurzer Zeit wieder. Die Schwangerschaft verläuft danach komplikationslos weiter.

Dass die Punktion (Fruchtwasseruntersuchung) in nahezu allen Fällen komplikationslos abläuft, ist vor allem den heutigen Hygienemaßnahmen zu verdanken. Durch Desinfektion wird das Eindringen von Infektion auslösenden Bakterien verhindert.

Nach einer Punktion solltet ihr euch besonders viel Ruhe gönnen. Vermeidet schweres Heben, Sport und vermehrtes Treppensteigen. Solltet ihr noch berufstätig sein, lasst euch für diesen Tag krankschreiben. Meist wird zwei Tage nach der Punktion eine Kontrolluntersuchung vom behandelnden Arzt vorgenommen.

Was ist der Unterschied zwischen vorzeitigem, frühzeitigem und verspätetem Blasensprung?

Ein frühzeitiger Blasensprung tritt während der Wehen bei noch geschlossenem Muttermund auf. Im Normalfall platzt die Fruchtwasserblase erst bei geöffnetem Muttermund.

Von einem verspäteten Blasensprung spricht man, wenn das Kind in noch intakter Fruchtwasserblase das Licht der Welt erblickt. Die Öffnung erfolgt in diesem Fall erst nach erfolgter Geburt.

Kann ich einen vorzeitigen Blasensprung verhindern?

Einen vorzeitigen Blasensprung zu verhindern ist leider nicht möglich. Ihr könnt aber vorbeugend sehr wohl einiges tun. Zum Beispiel das Rauchen sein lassen und frühzeitig gegen Entzündungen jeglicher Art vorgehen. Falls eine Zahnfleischentzündung vorliegt, lasst sie schon vor einer Schwangerschaft behandeln. Auch Karies können einen Risikofaktor darstellen. Prophylaktisch (vorbeugend) könnt ihr Magnesium einnehmen. Das führt zu einer Beruhigung der Gebärmutter. Ab der 23. Schwangerschaftswoche kann der Frauenarzt die Gebärmutterhalslänge ausmessen, um einer drohenden Frühgeburt zuvorzukommen.

Trotz Komplikationen nicht aufgeben!

Es gibt dokumentiere Fälle, bei denen die Fruchtwasserblase platzte und das Ungeborene in der 16. Schwangerschaftswoche völlig ungeschützt im Mutterleib lag. Obwohl die Mediziner dafür keine Erklärung haben, füllte sich die Fruchtwasserblase wieder und das Ungeborene kam nur um einige Wochen verfrüht zur Welt.

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