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Langzeitstillen: Alle Vor- und Nachteile einer langen Stilldauer

Langzeitstillen

Das Stillen von Kleinkindern über das erste oder zweite Lebensjahr hinaus ist mittlerweile eine Ausnahme, obwohl das sogenannte Langzeitstillen völlig natürlich ist und auch hierzulande lange Zeit keine Seltenheit war. Entscheidet sich eine Mutter heutzutage bewusst dazu, ihr Kind länger als gewöhnlich zu stillen, erregt das immer wieder die Gemüter von außenstehenden Personen. Doch wieso handelt es sich beim Langzeitstillen nach wie vor um ein Tabuthema, obwohl Muttermilch unbestritten die gesündeste Nahrung für Babys ist und auch viele Vorteile für Kinder weit über einem Jahr hat?

In diesem Artikel klären wir euch über die Vor- und möglichen Nachteile des Langzeitstillens für Kinder auf und wir informieren euch darüber, was Experten bezüglich der Stilldauer raten.

Was bedeutet Langzeitstillen?

Beim Langzeitstillen handelt es sich im Prinzip um eine Form des teilweisen Abstillens, was bedeutet, dass das Kind zwar feste Nahrung zu sich nimmt, allerdings zu bestimmten Gelegenheit gestillt wird. In den meisten Fällen findet der Stillvorgang nach dem Aufwachen, vor dem Schlafengehen oder nach dem Besuch der Kita statt, um das Kind zu beruhigen oder gemeinsam zu kuscheln. Der Vorteil hierbei ist, dass weiterhin genau die richtige Menge an Muttermilch zum richtigen Zeitpunkt produziert wird und das Kind in einer stressigen Zeit auf sanfte und gleichzeitig natürliche Weise beruhigt werden kann.

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Eine klare Definition zum Begriff Langzeitstillen gibt es nicht, somit handelt es sich hier um ein rein subjektives Empfinden von Außenstehenden. Wird das Baby jenseits des ersten Geburtstages und bis ins Kindergartenalter gestillt, werden die Frauen jedoch oft als langzeitstillende Mütter bezeichnet. Spätestens, wenn gleichaltrige Kinder aus dem eigenen Umfeld bereits abgestillt wurden und das Geben der Brust plötzlich als etwas Komisches angesehen wird, kommt häufig der Begriff Langzeitstillen zur Sprache. Dabei impliziert schon der Begriff, dass die „normale“ Stillzeit deutlich kürzer ist, obwohl eine lange Stillzeit in vielen Ländern der Welt nach wie vor üblich und die Norm ist.

Auch laut Hebammen sowie Stillberaterinnen liegt das Alter für das natürliche Abstillen eigentlich erst zwischen zwei und vier Jahren. Das zeigt einmal mehr, dass das Stillen von Kleinkindern ein ganz natürlicher Vorgang ist, um die Kinder zusätzlich zur festen Nahrung mit wichtigen Nährstoffen sowie Spurenelementen zu versorgen und gleichzeitig den innigen Körperkontakt aufrechtzuerhalten. Durch unsere heutige Gesellschaft, den kulturellen Vorstellungen sowie dem Wandel im Berufsleben begrenzt sich das Stillen mittlerweile – zumindest in den westlichen Industrieländern – auf das Babyalter und häufig wird vor dem ersten Geburtstag mit dem Abstillen begonnen.

Beim Thema Stillen muss jede Mutter auf sich und die Bedürfnisse ihres Kindes hören. Besteht der beidseitige Wunsch, bis ins Kleinkindalter oder länger zu stillen, sollte dies gemacht werden, ohne sich dafür in irgendeiner Weise rechtfertigen zu müssen. Es darf nicht vergessen werden, dass eine längere Stilldauer dem natürlichen Mutterinstinkt sowie dem Bedürfnis des Kindes entspricht. Zudem hat sich beim Langzeitstillen das Anlegen nach Bedarf bewährt, denn auf diesem Wege kann das Kind zum Beispiel ein- bis zweimal täglich oder auch nur jeden zweiten Tag gestillt werden.

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Stillt sich das Kind allerdings von selbst ab und verlangt nicht mehr nach der Brust, sollte dies von der stillenden Mutter akzeptiert werden. Wichtig ist auch, spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats auf zusätzliche Beikost umzustellen, denn ab diesem Alter kann die Muttermilch den Nährstoffbedarf nicht mehr komplett decken. Bei Unsicherheiten oder Fragen bezüglich der Beikost sowie des Langzeitstillens können sich Mütter Rat und Unterstützung bei Hebammen oder Stillberaterinnen holen. Um sich mit anderen langzeitstillenden Müttern auszutauschen oder Kontakte zu knüpfen, bieten sich Stillgruppen in der Umgebung an.

Bitte beachten:
Frühestens ab dem fünften Monat, spätestens jedoch mit Beginn des siebten Lebensmonats sollte Beikost eingeführt werden, denn ab diesem Alter brauchen Babys zusätzlich feste Nahrung, um ausreichend versorgt zu werden.

Durchschnittliche Stilldauer

Wer sein Baby stillt, tut ihm einen sehr großen Gefallen, denn Muttermilch ist die gesündeste Nahrung für Neugeborene und schützt auch Kleinkinder effektiv vor Krankheitserregern sowie Infektionen. Doch warum werden Babys dann oft vor ihrem ersten Geburtstag abgestillt? Sobald die Grenze vom Baby zum Kleinkind überwunden ist, hört für viele Mütter die Stillbeziehung auf. In Deutschland liegt die durchschnittliche Stilldauer sogar bei lediglich 7,5 Monaten, weshalb bereits ab dem ersten oder zweiten Geburtstag des Kindes oftmals von einem sogenannten Langzeitstillen gesprochen wird. Selbst Mütter, die ihr neun bis zwölf Monate altes Baby stillen, werden heutzutage schon schief angeschaut und mit der Frage „Stillst du etwa noch immer?“ konfrontiert.

Dabei ist es gar nicht so lange her, da wurde auch in Deutschland sowie in anderen westlichen Industriestaaten noch deutlich länger gestillt und das Anlegen von Kleinkindern war ganz selbstverständlich. Doch unter anderem durch die Weiterentwicklung der künstlichen Säuglingsnahrung (Formula-Nahrung) sowie durch die vermehrte Berufstätigkeit der Frauen hat die Stilldauer kontinuierlich abgenommen. Häufig kehren die Mütter nach einer ein- oder zweijährigen Elternzeit wieder zurück in ihren Beruf, weshalb in fast allen Fällen spätestens zu diesem Zeitpunkt mit dem Stillen aufgehört wird.

Anthropologische Forschungen weisen zudem darauf hin, dass das natürliche Alter zum Abstillen beim Menschen zwischen 2,5 Jahren und sage und schreibe 7 Jahren liegt. Dies sind natürlich nur Zahlen, dennoch zeigen sie, dass das Abstillen heutzutage enorm früh stattfindet. Biologisch gesehen gibt es keine zeitliche Obergrenze für das Stillen, denn die Muttermilch passt sich zu jeder Zeit den Bedürfnissen des Kindes an. Grenzen bezüglich der Stilldauer werden demzufolge lediglich von der Gesellschaft gesetzt und stillende Mütter werden leider viel zu häufig von der Meinung Außenstehender beeinflusst.


Zahlen und Fakten zum Langzeitstillen

Eine repräsentative Studie zum Thema Langzeitstillen und wie viele „langzeitgestillte“ Kinder es hierzulande gibt, ist nicht verfügbar. Das liegt zum einen an den fehlenden Zahlen diesbezüglich und zum anderen an der Tatsache, dass Mütter, die sich bewusst zum Langzeitstillen entschieden haben, dies meist für sich behalten, um Diskussionen sowie der unberechtigten Kritik anderer Personen aus dem Weg zu gehen.

Laut einer nicht-repräsentativen Langzeitstudie (DONALD-Studie) aus Dortmund über Ernährung, Entwicklung und Stoffwechsel von Kindern und Jugendlichen werden jedoch rund zwei Prozent der Kinder im Alter von 24 Monaten gestillt. Zum Vergleich: Im Alter von einem Jahr werden noch etwa 20 Prozent der Kinder gestillt. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Langzeitstillen hierzulande sehr selten ist und sich die meisten Mütter vor dem ersten Geburtstag ihres Kindes zum Abstillen entscheiden.

Bitte beachten:
Wie lange gestillt wird, ist ausschließlich die Entscheidung von Mutter und Kind und sollte weder von der Familie sowie Freunden noch von fremden Personen hinterfragt werden. Fühlen sich Mutter und Kind wohl und lässt es die Gesundheit zu, sollte der Stillvorgang so lange wie möglich genossen werden.

Vorteile des Langzeitstillens

Die gesundheitlichen Vorteile von Muttermilch für Neugeborene sind nicht von der Hand zu weisen, weshalb sich rund 90 Prozent der Mütter erfreulicherweise nach der Geburt ihres Kindes für das Stillen entscheiden. So enthält Muttermilch unter anderem viele Antikörper, wichtige Nährstoffe, zahlreiche Spurenelemente, Eiweiße, ungesättigte Fettsäuren, Hormone, Aminosäuren sowie Kohlenhydrate. Die enthaltenen Stoffe in der Muttermilch schonen den noch sehr empfindlichen Magen-Darm-Trakt des neugeborenen Säuglings und sorgen gleichzeitig für ein starkes Immunsystem, regulieren den Appetit und kurbeln die Fettverbrennung an.

Doch nicht nur in den ersten Lebensmonaten, auch das Langzeitstillen bringt viele Vorteile mit sich: So sind die gesundheitlichen sowie nährstoffbezogenen Vorteile auch bei etwas älteren Kindern weiterhin vorhanden und Krankheiten können demzufolge schneller auskuriert werden. Hinzu kommt, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind nachhaltig durch das Stillen gestärkt wird, was dem gestillten Kind wiederum Liebe sowie Geborgenheit vermittelt. All das sind wichtige Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und das Knüpfen von Freundschaften sowie sozialen Kontakten im späteren Leben wird positiv beeinflusst. Auch beim Laufen lernen und wenn das Kind anfängt, die Welt auf zwei Beinen zu erkunden, sorgt das Stillen für Sicherheit. Fällt das Kind bei seinen ersten Laufversuchen hin, kann es durch das Anlegen an die Brust beruhigt werden und neuen Mut schöpfen.

Studien belegen zudem, dass Langzeitstillen nachweislich vor bestimmten Krebserkrankungen im Kindesalter schützen kann und das Risiko an Diabetes Typ 1 und Typ 2 zu erkranken, geringer ist. Des Weiteren treten Fettleibigkeit und Übergewicht sowie Zahnprobleme im späteren Leben seltener auf, da das längere Stillen sowohl die Gaumen- als auch die Kieferentwicklung positiv beeinflusst.

Weitere Vorteile des Langzeitstillens sind folgende:

  • Allergien und Unverträglichkeiten treten seltener auf
  • Es kommt seltener zu Verhaltensauffälligkeiten sowie Lernschwierigkeiten
  • Geringeres Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen im späteren Leben
  • Pilz- und Lungeninfektionen sind seltener
  • Erkältungen, Durchfallerkrankungen sowie Übelkeit können vorgebeugt und schneller auskuriert werden
  • Positive Auswirkungen auf den IQ und das gesamte Lernverhalten
Gut zu wissen:
Nicht nur das Kind, sondern auch die stillende Mutter kann in Sachen Gesundheit vom Langzeitstillen profitieren, denn das Risiko an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken, ist geringer.

Hat das Langzeitstillen Nachteile?

Grundsätzlich spricht nichts gegen das Langzeitstillen, sofern sowohl die Mutter als auch das Kind dies wollen, keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen oder stillunverträgliche Medikamente eingenommen werden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) veröffentlichte hierzu im Jahr 2005 die Verlautbarung „Breastfeeding and the Use of Human Milk“, in der es zusammenfassend heißt, es gebe keine Obergrenze für das Stillen. Des Weiteren heißt es, es liegen keine Beweise vor, dass die körperliche Entwicklung sowie die Psyche von Kindern einen Schaden durch das Langzeitstillen über das dritte Lebensjahr hinaus davontragen.

Die vielen Vorurteile, wie zum Beispiel langes Stillen beeinträchtigt die Loslösung oder die Kinder werden nicht selbstständig, sind keineswegs belegt. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Kinder, die lange gestillt werden, haben oft ein sehr ausgeprägtes Vertrauen in sich selbst und gehen dementsprechend selbstbewusst durch die Welt. Problematisch kann es jedoch werden, wenn das Kind sehr häufig an die Brust möchte und sich ausschließlich durch das Stillen beruhigen und trösten lässt. Zieht das Kind bei jeder Gelegenheit am Oberteil, um an der Brust trinken zu können, kann dies sehr anstrengend für die stillende Mutter werden. Indem die Kinder auch nachts nach der Brust verlangen, könnte zudem der erholsame Nachtschlaf gestört werden oder das Kind vernachlässigt durch das Stillen die festen Mahlzeiten am Esstisch. Zwar ist das Langzeitstillen in erster Linie die Entscheidung von Mutter und Kind, nichtsdestotrotz sollte im Vorfeld die Meinung des Partners eingeholt werden, um gemeinsam an einem Strang ziehen und möglichen Beziehungsproblemen vorbeugen zu können.

Gut zu wissen:
Eine lange Stilldauer führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase.

Empfehlungen der WHO und Nationalen Stillkommission

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Im Alter von etwa einem halben Jahr sollte mit der Beikost angefangen und die Milchmahlzeiten nach und nach mit fester Nahrung ersetzt werden. Eine maximale Stilldauer gibt die WHO nicht an, im Gegenteil: Aufgrund der vielen gesundheitlichen Vorteile des Stillens gibt die WHO Müttern diesbezüglich die Empfehlung, ihr Kind zwei Jahre und länger zu stillen. Und das nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch hierzulande sowie in anderen westlichen Industriestaaten.

Ähnlich sieht es die Nationale Stillkommission, die Müttern rät, zwischen dem fünften und dem siebten Lebensmonat mit der Umstellung auf Beikost zu beginnen und zusätzlich zu stillen. Hierzu wird explizit darauf hingewiesen, dass die Einführung der Beikost nicht mit dem Abstillen gleichzusetzen ist. Vielmehr soll die feste Nahrung die Muttermilch über das erste Lebensjahr hinaus ergänzen. Bei der Frage zur optimalen Stilldauer betont die Stillkommission, dass diese Entscheidung ganz individuell und gemeinsam von Mutter und Kind getroffen werden muss. Somit gibt weder die WHO noch die Nationale Stilkommission eine maximale Stilldauer vor, sondern macht auf die positiven Auswirkungen des Langzeitstillens aufmerksam. Zudem sind viele Hebammen sowie Stillberaterinnen davon überzeugt, dass Kinder von einer längeren Stilldauer profitieren.


Zusammenfassung zum Thema Langzeitstillen

Langzeitstillen ist ganz natürlich, weshalb es diesbezüglich keine empfohlene Altersgrenze gibt. Doch obwohl das natürliche Alter zum Abstillen heutzutage zwischen 2 und 4 Jahren liegt, werden die Kinder in Deutschland im Durchschnitt bereits mit 7,5 Monaten abgestillt, was unter anderem mit dem gesellschaftlichen Wandeln sowie der Berufstätigkeit vieler Mütter zusammenhängt. Sofern sich Mutter und Kind wohlfühlen, die Gesundheit es zulässt und keine stillunverträglichen Medikamente eingenommen werden, spricht nichts gegen ein langes Stillen. Im Gegenteil, denn das Langzeitstillen bringt viele gesundheitlichen Vorteile mit sich.

So ist das gestillte Kind unter anderem besser vor Krankheitserregern und Infektionen geschützt und das Risiko von Allergien, Unverträglichkeiten, Übergewicht, Diabetes sowie Herz-Kreislauferkrankungen ist im späteren Leben geringer. Um jedoch ausreichend mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt zu werden, sollte spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats die Beikost eingeführt werden.

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