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Nabelschnurblut – Alleskönner oder Abfallprodukt?

Nabelschnurblut

Die Informationen über den Wert und das Potential von Nabelschnurblut wird nur sehr langsam weitergegeben. Derzeit werden in Europa noch bis zu 97% dieser Wunderwaffe gegen diverse Erkrankungen einfach entsorgt. Dabei enthält dieses Blut etwas so Wertvolles, das sogar die Kraft hat, bisher als unheilbar geltende Krankheiten zu heilen.

Welcher wertvolle Inhalt kann aus Nabelschnurblut gewonnen werden?

Nabelschnurblut ist, so wie Plazentablut, reich an Stammzellen. Das sind Körperzellen, die sich in alle unterschiedlichen Zelltypen weiterentwickeln können. Eine Stammzelle kann sich beispielsweise zu einer Nervenzelle entwickeln, zu einer Gehirnzelle oder einer Hautzelle. Über die Entwicklung der Zelle entscheidet die jeweilige Umgebung, in der sie sich befindet. Außerdem ist sie in der Lage, sich durch Teilung zu vermehren. Und zwar schneller, als beispielsweise Stammzellen aus dem Knochenmark. Stammzellen erschaffen wieder neue Stammzellen mit denselben Fähigkeiten zur Transformation.


Das macht diese Art der Zelle zu einem wichtigen Gut in Medizin und Forschung. Denn Stammzellen sind in der Lage, ein gestörtes Blutsystem wiederherzustellen. Indikationen für eine Stammzellentransplantation sind unter anderem verschiedene Krebserkrankungen wie Leukämie und Gehirntumore oder Morbus Parkinson, maligne Lymphome und erblich bedingten Immunschwächekrankheiten. Auch beim Wiederaufbau nach einem Herzinfarkt leisten sie Großartiges.

In Forschung und Medizin unterscheidet man embryonale von adulten Stammzellen. Das Entnehmen embryonaler Stammzellen wird ethisch kontrovers diskutiert. Adulte Stammzellen, die beispielsweise im Nabelschnurblut aufzufinden sind, sind zwar nicht so potent wie embryonale Stammzellen, zeigen jedoch trotzdem gute Erfolge bei der Therapie oben genannter Indikationen.

Wie wird das Nabelschnurblut entnommen? Wie läuft die Spende ab?

Gesunde Schwangere können nach der Entbindung ihr Nabelschnurblut spenden. Vor der Spende werden mögliche erblich bedingte Erkrankungen sowie Infektionen wie HIV und Hepatitis C ausgeschlossen. Die Gewinnung ist einfach, schmerzfrei und risikoarm. Nach der Abnabelung des Kindes aus Nabelschnur und Plazenta entnommen und gelagert. Vor endgültiger Archivierung wird das Blut noch einmal auf Krankheiten und Infektionen gecheckt.

Wie wird das Nabelschnurblut bzw. dessen Stammzellen eingelagert? Was passiert mit dem Nabelschnurblut?

Das untersuchte Nabelschnurblut wird in Röhrchen gefüllt und an das Labor gesendet. Dort werden die Stammzellen aus dem Blut isoliert und mittels Kryokonservierung tiefgefroren. Mit demselben werden auch Ei- und Samenzellen für eine spätere Befruchtung konserviert.


Wie kann das Nabelschnurblut gespendet werden?

Grundsätzlich gibt es drei Arten der Spende:

  • Bei der allgemeinen Spende wird das Blut aus der Nabelschnur für die Therapie erkrankter Personen (Allogene Stammzellentransplantation) gespendet.
  • Bei der gerichteten Spende steht das Nabelschnurblut nur für einen eingeschränkten Personenkreis zur Verfügung. Meist wird dieser auf die Verwandtschaft ersten Grades limitiert.
  • Eine Eigenspende ist nur für die Spenderperson gedacht. Das Nabelschnurblut wird für einen möglichen Eigenbedarf (Autologe Stammzellentransplantation) eingelagert. Diese Version ist fast ausschließlich mit einer privaten Stammzellendatenbank umzusetzen.
  • Last but not least möchte auch die Spende für die Stammzellenforschung erwähnt sein. Dieses Teilgebiet der Wissenschaft hat noch so viel unentdecktes Potential. Eine Spende lohnt sich.

Wo kann Nabelschnurblut gespendet werden?

Gespendet werden kann noch nicht in allen Kliniken mit angeschlossener Entbindungsstation. Ihr findet auf der Seite DKMS*Nabelschnurdatenbank eine Auswahl an nach Standorten aufgelisteten Kliniken, in denen eine Spende möglich gemacht wird.

Nach Entnahme wird das Nabelschnurblut an ein Stammzellenregister gesendet. Dort werden alle weiter oben beschriebenen Schritte bis zur Archivierung vorgenommen.

Was Nabelschnurblutspenden und Stammzellentherapien betrifft, ist Japan schon weiter. Dort werden bereits die Hälfte aller Stammzellentransplantationen mit Zellen aus Nabelschnurblut durchgeführt.

Wie gehe ich am besten vor, wenn ich mein Nabelschnurblut spenden möchte?

  1. Wägt die bestehenden Risiken gemeinsam mit dem Arzt eures Vertrauens ab.
  2. Sucht euch eine Nabelschnurdatenbank, die euch informiert und unterstützt. Entscheidet euch für die Möglichkeit einer kostenlosen Spende bei einer öffentlichen Datenbank. Private Datenbanken sind zahlreich, aber teuer.
  3. Lasst euch von einem Mitarbeiter der jeweiligen Stammzellendatenbank eine Liste der Krankenhäuser in eurer Nähe geben, die mit der Datenbank kooperieren.
  4. Informiert das ausgewählte Spital über euer Vorhaben. Lasst euch die Vereinbarung zur Spendenabnahme schriftlich geben.

Datenbanken für eine Nabelschnurblutspende

  • Eine öffentliche Datenbank in Deutschland ist die DKMS*Nabelschnurdatenbank.
  • Eine öffentliche Datenbank in Österreich ist das österreichische Stammzellenregister, das in der Gesundheit Österreich GmbH angesiedelt ist. Sie sind derzeit aber aufgrund bürokratischer Hürden noch nicht in der Lage, Stammzellen aus Nabelschnurblut zu isolieren und zu konservieren. Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen unterstützt zwar den Aufbau einer Nabelschnurdatenbank, spricht sich aber gegen die Eigenspende aus. Interessierte haben demnach derzeit nur die Möglichkeit, sich über private Datenbanken eine Eigenblutspende anzulegen. Hier sei auf das Risiko der Konkurse und Pleiten verwiesen. Viele private Datenbanken sind bereits wieder verschwunden. Und damit auch die Nabelschnurspende.
  • Öffentliche Datenbanken in der Schweiz findet man in den Universitäten zu Basel und Genf. Bei privaten Datenbanken müsst ihr mit einem Preis von 2000 bis 3000 Schweizer Franken rechnen.
  • Wer sein Nabelschnurblut für die Allgemeinheit spenden möchte, kann dies über die international tätige Einrichtung Eurocort tun.

Wie lange sind gelagerte Stammzellen aus Nabelschnurblut haltbar?

Die Haltbarkeitsdauer der eigenen Stammzellen wird mit 20 – 25 Jahren angegeben.

Wie viel kostet die Archivierung meiner Stammzellen aus Nabelschnurblut?

Öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen lagern eure Spende kostenlos. In dem meisten Fällen kann jedoch in öffentlichen Datenbanken keine Eigenblutspende archiviert werden.

Private Einrichtungen verlangen ab ca. 2.000 Euro und garantieren eine Einlagerung bis zu 25 Jahren. Informiert euch umfassend über private Stammzellendatenbanken. Es kommt nämlich immer wieder vor, dass solche Einrichtungen in Konkurs gehen und zusammen mit euren Stammzellen im Nirgendwo verschwinden.

Was wird vor der Abnahme von Nabelschnurblut untersucht? Was wird im Nabelschnurblut selbst untersucht?

Überprüft wird das Vorliegen einer

  • aktuellen Infektion wie Masern, Röteln, Toxoplasmose, usw.
  • Autoimmunerkrankung
  • bösartigen Neoplasie (Tumor)
  • Chronische Borreliose
  • chronischen Erkrankung
  • genetischen Erkrankung
  • hämatologischen Erkrankung
  • HBV (Hepatitis B)
  • HCV (Hepatitis C)
  • Herzkrankheit
  • HIV (Aids)
  • HTLV (Humanes T-lymphotropes Virus)
  • immunologischen Erkrankung
  • neurologischen Erkrankung
  • Protozoonose (Infektion)
  • Somatome Enzephalopathie (TSE – Creutzfeld-Jacob-Krankheit)
  • Syphilis

Wann wird man als Spenderin ausgeschlossen?

Ausschließungsgründe sind neben oben genannten Erkrankungen beispielsweise:

  • Frühgeburten
  • Mehrlingsgeburten
  • Notkaiserschnitt
  • Einnahme von Medikamenten
  • Suchtproblematik (Alkohol, Drogen)

Welche Kritik wird gegen die Nabelschnurblutspende hervorgebracht? Was spricht gegen eine Nabelschnurblutspende?

Kein Nutzen, wo nicht auch ein Schaden entstehen kann. Das gilt vor allem auch in der Medizin. Jede noch so kleine Operation ist mit Risiken verbunden. In manchen Fällen ist das Risiko zu hoch, um es einzugehen.

Kritische Stimmen gegen Nabelschnurblut bringen folgende Argumente vor:

  • Familiär bedingte Gendefekte sind auch in den Stammzellen des Nabelschnurblutes gespeichert.
  • Das frühzeitige Abklemmen der Nabelschnur kann zu einem Abfall der kindlichen Blutmenge führen.
  • Bei einer Studie zeigte die Hälfte Probanden nach einer Stammzellentransplantation aus Nabelschnurblut diverse Entzündungen im Körper.
  • Restrisiken bestehen bei Transplantation fremder Zellen grundsätzlich immer. Eine Risikoabwägung ist sinnvoll.
  • Im Vergleich zum Knochenmark steckt im Nabelschnurblut eine viel geringere Menge an Stammzellen.
  • Eine Zweitspende ist ausgeschlossen.

Wie sinnvoll ist eine Nabelschnurblutspende?

Bekannt ist die Stammzellentherapie bei Krebspatienten. Allen voran Blutkrebs (Leukämie) kann mit dieser Art der Therapie geheilt werden.  Was in Deutschland, Österreich und der Schweiz erst zögerlich anläuft, ist in Japan bereits gängige Praxis. Auch in Amerika hat sie sich bereits durchgesetzt. Europa hinkt hinten nach.

Info
In Europa steckt die Stammzellentransplantation noch in den Kinderschuhen. Wer jedoch einen Blick in andere Staaten und Länder wagt, kann sich davon überzeugen, dass eine Nabelschnurblutspende und die damit durchgeführte Therapie große Erfolge im Kampf gegen vielerlei bisher als unheilbar geltender Krankheiten verbuchen kann.

Die Regenerative Medizin schreitet mit großen Schritten voran und kann um die 85 Krankheiten konkret mit einer Stammzellentransplantation aus Nabelschnurblut heilen. Einige Indikationen sind:

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Immundefekte
  • Genetische Defekte
  • Hämoglobinpathien
  • Krebserkrankungen
  • Leukämie
  • Alzheimer
  • Morbus Parkinson
  • Regeneration nach Schlaganfall
  • Multiple Sklerose
  • Diabetes Typ 1
  • Angeborene Herzfehler bei Babys (Mitwachsende Herzklappen)

Erforscht wird derzeit außerdem die Behandlung von:

  • Neurologischen Erkrankungen
  • Haut-, Knochen und Knorpelgewebe und deren Ersatz

Wer ein wenig recherchiert, wird schnell feststellen, wie sinnvoll eine Nabelschnurblutspende ist. Warum sich die Behandlung in Europa nur so schleppend weiterentwickelt, ist auch oft eine Frage der derzeitigen Politik. Sinnvoll ist deshalb, sich privat zu informieren und sich nicht nur auf öffentliche Stellungnahmen bzw. Aussagen zu verlassen.

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