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Zangengeburt: Häufigkeit, Notwendigkeit und Risiken

Zangengeburt

Dauert die Geburt in der Endphase zu lange oder treten währenddessen bestimmte Komplikationen auf, kann eine Zangengeburt dabei helfen, das Baby im Notfall schnell auf die Welt zu holen. Der Eingriff geschieht dabei mithilfe einer speziellen Metallzange, die vorsichtig um den Kopf des Kindes gelegt wird. Durch das sanfte Herausziehen des Kindes aus der Vagina soll das Wohlergehen von Mutter und Baby gewährleistet werden.

In diesem Artikel informieren wir euch über die Risiken einer Zangengeburt und unter welchen Voraussetzungen diese durchgeführt werden kann. Zudem erfahrt ihr, wie eine Zangengeburt vonstattengeht.

Wann ist eine Zangengeburt notwendig?

Um das Thema Zangengeburt ranken sich nach wie vor viele Horrorgeschichten. Dabei ist unter anderem von stark und auf Dauer deformierten Köpfen, ja sogar von abgerissenen Köpfen die Rede. Um das gleich zu Beginn klarzustellen, diese Horrorszenarien sind bei einer Zangengeburt keinesfalls zu befürchten. In bestimmten Situationen stellt die vaginale Geburt mithilfe einer Zange vielmehr ein sehr nützliches Hilfsmittel dar und hat sich in der Gynäkologie über viele Jahre bewährt.

Zwar wird die Saugglocke bei einer Entbindung häufiger als eine Geburtszange verwendet und auch ein Kaiserschnitt ist deutlich verbreiteter. Nicht immer jedoch bleibt für einen Kaiserschnitt oder das Ansetzen der Saugglocke Zeit und es zählt schlicht und ergreifend jede Minute, was wiederum eine Zangengeburt notwendig macht. Dabei gehören die Zangengeburt, welche im medizinischen Bereich auch Forcepsentbindung genannt wird, sowie die Saugglockengeburt zu den sogenannten vaginal-operativen Eingriffen. Sowohl die Zange als auch die Saugglocke kommen zum Einsatz, wenn die Geburt schnell beendet werden muss und die fortgeschrittene Geburt ins Stocken geraten ist.

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Tritt der Kopf des Kindes trotz Presswehen in der Austreibungsphase nach etwa 15 bis 20 Minuten nicht von selbst aus, müssen unterstützende Maßnahmen, wie zum Beispiel der Einsatz einer Geburtszange oder einer Saugglocke, ergriffen werden. Da es durch die Verzögerung bei der Entbindung unter anderem zu einer lebensbedrohlichen Unterversorgung mit Sauerstoff kommen kann, ist ein schnelles Handeln nötig und der Arzt muss die Geburt vorantreiben.

Doch nicht nur bei einer zu langen Austreibungsphase, auch wenn das Baby unter starkem Stress leidet, wird der Arzt eine Zangengeburt vornehmen, um Komplikationen zu verhindern. Ein beginnender Sauerstoffmangel und Stress beim Baby lassen sich daran erkennen, dass die Herztöne beim Baby nachlassen. Die Herztätigkeiten des Babys sowie die Wehentätigkeiten der werdenden Mutter werden während der gesamten Geburt von einem CTG (Cardiotokografie oder Wehenschreiber) kontrolliert und gemessen.

Auch mütterliche Vorerkrankungen, die ein aktives und starkes Pressen in der Austreibungsphase nicht zulassen, können eine Zangengeburt notwendig machen. Zu solchen Erkrankungen gehören unter anderem Netzhautablösungen sowie bestimmte Augenerkrankungen, Epilepsie oder andere Erkrankungen am Gehirn, Asthma sowie Herzklappenfehler. Zudem kommt die Zangengeburt bei einer starken Erschöpfung der Mutter sowie bei einer Wehenschwäche zum Einsatz.

Wir haben euch die häufigsten Gründe für eine Zangengeburt zusammengefasst:

  • Die Mutter zeigt starke Erschöpfungserscheinungen und hat keine Kraft mehr zum Pressen.
  • Das Kind steckt im Geburtskanal fest und der Kopf tritt trotz Presswehen nach etwa 20 Minuten nicht durch.
  • Das Kind befindet sich mit dem Kopf nach unten, allerdings blickt es in Richtung Bauch der Mutter.
  • Das Kind zeigt laut dem CTG auffällige Stressreaktionen und erholt sich nach einer Wehe nicht mehr ausreichend.
  • Es muss einer Unterversorgung mit Sauerstoff vorgebeugt werden.
  • Die kindlichen Herztöne werden immer schwächer und es bleibt keine Zeit mehr für eine Saugglockengeburt.
  • Die Austreibungsphase dauert zu lange.
  • Die Wehen sind zu schwach, um das Baby auf die Welt zu bekommen.
  • Bestimmte Vorerkrankungen der Mutter.

Voraussetzungen für eine Zangengeburt

Um überhaupt eine Zangen- oder Saugglockengeburt durchführen zu können, muss der Muttermund nach der Eröffnungsphase komplett geöffnet sein. Auch muss der Beckenausgang der werdenden Mutter eine gewisse Breite aufweisen und darf nicht zu eng sein, damit der Kopf des Kindes samt Zange hindurchpassen. Zudem muss der Kopf des Babys bereits tief im Becken liegen und die Fruchtblase muss geplatzt, beziehungsweise eröffnet sein.

Um zu verhindern, dass die Geburtszange abrutscht oder gar nicht über den Kopf des Babys passt, muss das Köpfchen außerdem „zangengerecht“ sein und darf nicht zu groß oder zu klein sein. Ganz wichtig ist auch, dass der durchführende Arzt genügend Erfahrung in Sachen Zangengeburt hat und sowohl präzise als auch vorsichtig arbeitet.

Eine weitere Voraussetzung bei der Zangengeburt ist, dass das Baby in der sogenannten Kopflage, also mit Kopf nach unten, im Becken liegt und dieser gut erreichbar ist. In seltenen Fällen ist es jedoch auch möglich, die Zangengeburt bei einer Beckenend-, beziehungsweise Steißlage durchzuführen. Hierfür ist allerdings eine Spezialzange sowie Erfahrung des Arztes erforderlich.

Gut zu wissen:
Ist der Kopf des Kindes zu klein oder zu groß, kann in einigen Fällen weder eine Geburtszange noch eine Saugglocke verwendet werden, um die Geburt zu beschleunigen. Das Gleiche gilt, sollte das Köpfchen zu empfindlich für eine Geburtszange sein, was bei Frühchen häufiger vorkommt.

Wie wird eine Zangengeburt durchgeführt?

Um den gesamten Geburtsvorgang sowie den Austritt des kindlichen Kopfes zu beschleunigen, kann eine Zangengeburt notwendig sein. Doch wie genau wird die Geburtszange eingesetzt und der vaginale-operative Eingriff durchgeführt?

Bevor es überhaupt zu einer Zangengeburt kommt, erfolgt im Vorfeld eine Indikation und die Geburtshelfer klären die Gebärende über das weitere Vorgehen sowie die Risiken und mögliche Folgen auf. Gleichzeitig wird überprüft, ob die Voraussetzungen einer Zangengeburt gegeben sind. Erst, wenn die Indikation stattgefunden hat und die Voraussetzungen erfüllt sind, wird die Geburtszange eingesetzt, um die Geburt zu beenden und das Baby auf die Welt zu holen.

Obwohl der Name vielleicht was anderes vermuten lässt, wurde die Geburtszange so entwickelt, dass das Köpfchen des Babys auf relativ schonende Weise umfasst wird und anschließend herausgezogen werden kann. Um genug Platz im Becken zu haben, wird in der Regel zuerst die Harnblase entleert, was wiederum mithilfe eines Einmalkatheters durchgeführt wird. In den meisten Fällen ist außerdem ein Dammschnitt (Episiotomie) erforderlich, um für zusätzlichen Platz in der Vagina zu sorgen. Gleichzeitig beugt der Dammschnitt einem Scheiden- oder unkontrollierten Dammriss vor.

Bevor die Zangengeburt durchgeführt wird, erhält die Gebärende eine Periduralanästhesie, besser bekannt unter der Abkürzung PDA, oder eine lokale Anästhesie. Durch die Betäubung im Bereich des Geburtskanals werden die Schmerzen in der Scheide, am Damm sowie im Beckenboden unterdrückt. Da jedoch der Pressdrang sowie die Wehen weiterhin vorhanden sind, kann die werdende Mutter den weiteren Geburtsvorgang aktiv miterleben und natürlich unterstützen. Während dem Eingriff ruhen die Beine in einer erhöhten Lage.

Sobald die Blase entleert ist und die Betäubung seine Wirkung zeigt, führt der Arzt die Geburtszange vorsichtig in das Becken der werdenden Mutter ein. Dabei handelt es sich bei der Geburtszange um zwei abgerundete sowie löffelartige Instrumente, welche wiederum zwei Krümmungen besitzen und noch oben hin breiter auslaufen. Die Geburtszange soll zum einen die Kopfform des Kindes nachahmen, zum anderen soll sich diese der Form des Beckens anpassen. Somit wird gewährleistet, dass die Biegung des Geburtskanals nachgebildet und die Geburt vereinfacht wird.

Dabei führt der Arzt in der Regel zuerst die eine und dann die andere Zangenhälfte sanft in die Scheide ein und setzt das Instrument daraufhin in der Mitte zusammen. Um Verletzungen in der Scheide und am Muttermund vorzubeugen, wird überprüft, dass keine Weichteile der Gebärenden zwischen den beiden Zangen eingeklemmt sind. Im Anschluss werden die löffelartigen Zangen nacheinander behutsam um den Kopf des Babys gelegt. Befinden sich diese an der richtigen Position, wird die Zange ganz vorsichtig geschlossen und es erfolgt ein Probezug, um sicherzustellen, dass die Zange nicht vom Kopf des Babys abrutscht.

Der Arzt zieht das Baby dann während der Wehe und mit Unterstützung der pressenden Mutter sanft aus dem Geburtskanal heraus. Sollte die Wehe nicht ausreichen, wartet der Frauenarzt die nächste Wehe ab und zieht dann weiter. Ist dies für den Geburtsvorgang nötig, kann der Kopf des Kindes mithilfe der Zange in die richtige Position gedreht werden. Sobald das Köpfchen bis zur Nacken-Haar-Grenze aus der Scheide ausgetreten ist, wird die Geburt auf normale Weise, also wie bei einer Spontangeburt, fortgesetzt und die Geburtszange wird nicht mehr benötigt.

Damit das Baby leichter aus dem Geburtskanal kommt, ist es in manchen Fällen sinnvoll, zusätzlich zur Geburtszange den sogenannten Kristeller-Handgriff anzuwenden. Bei dieser Methode wird der Popo des Kindes über die Bauchdecke der Gebärenden von einer Hebamme oder einem anderen Assistenten ertastet. Im Zuge einer Wehe wird dann meist mit den flachen Händen starker Druck auf den oberen Rand der Gebärmutter ausgeübt. Bevor der Kristeller-Handgriff angewendet wird, muss euch der Arzt unbedingt über das Vorhaben informieren, ansonsten kann die Gebärende aufgrund der Heftigkeit erschrecken oder sogar ein Trauma erleiden.

Nach der erfolgreichen Zangengeburt kann das Baby der frisch gebackenen Mama direkt auf die Brust oder in die Arme gelegt werden. Im Anschluss folgt zudem eine gründliche Untersuchung von Mutter und Baby, um unter anderem mögliche Verletzungen im Becken erkennen und gegebenenfalls behandeln zu können. Sofern die Zangengeburt ohne Komplikationen verlaufen ist, unterscheidet sich die Rückbildung der Gebärmutter und die Zeit im Wochenbett nicht von einer normalen Geburt.

Häufigkeit einer Zangengeburt in der heutigen Zeit

Im Gegensatz zu früher kommt die Zangengeburt heutzutage nur noch selten zum Einsatz. In Zahlen ausgedrückt, handelt es sich laut dem Statistischen Bundesamt bei nur noch 0,3 Prozent (Stand 2017) der Entbindungen in Deutschland um eine Zangengeburt, was auch von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe belegt wird. Im Vergleich hierzu wurde im Jahr 2017 bei 5,9 Prozent der Entbindungen eine Saugglocke verwendet. In anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise England sowie in den Niederlanden, ist die Anzahl der Zangengeburten hingegen gestiegen.

Gut zu wissen:
Ein Grund für die gesunkene Anzahl an Zangengeburten ist unter anderem, dass Kinder, die kurz vor dem Entbindungstermin noch nicht die richtige Geburtsposition mit dem Köpfchen nach unten eingenommen haben, vorsichtshalber häufig durch einen Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden.

Welche Risiken birgt eine Zangengeburt für Mutter und Baby?

Für viele werdende Eltern kommt der Gedanke an eine Zangengeburt einem Horrorszenario gleich und die Angst vor den Risiken dieser speziellen Entbindungsmethode ist oft groß. Wir können euch allerdings beruhigen: Wird die Zangengeburt korrekt und von einem erfahrenen Frauenarzt durchgeführt, ist diese nur mit geringen Risiken für Mutter und Baby verbunden und Verletzungen sind nur äußerst selten.

Zwar ist dies ein sehr hartnäckiger Irrglaube, allerdings bleibt der Kopf des Kindes nach einer Zangengeburt nicht verformt. Aufgrund des weichen Kopfes können beim Baby allerdings tatsächlich vorübergehende Verformungen auftreten. So kann es beispielsweise passieren, dass der Kopf in den ersten Tagen nach der Entbindung minimal in die Länge gezogen ist.

Durch den Einsatz der Geburtszange können zudem leichte Abschürfungen, Hautrötungen, kleine Blutergüsse sowie Druckstellen am zarten Kopf zu sehen sein. Diese sogenannten „Zangenmarker“ sowie der verformte Kopf gehen bereits nach wenigen Tagen wieder von selbst zurück und heilen in der Regel schnell und ohne Folgeschäden ab.

In seltenen Fällen kommt es durch die Geburtszange zu einer leichten sowie meist einseitigen Gesichtslähmung beim Neugeborenen. Allerdings ist auch diese nur temporär und bildet sich im Normalfall spätestens nach einigen Wochen wieder komplett zurück. Die Fazialisparese, wie die Gesichtslähmung im medizinischen Bereich genannt wird, kann durch eine Kompression des Gesichtsnervs hervorgerufen werden, welche wiederum von der Geburtszange ausgelöst wird. Ist der Druck auf den Kopf des Kindes sehr stark, kann es in ganz seltenen Fällen zu einer Schädelfraktur kommen.

Bei der Mutter hingegen kann es zu Verletzungen im Geburtskanal sowie zu Rissen in der Scheide, in der Gebärmutter oder im Muttermund kommen. Zudem sind Risse am Damm sowie ein Weiterreißen eines bereits bestehenden Dammschnitts möglich. Eventuelle Risse sowie andere Verletzungen im Genitalbereich werden sofort ärztlich versorgt und heilen in der Regel ohne Probleme wieder ab. Die genannten Risiken bestehen insbesondere, wenn der durchführende Geburtshelfer keine Erfahrungen mit der Zangengeburt hat oder die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt waren.

Einige Frauen haben nach der Zangengeburt das Gefühl „versagt“ zu haben oder sind über den Verlauf der Geburt enttäuscht. Auch das Gefühl des Ausgeliefertseins während der Zangengeburt hinterlässt oft Spuren bei den Müttern. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, dass der Eingriff nötig war, um das Baby schnell und gesund auf die Welt zu bringen. Zudem kann es hilfreich sein, mit der Hebamme oder dem Frauenarzt über das Erlebte zu sprechen und den Geburtsverlauf im Nachhinein noch einmal gemeinsam zu besprechen.

Wir haben für euch die Risiken einer Zangengeburt auf einen Blick zusammengefasst:

Mögliche Risiken beim Baby

  • Temporäre Verformung des weichen Kopfes
  • Abschürfungen, kleine Blutergüsse und Hautrötungen am Kopf
  • Vorübergehende Gesichtslähmung
  • Frakturen am Schädel (sehr selten)

Mögliche Risiken bei der Mutter

  • Risse im Muttermund und in der Gebärmutter
  • Risse in der Scheide und am Damm
  • Weiterreißen eines Dammschnitts
  • Traumata sowie Gefühl des Versagens nach der Zangengeburt

Vorteile einer Zangengeburt

Für eine Zangengeburt spricht, dass die Geburt vaginal und gleichzeitig schneller beendet und ein Kaiserschnitt vermieden werden kann. Anders als die Saugglocke ist die Geburtszange außerdem schnell einsatzbereit und bedarf keiner langen Vorbereitungszeit. Dies ist enorm wichtig, wenn es in der Endphase der Geburt schnell gehen muss und Eile geboten ist, um dem Kind auf die Welt zu verhelfen.

Zudem ist es mit der Zangengeburt möglich, den Kopf des Kindes zu drehen, sollte dies für den weiteren Geburtsverlauf nötig sein. Eine Zangengeburt ist unter bestimmten Voraussetzungen sowie mit einer Spezialzange selbst bei einer Beckenend-, beziehungsweise Steißlage des Babys möglich. Ein weiterer Vorteil der Zangengeburt ist, dass diese, anders als bei der Saugglockengeburt, selbst ohne eine Stromversorgung durchgeführt werden kann und keine weiteren Instrumente nötig sind.

Alternative zur Zangengeburt: Die Saugglockengeburt (Vakuum-Extraktion)

Vom Prinzip her läuft die Geburt mithilfe einer Saugglocke ähnlich ab wie eine Zangengeburt. Anstelle einer Zange wird jedoch eine passende Saugglocke aus Metall oder Silikon verwendet, welche auf das Köpfchen gesetzt wird und aufgrund von Unterdruck daran haften bleibt. Dabei gibt es bei den Saugglocken verschieden große Ausführungen, die sich der individuellen Kopfform sowie Kopfgröße des Kindes anpassen. Der Unterdruck wiederum ist nötig, um den Kopf des Babys aus der Vagina ziehen zu können.

Eine Saugglockengeburt kann nur unter den gleichen Voraussetzungen wie bei der Zangengeburt durchgeführt werden und nur dann, wenn der kindliche Kopf gut zu erreichen ist, um die Saugglocke am Hinterkopf aufsetzen zu können. Auch bei einer Saugglockengeburt wird im Vorfeld eine PDA oder eine lokale Betäubung angewendet. Sobald die nächste Wehe einsetzt und unter dem starken Pressen der Mutter wird das Baby mithilfe der Saugglocke aus der Vagina herausgezogen.

Durch den Unterdruck kann nach einer Saugglockengeburt vorübergehend eine faustgroße Schwellung am Kopf des Babys auftreten, die sich jedoch nach einigen Tagen wieder zurückbildet und keine gesundheitlichen Schäden mit sich bringt. Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im Jahr 2017 bei rund 5,9 Prozent der Entbindungen eine Saugglocke verwendet. Genauso wie bei der Zangengeburt sind die Risiken bei einer Saugglockengeburt gering, doch wie bei allen anderen Eingriffen auch, können Komplikationen nie komplett ausgeschlossen werden.

Reißt die Saugglocke aufgrund eines zu geringen Drucks vom kindlichen Kopf ab, kann es in seltenen Fällen zu Hirnblutungen beim Baby kommen. Unter anderem aus diesem Grund wird die Saugglockengeburt nicht bei Frühgeburten angewandt, da sowieso ein erhöhtes Risiko einer Hirnblutung besteht. Durch den Unterdruck können in seltenen Fällen außerdem Blutungen in der Netzhaut der Augen auftreten. Zudem darf die Saugglocke nur direkt auf den Schädelknochen platziert werden und nicht auf der Fontanelle.

Muss es bei der Geburt sehr schnell gehen, wird die Zange der Saugglocke vorgezogen, um keine wertvolle Zeit zu verlieren. Zudem kann die Saugglocke nur eingesetzt werden, wenn sich das Baby in der Schädellage befindet, denn in einer Beckenend- oder Steißlage kann das Instrument nicht auf das Köpfchen gesetzt werden.

Auch der Kaiserschnitt stellt eine operative Alternative zur Zangengeburt dar und kann eine ins Stocken geratene Geburt frühzeitig beenden. Welches der Verfahren letztendlich angewandt wird, kommt unter anderem darauf an, wie weit die Geburt fortgeschritten ist und in welchem gesundheitlichen Zustand sich Mutter und Baby befinden.

Wissenswertes über die Historie der Zangengeburt

Erfunden wurde die Geburtszange im 17. Jahrhundert von dem englischen Gynäkologen Peter Chamberlen, der auch als bekannter Anwalt im Bereich der öffentlichen Gesundheit tätig war. Dieser verwendete die Geburtszange vor allem bei Mitgliedern aus der Königsfamilie und hütete die neue Methode zur Geburtshilfe wie ein strenges Familiengeheimnis. Im Laufe der Zeit wurde die Geburtszange mehr und mehr verbessert, weshalb die Verletzungen bei Mutter und Kind zurückgegangen sind und diverse Horrorgeschichten über die Zangengeburt mittlerweile zum Glück der Vergangenheit angehören.

Fazit

Zwar kommt eine Zangengeburt heutzutage nur noch bei etwa 0,5 Prozent der Entbindungen in Deutschland zum Einsatz, in einigen Fällen muss der vaginal-operative Eingriff allerdings durchgeführt werden, um die Gesundheit von Mutter und Baby zu gewährleisten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Geburt in der Endphase ins Stocken gerät, das Baby auffallende Stressanzeichen zeigt, keine Kräfte mehr zum Pressen vorhanden sind oder eine Wehenschwäche vorliegt.

Bei der Zangengeburt verhilft der Frauenarzt dem Baby mithilfe einer Metallzange, die vorsichtig um den Kopf des Kindes platziert wird, schnell auf die Welt und zieht es aus dem Geburtskanal. Um eine Zangengeburt überhaupt durchführen zu können, müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein und die Gebärende muss im Vorfeld über die Risiken des Eingriffs aufgeklärt werden. So muss beispielsweise der Muttermund vollständig geöffnet und die Fruchtblase eröffnet sein.

Wird die Zangengeburt von einem erfahrenen Geburtshelfer durchgeführt, ist diese relativ risikolos. Dennoch können bei der Mutter unter Umständen Verletzungen und Risse im Genitalbereich sowie am Damm auftreten. Beim Neugeborenen können sich aufgrund der Zange Hautrötungen, Abschürfungen sowie Hämatome bemerkbar machen. Zudem kann es zu einer vorübergehenden Gesichtslähmung kommen, die allerdings nach kurzer Zeit wieder komplett verschwindet.

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