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Lotusgeburt – Entbinden ohne abzunabeln – Vorteile, Risiken & Tipps

Lotusgeburt

Natürlich abnabeln, ohne einzugreifen. Darum geht es bei einer Lotusgeburt. Was damit gemeint ist? Die Nabelschnur bleibt solange an eurem Baby und auch der Plazenta, bis sie von ganz alleine abfällt. Befürworter und Anhänger der Lotusgeburt sehen dahinter zusätzlich einen tieferen, oftmals spirituellen Sinn. Sie sprechen von einem ganzheitlichen Geburtserlebnis, welches aus ihrer Sicht, insbesondere für das Baby, wesentliche Vorteile für einen gesunden und entspannten Start ins Leben bringen soll.

Welche Vorteile sind damit gemeint, wie funktioniert eine Lotusgeburt, welche Risiken beinhaltet sie und gibt es wirklich Menschen, die die Nachgeburt essen? All das erfahrt ihr nun in unserem Artikel.


Was ist eine Lotusgeburt und woher kommt sie?

Die Lotusgeburt wurde durch die Amerikanerin Claire Lotus Day ins Leben gerufen. Sie hinterfragte den Sinn der mechanischen Abtrennung der Nabelschnur und setzte sich stattdessen für ein „natürliches Abnabeln“ ein. Selbstverständlich gebar auch sie nach dieser Variante und führte darüber hinaus Beobachtungen an Schimpansen durch, um die Lotusgeburt noch besser erforschen zu können.

Wie funktioniert die Lotusgeburt?

Bei einer normalen, bzw. uns bekannten Geburt wird direkt im Anschluss die Nabelschnur durchtrennt. So kennen wir es, so ist es für uns selbstverständlich. Doch es geht auch anders. Zum Beispiel bei der Lotusgeburt.

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Im Gegensatz zu einer „normalen“ Geburt beruhen die Prinzipien der Lotusgeburt darauf, dass die Nabelschnur eures Babys weder vom Baby, noch von der Plazenta abgetrennt wird. Sie bleibt solange dran, bis sie auf natürliche Weise von alleine eintrocknet und abfällt. Direkt nach der Geburt wird die Plazenta jedoch gereinigt und dann in ein Mulltuch eingebunden und konserviert. Die Reinigung und das Konservieren sind notwendig, um eine Keimbildung und Infektionen bei eurem Baby zu vermeiden.

Was ist eine Plazenta?

Die Plazenta, auch als Mutterkuchen bekannt, ist ein 500-600 Gramm schweres Organ, welches sich nach der Schwangerschaft in eurer Gebärmutter bildet. Durch die Plazenta wird euer Baby während der Schwangerschaft mit wichtigen Nähstoffen versorgt und gleichzeitig werden überflüssige Stoffwechselprodukte eures Babys über die Nabelschnur zur Plazenta entsorgt. Kurz gesagt: sie dient dem Austausch von Stoffwechselprodukten (Nährstoffe, Sauerstoff, Vitaminen, Wasser sowie Aufnahme von Antikörpern der Mutter) und ist außerdem an der Hormonbildung beteiligt.


Warum bleibt bei einer Lotusgeburt auch die Plazenta an der Nabelschnur?

Die Plazenta wird bei Anhängern der Lotusgeburt als eigenes und allererstes Organ eures Babys angesehen. Es nährt uns versorgt euer Baby und begleitet es durch seine gesamte Entwicklung im Mutterleib. In spirituellen Kreisen glaubt man, dass die abrupte Abtrennung der Nabelschnur von der Plazenta eine Art Schock im Unterbewusstsein eures Kindes auslösen könnte, und seine zukünftige Entwicklung beeinflusst. Wissenschaftliche Nachweise hierfür sind keine bekannt, was jedoch nicht ausschließt, dass es so sein kann.

Wie legt man eine Plazenta ein und welche Kräuter verwendet man?

Nach der Geburt wartet man zunächst darauf, dass auch die Plazenta sich auf natürliche Weise aus dem Uterus löst und „geboren“ wird. Da zu diesem Zeitpunkt noch ein Blutaustausch zwischen der Plazenta und eurem Baby stattfindet, legt man sie zunächst in ein Gefäß und wartet einige Stunden ab. Erst dann wird sie gründlich gewaschen und von restlichen Blutklumpen befreit. Anschließend wickelt man sie entweder in ein Mulltuch ein, oder legt sie über ein Sieb. Beides soll die Feuchtigkeit der Plazenta aufnehmen. Daher ist ein saugfähiges Tuch besonders wichtig.

Nach circa 24 Stunden muss die Reinigung wiederholt werden. Dann erst beginnt man mit der Konservierung. Diese ist wichtig, um Fäulnisprozesse zu verhindern. Man legt die Plazenta hierfür gründlich in Salz ein und bewahrt sie in einem Tongefäß auf. Salz entzieht Feuchtigkeit, und somit wird das faulen verhindert.

Viele Mutter, die die Lotusgeburt für sich entdeckt haben, verwenden zum Einlegen außerdem noch Kräuter und Öle. Besonders beliebt sind Lavendelblüten, denn sie wirken antiseptisch und beschleunigen die Austrocknung. Anschließend wird die Plazenta erneut in ein saugfähiges Baumwolltuch eingelegt. Dieser Vorgang muss alle 24 Stunden wiederholt werden.

Wichtig

Solange noch ein Blutaustausch zwischen der Plazenta und eurem Baby stattfindet, muss sich die Plazenta immer ungefähr auf gleicher Höhe mit eurem Baby befinden. Nur so können die Nährstoffe und Stoffwechselprodukte ungehindert fließen.

Wann fällt die Nabelschnur ab?

Eingetrocknet ist die Nabelschnur bereist nach einem Tag, doch erst nach durchschnittlich 3 bis 10 Tagen fällt sie ab.

Welche Vorteile hat eine Lotusgeburt?

In erster Linie bietet eine Lotusgeburt ein sehr viel intensiveres Geburtserlebnis für euch als Mütter bzw. Eltern. Alleine der das bewusste Reagieren und Handeln im Anschluss an die Geburt verlangt mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, was alles viel näher und intensiver erscheinen lässt.

Aber auch aus medizinischer Hinsicht gibt es Ansätze, die eine Lotusgeburt als positiv bewerten. Allerdings fehlen hierzu noch wissenschaftlich belegte Studien, die dies belegen.

Man geht also zunächst nur davon aus, dass es die folgenden Vorteile bringen kann:

  • eine bessere Versorgung des Babys mit Nährstoffen auch direkt nach der Geburt (der Organismus kann sich sanft auf die Alleinversorgung umstellen)
  • weniger Blutverlust während der Geburt
  • langfristige Stärkung des Immunsystems
  • weniger Verlust von wichtigen Nährstoffen zu Beginn der Geburt
  • eine bessere und stabilere Gewichtszunahme nach der Geburt
  • bessere Eisenversorgung, durch spätes Abnabeln, da auch nach der Geburt noch ein Blutaustausch stattfindet. Es wirkt also wie eine kleine Bluttransfusion.

Welche Risiken bestehen bei einer Lotusgeburt? 

Aus medizinischer Sicht sind keine gravierenden Risiken und Nachteile bei einer Lotusgeburt bekannt. Allerdings warnen Ärzte vor Infektionen, die durch eine eventuell faulende Plazenta entstehen können. Daher müsst Ihr bei den ersten Anzeichen einer Infektion, durch eindringende Keime, sofort einen Arzt aufsuchen. Außerdem müsst ihr natürlich dringend darauf achten, dass ihr euer Baby so legt und wickelt, dass eine Verletzung am Nabel verhindert wird.

Nabelschnur auspulsieren – was bedeutet das?

Das heißt nichts anderes, als mit der Abtrennung der Nabelschnur zu warten, bis kein Blutaustausch mehr zwischen der Plazenta und eurem Baby stattfindet. Also solange zu warten, bis die Nabelschnur keinen „Puls“ mehr hat.

Kann man die Nachgeburt wirklich essen?

Für viele Tiere ist dies durchaus normal, doch auch für uns Menschen? Da scheiden sich die Geister. Medizinisch belegte Vorteile bringt es keine, wenn auch manche fest davon ausgehen. Im Internet findet Ihr zahlreiche Rezepte für Smoothies und Co, bei welchen die Plazenta als nährstoffreicher und immunstärkender Bestandteil hoch beworben wird. Doch Beweise gibt es hierfür keine, und für die eine oder andere unter euch mag diese Vorstellung sicher eher eklig und abschreckend klingen.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Plazenta zu vergraben, um ein Bäumchen auf ihr zu pflanzen. Diese Idee klingt sicherlich eher nachvollziehbar und löst schönere Bilder in uns aus.

Fazit

Wie bei allen wichtigen Lebensfragen, gibt es auch bei einer Geburt unterschiedliche Konzepte. Die Lotusgeburt ist eines davon. Die Idee der sanften Abnabelung klingt reizvoll, genauso wie plausibel. Ein sanfter Übergang der Nährstoff-, Blut- und Sauerstoffversorgung kann sicherlich Vorteile für euer Baby bringen. Dennoch macht es nicht auf eigene Faust, sondern nur mit professioneller Unterstützung einer Hebamme oder eines Arztes. Die Risiken einer Infektion oder von Verletzungen am Nabel sind zu hoch, für euer frisch auf die Welt gekommenes Baby.

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