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Plötzlicher Kindstod – Ursachen, Risikofaktoren & Vorbeugung

Plötzlicher Kindstod

Ein sensibles Thema ist der plötzliche Kindstod (Synonym: Krippentod, SIDS). Noch immer sterben Kinder in Deutschland an plötzlichem Kindstod. Es handelt sich um ein bis heute noch nicht eindeutig geklärtes Phänomen, bei dem die ahnungslosen Eltern nach der Schlafenszeit den leblosen Körper ihres Babys oder Kleinkindes im Bett vorfinden. Davon betroffen sind zum großen Teil Babys vor dem sechsten Lebensmonat, es kann jedoch ein kleiner Prozentanteil an Fällen verzeichnet werden, der Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr betrifft. Es ist die dritthäufigste Todesursache im Kindesalter.

Von einem plötzlichen Kindstod spricht man, wenn die Todesursache eines Babys oder Kleinkindes auch nach einer Autopsie nicht eindeutig bestimmt werden kann. Es gibt zahllose Theorien zu diesem Thema. Ein Ansatz geht von einem multifaktoriellen Mechanismus aus, bei dem mehrere extrinsische (äußerliche) und intrinsische (innerliche) Einflussgrößen aufeinandertreffen. Bevor der Begriff „Plötzlicher Kindstod“ Verwendung findet, sichtet der Mediziner die klinische Vorgeschichte von Eltern und Kind, und muss danach folgende Todesursachen ausschließen:


  • Blutungen nach Schütteltrauma
  • Ersticken
  • Ertrinken
  • Strom
  • Sturz
  • Unterkühlung
  • Fehlbildung
  • Infektion
  • Stoffwechselstörungen
  • Vergiftung

Sollte das Baby einen Atemstillstand erlitten haben, wird es der Mediziner auf folgende Krankheitszustände untersuchen:

  • Epilepsie (Krampfleiden)
  • Herzrhythmusstörungen (HRS, Arrhythmie)
  • Konnatale Hyperekplexie (seltener genetischer Defekt)
  • QT-Syndrom (kann zu plötzlichem Herztod führen)

Hypothesen und Theorien

Wie weiter oben beschrieben, gibt es zahlreiche Erklärungsversuche, die sich um Aufklärung des Phänomens „Plötzlicher Kindstod“ bemühen.

Eine Liste an Vermutungen:

  • Impfungen, insbesondere die Sechsfachimpfung
  • Krankheitserreger, die unter anderem in selbst gemachten Konserven und verunreinigtem Honig vorkommen können (Clostridium botulinum)
  • Mangel an Phosphat im Blut
  • Produktion toxischer Gase, die vom Arsenpilz stammen, welcher auch in Kindermatratzen nachgewiesen werden kann.
  • Störungen bei der Produktion und / oder Regulation von Serotonin
  • Verminderte Blutversorgung des Hirnstamms
  • Funktionsstörungen von Atmung, Herzrhythmus, Temperaturregulation oder des Nervensystems

Risikofaktoren

Ein Risikofaktor ist die primäre Schlafapnoe im Säuglingsalter. Sie kann zu Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen, sowie auch zum Kindstod führen. Schon das Schnarchen kann für Kleinkinder gefährlich sein.


HINWEIS!
Lasst euer Kind bereits bei regelmäßigem Schnarchen in einem speziellen Schlaflabor für Kinder untersuchen! Eine unbehandelte Schlafapnoe kann unter anderem zu Hyperaktivität und aggressivem Verhalten bei Kleinkindern führen.

Primäre Schlafapnoe im Säuglingsalter

Im Deutschen wird dieses für die Eltern schlimme, traumatische Ereignis auch mit dem Begriff der primären Schlafapnoe im Säuglingsalter gleichgesetzt. Es kommt dabei zu einem Atemstillstand des Babys. Eltern, die ihr Baby im Zustand einer Schlafapnoe und blassem Gesicht vorfinden, können durch schnelles Handeln möglicherweise das Schlimmste noch verhindern. Dazu wird der Körper des Babys stimuliert und zur gleichen Zeit der Notarzt verständigt.

Erste Hilfe bei Atemstillstand des Babys

  1. Reagiert das Kind auf Berühren und leichtes Anstupsen?
  2. Hören, ob Atemgeräusche hörbar sind.
  3. Schauen, ob sich der Bauch hebt und senkt.
  4. 2 x Initialatmung zur Wiederbelebung
  5. In der Mitte des Brustkorbes mit zwei Fingern drücken.
  6. Abwechselnd 30 x Herz-Lungenmassage und 2 x Beatmung.
  7. Die Wiederbelebung wird fortgesetzt, bis der Notarzt eintrifft.
  8. Sobald das Baby wieder selbstständig atmet, kann die Wiederbelebung beendet werden.

Erste Hilfe bei Atemstillstand des Kleinkindes

  1. Reagiert das Kind auf Berühren und leichtes Anstupsen?
  2. Hören, ob Atemgeräusche hörbar sind.
  3. Schauen, ob sich der Bauch hebt und senkt.
  4. 5 x Initialatmung zur Wiederbelebung
  5. In der Mitte des Brustkorbes mit einer Hand drücken.
  6. Ist das Kind größer und der Druck zur Wiederbelebung nicht ausreichend, dann mit zwei Händen drücken.
  7. Abwechselnd 30 x Herz-Lungenmassage und 5 x Beatmung.
  8. Die Wiederbelebung wird fortgesetzt, bis der Notarzt eintrifft.
  9. Sobald das Kleinkind wieder selbstständig atmet, kann die Wiederbelebung beendet werden.
HINWEIS:
Verantwortungsvolle Eltern besuchen schon vor der Geburt ihres Kindes gemeinsam einen Erste-Hilfe-Kurs.

Weitere Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Durch Studien konnte belegt werden, das folgende Punkte als Risikofaktoren gelten:

  • Hauptursache Nr. 1: Schlafen in Bauchlage
  • Hauptursache Nr. 2: Rauchen und Passivrauchen
  • Hauptursache Nr. 3: Überhitzung
  • Alter der Mutter
  • Apgarwert bei der Geburt sehr niedrig (der Apgartest bestimmt den gesundheitlichen Zustand des Kindes durch Kontrolle seiner Körperfunktionen wie beispielsweise Atmung und Puls kurz nach der Geburt)
  • Auffallend lange Atempausen (Apnoe)
  • Auffälligkeiten in der kardiographischen Untersuchung
  • Babys mit einem sehr geringen Geburtsgewicht
  • Bewegungsarmut des Kindes
  • Drogenkonsum
  • Ein bereits am plötzlichen Kindstod verstorbenes Geschwisterkind
  • Eine beim Kind früher aufgetretene lebensbedrohliche Krise
  • Frühchen, die unter der 33. Schwangerschaftswoche geboren wurden
  • Häufig stationäre Aufnahme aufgrund schwerer Infekte während der Schwangerschaft
  • Kinder besonders junger Mütter
  • Kindlicher Stress, beispielsweise aufgrund fehlender Zuwendung
  • Mehrfachgeburten in kurzen Abständen zueinander
  • Oftmalige Harnwegsinfekte der Mutter während der Schwangerschaft
  • Plötzlicher Kindstod ist in der Familie bereits vorgekommen
  • Schlafpositionierer wie Nestchen
  • Schrilles Schreien
  • Starkes Schwitzen des Babys
  • Ungenügende Luftzirkulation
  • Ungewöhnliche Blässe oder bläuliche Hautfärbung während des Schlafs
  • Zu frühes Abstillen
  • Zugedecktes Köpfchen
  • Vorerkrankungen: In 99 % aller Fälle konnte bereits im Vorhinein zumindest eine Vorerkrankung diagnostiziert werden, die einen Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod darstellt.

Möglichkeiten, um den plötzlichen Kindstod zu verhindern

Sollte euer Kind zu einer Risikogruppe gehören, gibt es die Möglichkeit des Heim-Monitorings (Herz- / Atemmonitor) für Babys und Kleinkinder. Diese Maßnahme gehört mit einem erfahrenen Mediziner genauestens abgesprochen, denn sie kann sich in manchen Fällen auch negativ auf die gesundheitliche Entwicklung des Kindes auswirken. Tipp: Informiert euch an mehreren Stellen über diesem Thema.

Plötzlichem Kindstod vorbeugen

Seit kontinuierlich Aufklärung in der Öffentlichkeit zu diesem Thema stattfindet, sind die Zahlen der Säuglinge, die an plötzlichem Kindstod versterben, rückgängig.

Wer folgende Punkte als Vorsorgemaßnahme beachtet, hat das Risiko des plötzlichen Kindstodes bereits um das Zwanzigfache gesenkt:

  • Keine Gegenstände im Bett, die das Baby verschlucken könnte
  • Kein Nestchen, keine Bettumrandung
  • Keine Bauch- oder Seitenlage
  • Keine Kopfbedeckung beim Schlafen
  • Keine zusätzlichen Kuscheldecken, Wärmfelle, Kissen
  • Luftdurchlässige Matratze
  • Mindestens 6 Monate lang stillen. Je länger, desto besser.
  • Schlafen im Elternschlafzimmer bei einer Temperatur von 16 °C – 18°C
  • Schlafen in Rückenlage
  • Statt der Bettdecke einen geeigneten Schlafsack für Babys verwenden
  • Verzicht auf Bettdecken im Allgemeinen
  • Zu weiche, verrutschbare Unterlage

Co-Sleeping

Was das Schlafen des Babys im elterlichen Bett betrifft, herrscht Uneinigkeit. Während manche Studien zum Ergebnis führen, dass Babys bis zum elften Monat öfter vom plötzlichen Kindstod betroffen sind, wenn sie gemeinsam mit den Eltern im Bett schlafen, kommen andere Studien wieder zu einem gegenteiligen Ergebnis. Ebenso umstritten ist eine Studie, die das Saugen am Schnuller als eine vorbeugende Maßnahme gegen plötzlichen Kindstod ansieht.

Sicherheit im Elternbett

Folgende Punkte gelten als Richtschnur für den sicheren Schlaf im Elternbett:

  • Auf der Decke, im eigenen Baby-Schlafsack liegend
  • Das Kind kann nicht aus dem Bett fallen
  • Genügend Platz
  • Keine Federbetten
  • Keine Gegenstände im Bett
  • Keine Risse in der Matratze
  • Neue, gesunde, luftdurchlässige Matratze
  • Rückenlage

Das Trauma der Eltern nach diesem schweren Schicksalsschlag

Der Verlust des eigenen Kindes gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Studien zufolge leiden Eltern, die ihr Kind auf solch tragische Weise verloren haben, öfter an psychischen und körperlichen Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen oder Herz-Kreislauferkrankungen.

HINWEIS:
Wenn ihr solch eine Tragödie selbst erleben musstet, begebt euch in therapeutische Hände. In einer Therapie könnt Ihr lernen, wieder einen Weg zurück ins Leben zu finden.

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