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Helikopter Eltern – Ursachen & Auswirkungen auf die Kinder

Helikopter Eltern

Eltern möchten ihre Kinder beschützen. Dieses Verhalten ist vollkommen normal und wenn Ihr Eurem Nachwuchs aufgrund von Sicherheitsbedenken die eine oder andere Aktivität verbietet, geschieht das aus dem gesunden Wunsch heraus, auf Euer Kind aufzupassen. Wenn Euer Verhalten sich aber dahingehend verändert, dass Ihr durch Verbote Eurem Kind die Luft zum Atmen nehmt und ihm den Raum für seine Entwicklung verweigert, dann seid Ihr eventuell das, was man in der Psychologie als Helikopter Eltern bezeichnet. Helikopter Eltern sind vorwiegend:

  • überfürsorglich
  • übervorsichtig

Was sind Helikopter Eltern genau?

Der Begriff wurde erstmals von Haim G. Ginott, einem israelischen Psychologen verwendet. Umgangssprachlich versteht unter Helikopter Eltern Menschen, die sich gegenüber ihren Kindern extrem überfürsorglich verhalten. Sie sind bestrebt, sich ständig in der Nähe ihrer Kinder aufzuhalten, sozusagen einem Helikopter gleich über ihnen zu schweben, um sie zu beschützen und jeden ihrer Schritte zu überwachen. Ein solcher Erziehungsstil, der sich durch Überfürsorglichkeit, Überbehütung und massiver Einmischung äußert, muss im Extremfall durchaus als paranoid und zwanghaft bezeichnet werden. Sie schrecken auch vor dem Einsatz technischer Geräte wie Handy oder GPS nicht zurück, um ihre Kinder zu überwachen. Manche Eltern verwandeln ihr Eigenheim mittels unzähliger Überwachungskameras (die nicht selten sogar im Kinder- oder Jugendzimmer installiert werden) in ein Gefängnis für den Nachwuchs.

Soziale Kompetenzen der Kinder in Gefahr
Solche Eltern spielen also ihren Part als Eltern so übertrieben, dass sie ihrem Nachwuchs innere Freiräume und äußere Freiheiten nehmen, die aber beispielsweise wichtig sind für die Entwicklung sozialer Kompetenz.

Ursachen für das Phänomen Helikopter Eltern

Die Wissenschaft befasst sich schon seit den 1960er Jahren mit dem Phänomen überfürsorglicher Eltern und versucht, die Ursachen für das verhalten zu ergründen. Ein Grund für die Überbehütung Eures Kindes könnte darin liegen, dass der Nachwuchs ein absolutes Wunschkind war, auf das Ihr sehr lange warten musstet. Dieser Umstand allein kann schon dazu führen, dass Ihr ganz besonders intensiv auf Euer Kind aufpassen möchtet. Auch eine sehr enge und liebevolle Verbindung zu Eurem Kind kann ein auslösender Faktor für das überbehütende Verhalten sein. Eine weitere Ursache ist darin zu suchen, dass Ihr Euch über Jahre hinweg um Euer Kind gekümmert habt und mit der Tatsache, dass Euer Nachwuchs immer unabhängiger wird, nicht wirklich gut umgehen könnt. Ihr möchtet, meist unbewusst, dass Euer Kind weiterhin von Euch abhängig ist, da diese Abhängigkeit Eurem Leben eine Berechtigung gibt.

Von großer Bedeutung ist die Ängstlichkeit vieler Eltern. Natürlich sollt Ihr Euch um Euer Kind Sorgen machen, diese Sorge darf aber nicht in eine völlig pathologische Angst münden, aus der heraus Ihr zu strengen und unerbittlichen Überwachern Eures Kindes werdet. Letztlich ist ein hundertprozentiger Schutz nie möglich.

Wie wirkt sich das Verhalten von Helikopter Eltern aus?

Falls Ihr an Euch selbst die eben genannten Verhaltensweisen entdeckt, solltet Ihr sie schleunigst verändern, denn Ihr tut Eurem Kind letztlich keinen Gefallen mit dem ständigen Umkreisen, Behüten und Überwachen.

Da Ihr als Helikopter Eltern Euren Kindern ständig alles abnehmt, ihren Tag plant, ihre Freizeit koordiniert und sogar Konflikte für sie löst, sorgt Ihr für eine so genannte Verinselung. Durch Euer Verhalten findet die Kindheit Eures Nachwuchses nur noch an ganz vereinzelten und von Euch ausgesuchten Orten statt. Eurem Kind wird es später schwer fallen:

  • ein organisiertes Leben zu führen,
  • soziale Kontakte zu knüpfen,
  • mit Konflikten umzugehen.

Mit Eurer Fürsorge nehmt Ihr Eurem Kind zudem die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Fehler zu machen oder selbst fabrizierte Erfolge genießen zu können. Erziehungswissenschaftler nennen so etwas auch „Krisenklau“, weil Ihr dem Kind jede nur denkbare Krisensituation erspart und damit seine Entwicklung zu einer krisenfesten Persönlichkeit verhindert.

Wenn Ihr Eurem Kind alles abnehmt, erzieht Ihr es letztendlich zu einer Persönlichkeit, die keine Verantwortung übernehmen kann oder will und die ein lustloses, einfallsloses und langweiliges Leben führt.

Was wirklich gegen Helikopter Eltern hilft

Viele Kinder von Helikopter Eltern fühlen sich einsam und können mit der extremen Überwachung durch ihre Eltern nicht umgehen. In vielen Fällen brauchen sie früher oder später die Hilfe von Therapeuten, um die Erfahrungen zu verarbeiten und sich aus dem elterlichen Gefängnis zu befreien. Leider kommt es sehr oft auch zu einem vollständigen Bruch mit den Eltern, spätestens, wenn die Kinder die Volljährigkeit erreichen.  Dies muss nicht passieren, wenn Kinder zusammen mit ihren Helikopter Eltern Hilfe aufsuchen. Noch bessere wäre es, wenn Ihr Euer Kind selbst im Leben ausprobieren lasst und sie nicht in Watte einpackt. Persönliche Erfahrungen spielen eine große Rolle für das spätere Selbstbewusstsein.

Was können Helikopter Eltern tun, um sich zu verändern?

Der allererste Schritt muss für Euch wohl darin bestehen, dass Ihr Euch eingesteht, etwas falsch gemacht zu haben. Nur wenn Ihr Euer bisheriges Verhalten hinterfragt und als Fehler akzeptiert, könnt Ihr wirklich nachhaltig daran arbeiten, Euer Verhalten zu verändern und das Verhältnis zu Eurem Kind zu verbessern. Das wird sicher kein leichter Weg, aber Ihr merkt sicher sehr schnell, zu wie viel Euer Kind auch ohne Eure Hilfe fähig ist und wie dankbar es für Euer Vertrauen und die neue Freiheit ist. Zunächst bedarf es wohl der grundlegenden Einsicht, dass Ihr Euer Kind nie zu 100 Prozent schützen könnt. Freundet Euch mit dem Gedanken an, dass Ihr nicht in der Lage seid, sämtliche Ereignisse im Leben Eures Kindes vorherzusehen und dementsprechend zu planen.

Hilfe für Helikopter Eltern

Ein weiterer Schritt wäre, dass Ihr Eurem Kind etwas zutraut. Erst mit der Einsicht, dass Euer Kind sehr wohl selbst in der Lage ist, Krisen allein zu bestehen und sich Problemen auch ohne Euch stellen kann, werdet Ihr Eurem Kind größere Freiheiten lassen.

Ein guter Weg, sich vom Dasein als Helikopter Eltern zu verabschieden, ist die Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend. Vergegenwärtigt Euch, wie schön es für Euch selbst war, mit Freunden im Garten zu spielen, Fahrradtouren zu unternehmen oder gemeinsam mit Bekannten am Baggersee schwimmen zu gehen. Erinnert Euch einfach daran, wie gut es Euch selbst getan hat, wenn Eure Eltern nicht überall und immer dabei waren. Diese Erinnerungen werden Euch in die Lage versetzen, auch Eurem Kind solche Augenblicke der Freiheit zu gewähren. Letztlich erlaubt Ihr ihm so, seine Kindheit zu genießen und selbst Erfahrungen jeglicher Art zu machen.

Ein Buchtipp zum Thema Helikopter Eltern

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