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Tabletklassen in der Schule – Fluch oder Segen?

Tabletklassen

In vielen Schulen findet bereits der digitale Wandel statt – die Rede ist von den sogenannten Tabletklassen. Werden eure Kinder in Zukunft keine schweren Schulranzen mehr schleppen und ist das einzige Werkzeug ein Tablet? Ganz so weit sind wir in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Estland, Schweden oder Irland noch nicht. Es gibt noch einige Hürden zu meistern, damit es in Deutschland flächendeckend Tabletklassen gibt – wir zeigen euch die Vor- und Nachteile.

Was sind Tabletklassen?

Hierbei wird eine ganze Klasse mit mobilen Geräten ausgestattet. In der Regel handelt es sich um Tablets. Meist handelt es sich um einen Unterricht, der digital als auch analog gestaltet wird. Einige Lehrkräfte setzen jedoch nur auf einen digitalen Unterricht und verzichten ganz auf Bücher. Was vor kurzem noch undenkbar gewesen ist, hat in Deutschland die Corona-Pandemie ins Rollen gebracht. Plötzlich wurden Tablets oder Laptops sehr wichtig, damit die Schüler trotz des Distanzunterrichts lernen konnten – in manch einer Schule in anderen europäischen Ländern schon seit Jahren Alltag. Wir zeigen euch die Pro und Contras einer Tabletklasse.

Welche Tablets werden genutzt?

Welche Geräte von den Schülern genutzt werden, entscheidet in der Regel die Schulleitung. Allerdings gibt es auch Schulen, die den Eltern die Entscheidung überlässt. Zur Auswahl stehen drei verschiedene Betriebssysteme. Wir klären auf, welche Vor- und Nachteile, die einzelnen Betriebssysteme haben.

Android

Die Android-Tablets gibt es in einer großen Vielfalt zahlreicher Hersteller. Das zuverlässige Betriebssystem lässt sich sehr gut konfigurieren. Das liegt daran, dass Google den einzelnen Geräteherstellern keine Vorgaben bezüglich der Hardware erteilt.
Vorteile:

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  • Große Geräteauswahl
  • Verschiedene Preisklassen
  • Großer Anpassungs- und Konfigurationsspielraum
  • Solides MDM Gerätemanagement System (Verwaltung mobiler Endpunkte wie Tablets, Laptops und Smartphones)
  • Große Auswahl an Apps im Google Play Store

Nachteile

  • Kein nativer (originaler) Stift-Support
  • Google gilt als Datenkrake (Datenschutz: Auswertung personenbezogener Daten)
  • Viele Android-Geräte mit unterschiedlichen Konfigurationen und Betriebssystem-Versionen

iOS

Die Tablets von Apple haben ein ausgereiftes System. Die Bandbreite von Apps, auch im pädagogischen Bereich, ist inzwischen sehr groß. Unter „Apple Education“ gibt es passende Lösungen für jedes Schuljahr, für Studierende und für die Hochschulbildung, ebenso spezielle Angebote für Lehrkräfte. Neben dem Teilen der Bildschirme untereinander gibt es auch Nachteile. Das iPad ist in der Anschaffung teuer und in der Nutzung der Geräte sowie der Flexibilität der Konfiguration eingeschränkt.
Vorteile

  • Stabiles Betriebssystem
  • Einfache Wartung
  • Robuste Geräte
  • Intuitive Bedienung

Nachteile

  • Wenig Flexibilität
  • Hohe Anschaffungskosten
  • Kein nativer Stift-Support

Windows

Durch den Bekanntheitsgrad von Windows erleichtert dieses Tablet oft den Einstieg. Neben der Unterstützung von MS Office, haben Windows-Tablets eine Touchfunktion und eine optionale Stift-Funktion. Das ist hilfreich, wenn in Dokumenten Notizen eingefügt werden.
Vorteile

  • Große Geräteauswahl
  • Verschiedene Preisklassen
  • Vertrautes Betriebssystem

Nachteile

  • Weniger Apps als bei Android und Apple

Übrigens lässt sich das Tablet selbst im Sportunterricht einsetzen:

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Welche Vorteile bringen Tabletklassen mit sich?

Bereits jetzt gibt es mehrere interessante Studien zu Tabletklassen. Beispielsweise untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Wissensmedien und der Universität Tübingen, ob der Einsatz von digitalen Medien die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler positiv beeinflusst.

Das Ergebnis war verblüffend, denn es machte einen Unterschied, in welchem Fach die Tablets genutzt wurden. Im Fach Deutsch erhöhte sich die Lernbereitschaft, je öfter mit den Tablets gearbeitet wurde. Für den Mathematikunterricht war nicht die Häufigkeit ausschlaggebend, sondern ob die Schülerinnen und Schüler den Tablet-Unterricht als kognitiv anregend empfanden. Über eines waren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einig: Damit diese Technologie didaktisch hochwertig eingesetzt werden kann, müssen die Lehrkräfte über ein technologisch-pädagogisches Wissen verfügen. Die entscheidenden Vorteile:

  1. Kompaktheit
    Die meisten Tablets verfügen über einen großen Speicher, der Platz für ganze Bibliotheken liefert. Mit einer SD-Karte lässt sich das Volumen endlos erweitern. Ein kleines Gerät ersetzt also viele Bücher und die Schülerinnen und Schüler brauchen keinen schweren Schulranzen mehr tragen. Nicht selten sind schon in jungen Jahren Rückenprobleme vorprogrammiert.
  2. Vielseitigkeit
    Gruppenarbeiten sind einfacher zu gestalten und machen den Kindern mit Tablets mehr Spaß. So lassen sich Videos, Screenshots und Fotos leicht erstellen. Beispielsweise kann der Lehrer das Chemie-Experiment aufnehmen und anschließend an seine Schüler schicken. Wer schon wieder vergessen hat, wie es funktioniert, kann es sich immer wieder ansehen. Ein großer Pluspunkt – die Schülerinnen und Schüler lernen, selbst Präsentationen zu erstellen. Diese Fähigkeit kann im späteren Beruf vielleicht von Nutzen sein.
  3. Einfach
    Nicht nur für die Schüler ist das Arbeiten mit einem Tablet einfacher wie beispielsweise das schnelle Ausradieren eines Fehlers. Lehrer können Elternbriefe schnell und einfach digital verschicken. Je nach Angebot der Schule können ebenso Überweisungen für Klassenfahrten sofort erledigt werden. Ist das Kind krank, ist kein Anruf mehr nötig, denn die Krankmeldung wird einfach in die App eingetragen. Eine Erleichterung stellt auch die Einsicht der Eltern in die Stundenpläne und Klasseneinträge dar. Die Verwaltung wird ebenfalls entlastet.
  4. Umweltbewusst
    Durch das digitale Verschicken des Schriftverkehrs wird viel Papier gespart und dadurch die Umwelt geschont.
  5. Distanzunterricht
    Tablets sind in Coronazeiten fast unentbehrlich geworden. Damit lässt sich der Distanzunterricht einfach durchführen.
  6. Unterstützung
    Beim Lernen von Fremdsprachen können sich die Schülerinnen und Schüler ein Hörspiel mehrfach anhören und so den Lernstoff vertiefen. Eine individuelle Unterstützung ist viel einfacher. So kann die Lehrkraft einem Schüler beispielsweise für das Fach Mathematik ein Anleitungsvideo auf das Tablet schicken. Die Korrektur und Kommentare der digitalen Hefte wird ebenfalls online erledigt. Haben mehrere Schüler das gleiche Problem muss die Lehrkraft die Hinweise nur kopieren.
  7. Beschaffung von Unterrichtsmaterial
    Besonders zu Schulbeginn gibt es oftmals Probleme, wenn nötige Bücher nicht fristgerecht lieferbar sind. Sie befinden sich bereits auf dem Tablet. Ebenso sind veraltete Schulbücher kein Problem mehr, wenn eine digitale Version vorhanden ist. Hier ist nur ein Update nötig. Das Verschlampen von Arbeitsblättern und das Vergessen von Büchern ist mit einem Tablet genauso kein Thema mehr.
  8. Lehrermangel
    Nicht selten fallen Schulstunden aus. In manchen Bundesländern sind es sogar 10 Prozent im Monat. Sind entsprechende Apps vorhanden, kann dieser Mangel unter Umständen teilweise durch interaktive Arbeitsblätter ausgeglichen werden.
  9. Modernes Lernen
    Durch den Umgang in der Schule mit einem Tablet werden eure Kinder bereits auf das Arbeitsleben vorbereitet. Es gibt kaum noch einen Bereich im Berufsleben ohne den Einsatz eines Computers. Zudem wird die Recherche- und Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler verbessert.

Einen Einblick in den Alltag der Tabletklasse ermöglicht das folgende Video des BR:

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Gibt es Nachteile bei den Tabletklassen?

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile für das Einrichten einer Tabletklasse. Es muss auch eine Reihe von Nachteilen beachtet werden:

  1. Technische Probleme
    Eine stabile WLAN-Verbindung in den Klassenräumen ist längst nicht überall gegeben, da Deutschland auch in diesem Bereich einigen Teilen Europas hinterherhinkt. Viel zu oft gibt es hier Lücken in der Internetverbindung. Sehr häufig ist das WLAN einfach zu langsam und verzögert dadurch den Unterricht. Ebenso kann die Technik des Tablets versagen wie beispielsweise eine fehlerhafte Software. Große Probleme treten auf, wenn ein Tablet oder mehrere gehackt werden.
  2. Kosten
    Nicht in jedem Bundesland erhalten die Kinder kostenlos Tablets. In vielen Fällen müssen die Eltern das digitale Werkzeug selbst bezahlen. Zwar gibt es oft eine finanzielle Unterstützung, dennoch können sich manche Eltern ein leistungsfähiges Tablet nicht leisten.
  3. Mangelnde Fortbildung
    Damit die Schülerinnen und Schüler die Tablets optimal nutzen können, brauchen Sie Lehrkräfte, die sich mit diesem Medium optimal auskennen. Doch das ist meist nicht der Fall und es mangelt an geeigneter Fortbildung. Aufgrund des Lehrermangels in Deutschland ist eine voll besetzte IT-Beratung in jeder Schule ein Wunschdenken.
  4. Kognitive Verarbeitung
    In vielen Studien wurde sichtbar, dass die Mitschrift mit Papier und Stift den digitalen Notizen überlegen ist. Die Schülerinnen und Schüler schreiben schneller per Hand als mit der Tastatur. Neurologische Messungen zeigten, dass die Aktivität des Gehirns bei analogem Schreiben größer ist als beim digitalen Schreiben. Die Lernenden erkennen Querverweise besser in analogen Aufzeichnungen als bei digitalen.

    Als großer Nachteil wird die Vergrößerungstechnik gewertet. Wenn die Ansicht stark vergrößert wird, sehen die Lernenden nur noch das zu schreibende Wort und verlieren somit den ganzen Text aus den Augen. In Studien wird darauf hingewiesen, dass das Lernen und Lesen von analogen Inhalten nachhaltiger ist. Analoges Lesen ist langsamer und bleibt dadurch besser im Gedächtnis, während digitale Inhalte oftmals weggewischt werden.

  5. Nötige Einheitlichkeit
    Beschafft die Schule die Tablets, erhalten alle die gleichen. Werden allerdings die Tablets eigenverantwortlich von den Eltern gekauft, ergeben sich somit erhebliche Leistungsunterschiede. Auf nicht so teuren und folglich leistungsschwächeren Geräten laufen einige Apps gar nicht oder nur teilweise. Die Schülerinnen und Schüler mit diesen Geräten haben deutliche Nachteile.
  6. Fehlende Apps
    Nicht jedes Lernmaterial ist bereits digitalisiert, denn von vielen Schulbüchern gibt es keine Version für Tablets. Auch hier liegt ein Problem für reine Tabletklassen. Das veranlasste einige Schulen dazu, die digitalen Schulbücher selbst zu erstellen. Andererseits warten die großen Schulbuchverlage auf eine größere Nachfrage, die bisher fehlt. Demnach, so die Aussage der drei größten Verlage, ist mit digitalen Unterrichtsmedien derzeit kein Geschäft zu machen, da die Abnahmebereitschaft der Schulen nicht sehr hoch ist. Für digitale Medienformate muss eine Lizenz bezahlt werden, die als Einzel- oder Klassenlizenz verfügbar ist.

Fazit: Pro oder Contra?

Wie ihr in diesem Artikel lesen könnt, hat eine Tabletklasse Vor- und Nachteile und ist somit ein zweischneidiges Schwert. Eine große Verantwortung liegt im erzieherischen Bereich, sowohl bei den Lehrkräften, als auch bei den Eltern. Eine Zusammenarbeit aller Beteiligten bringt den Lernenden den größten Vorteil.

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich aneignen, das Lernen mit dem Tablet zu strukturieren und zu organisieren. Vor allen Dingen ist eine große Selbstdisziplin nötig, um gründlich und gewissenhaft zu arbeiten. Um die Lerninhalte zu verinnerlichen ist eine regelmäßige Übung und Wiederholung nötig. Eine individuelle Lernstrategie ist ebenso wichtig.

Tablets können im Schulalltag eine moderne und wertvolle Hilfe sein, wenn sie richtig und verantwortungsvoll angewendet werden. Das zeigt der erfolgreiche Einsatz von Tablets im Schulunterricht in vielen europäischen Ländern. Ein guter Mix aus digitalen und analogen Lehrinhalten dürfte die ideale Mischung sein. Ein kleines Beispiel: Obwohl die heutigen Schiffe mit modernster digitaler Technik ausgerüstet sind, muss ein Kapitän noch manuell navigieren können – für den Fall, dass sämtliche Technik ausfällt.

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