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Infans-Konzept in Kitas: Entwicklung durch Beobachtung und Dokumentation fördern

Infans-Konzept

Ein mittlerweile weit verbreitetes und beliebtes Konzept in Kitas und Kindergärten ist das sogenannte Infans-Konzept, bei welchem die Dokumentation und vor allem die intensive Beobachtung der einzelnen Kinder die Grundbausteine darstellen. Zudem steht das Wohlbefinden des Kindes stets im Mittelpunkt und die persönlichen Fähigkeiten und Interessen des Kindes werden bei den gesetzten Lernzielen berücksichtigt. In diesem Artikel informieren wir euch eingehend über das Infans-Konzept und wir klären euch unter anderem über die Vor- und Nachteile auf.

Definition Infans-Konzept

Beim Infans-Konzept handelt es sich in erster Linie um ein Beobachtungs- sowie Dokumentationskonzept für Kindertagesstätten, welches ein Handlungsmodell im Bereich der frühkindlichen Arbeit zur Umsetzung des Bildungsauftrags darstellt. Dabei soll das bei Kitas und Eltern immer beliebter werdende Infans-Konzept das Lernen von Kindern sowie die körperliche, emotionale, intellektuelle sowie soziale Entwicklung nachhaltig fördern.

Neben einer individuellen Bildung, Erziehung und Betreuung stehen sowohl die Entwicklungschancen als auch das persönliche Wohlbefinden des Kindes im Vordergrund. Erreicht werden soll dieses vorrangige Ziel, indem die Erzieherinnen gemeinsam auf die bestehenden Interessen der zu betreuenden Kinder eingehen und die persönlichen Fähigkeiten gefördert werden. Aufgrund einer gezielten Wahrnehmung sowie Beobachtung können individuelle Bildungsangebote für Kinder geschaffen werden.

Zudem sieht das Konzept vor, dass sich die Kinder in der Einrichtung relativ frei bewegen können und viele Freiräume haben, um sich selbst auszuprobieren und die Umgebung neugierig zu erkunden. Hierzu gehört ein spezielles Raumkonzept mit verschiedenen Räumen, die sich wiederum unterschiedlichen Schwerpunkten widmen. Somit ist naheliegend, dass viele Kitas das Infans-Konzept mit einem offenen Konzept, beziehungsweise einem offenen Haus kombinieren. Der Vorteil hiervon ist unter anderem, dass die Kinder einen freien Zugang zu allen Bildungsbereichen der Einrichtung haben.

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Um die Kinder in den unterschiedlichen Situationen besser beobachten zu können und die anschließende Dokumentation für die Erzieherinnen einfacher zu gestalten, wurden für das Konzept außerdem spezielle Bögen entwickelt. Diese sogenannten Beobachtungsbögen werden von den zuständigen Erzieherinnen ausgefüllt und kommen anschließend in das Portfolio des Kindes, in welches die Eltern jederzeit einen Einblick haben.

Gut zu wissen:
Das Infans-Konzept steht für Institut für angewandte Sozialisationsforschung und wurde im Jahre 2001 von Beate Amdres sowie Hans-Joachim Laewen vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung / Frühe Kindheit e. V., Berlin entwickelt.

Welche Ziele verfolgt das Infans-Konzept?

In erster Linie verfolgt das Infans-Konzept in Kitas das Ziel, dass Kinder ihre angeborene Neugierde, ihr Interesse und ihre Begeisterung in bestimmten Bereichen nutzen, um sich spielerisch neue Fähigkeiten anzueignen oder bereits Erlerntes zu festigen. Somit steht beim Infans-Konzept im Mittelpunkt, die gewünschten Erziehungsziele mit den Interessen der zu betreuenden Kinder zu verbinden, um ihnen einen guten Start ins weitere Leben zu ermöglichen.

Das Konzept geht des Weiteren davon aus, dass Kinder in unterschiedlichen Bereichen, sei es in der Musik, beim Malen und Zeichnen, beim Sport, in der Sprache, im mathematischen Bereich oder beim darstellenden Spiel, begabt sind. Auf diese besonderen Stärken und Talente gehen die Erzieherinnen verstärkt ein, wohingegen die anderen Bereiche gezielt gefördert werden. Durch die Zunahme von Fertigkeiten sollen die Kinder unter anderem ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein stärken.

Zudem sollen beim Infans-Konzept möglichst alle Ziele der übergeordneten Instanzen, wie den Erzieherinnen, Eltern, der Politik sowie den jeweiligen Trägern, mit den individuellen Interessen sowie Fähigkeiten der Kinder in Einklang gebracht werden. Dies setzt jedoch voraus, dass seitens der Erzieherinnen eine genaue und intensive Beobachtung der zu betreuenden Kinder stattfindet und eine detaillierte Absprache unter den Kollegen stattfindet.

Bereits in der frühkindlichen Erziehung soll den Kindern durch das Infans-Konzept ermöglicht werden, ihre eigenen Interessen, Fähigkeiten, Talente und Kräfte auf höchstem Niveau zu entfalten und weiterentwickeln zu können. Gleichzeitig soll die natürliche Neugierde der Kinder mit den Erziehungszielen in Bezug gesetzt werden. Laut Infans lernt ein Kind am besten, wenn es seinen eigenen Interessen und seiner angeborenen Neugierde folgt.

Gut zu wissen:
Bis heute wird das Infans-Konzept weiterentwickelt, um das nachhaltige Lernen auf höchstmöglichem Niveau zu gewährleisten. Dabei werden die neuesten Erkenntnisse sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis in das Konzept aufgenommen und somit kontinuierlich verbessert.

Beobachtungsbögen und Portfolio als pädagogische Basis

Eine sehr große Rolle beim Infans-Konzept spielen die verschiedenen Beobachtungsbögen, welche unter anderem den Erzieherinnen dabei helfen sollen, die jeweiligen Ziele sowie Entwicklungsschritte der Kinder festzuhalten und zu beurteilen. Auf diesem Wege können die Erzieherinnen besser nachvollziehen, in welchen Bereichen Fortschritte erzielt wurden, was den Kindern Freude bereitet oder auch mit welchen anderen Kindern Freundschaften geschlossen wurden.

In den Beobachtungsbögen können Erzieherinnen unter anderem auf folgende Fragen eingehen:

  • Womit und wie intensiv beschäftigt sich das Kind vorwiegend?
  • Welche Spielsachen werden bevorzugt verwendet?
  • In welchen Räumen hält sich das Kind am liebsten auf?
  • Werden manche Aktivitäten besonders häufig wiederholt? Wenn ja – welche?
  • Spielt das Kind lieber allein oder werden andere Kinder einbezogen?
  • Welche Kinder sind am Geschehen beteiligt?
  • Wie können wir Erzieherinnen das Kind gezielt fördern?
  • Wo ist Unterstützung nötig?

Dabei ist die Erzieherin nicht nur für die Beobachtung, sondern auch für die Dokumentation sowie die Erstellung eines Portfolios, aller ihr zugewiesenen Kinder, zuständig. Gemeinsam mit den Kollegen und im Dialog mit dem Kind kann durch die Dokumentation eine gezielte Hilfestellung erarbeitet und verschiedene Bildungsthemen vertieft werden. Die Herausforderung beim Ausfüllen der Infans-Bögen ist, dass die Erzieherinnen allein durch das Beobachten die Interessen des Kindes herausfinden müssen, um den Bildungsprozess zu begleiten und dementsprechend zu fördern.

Auf Grundlage der sehr ausgefeilten Beobachtungsbögen werden in regelmäßigen Abständen die einzelnen Portfolios der Kinder erstellt, in welchen die individuellen Bildungsprozesse und alle wichtigen Informationen dokumentiert werden. Dies stellt wiederum eine sinnvolle Möglichkeit dar, um den Eltern die angewandte Pädagogik sowie bestimmte Handlungsweisen näherzubringen. Gleichzeitig werden in den Portfolios die motorischen, kognitiven, sprachlichen, sozialen und emotionalen Entwicklungsschritte der Kinder festgehalten. Aufgrund der Offenheit dienen die Portfolios als Grundlage für die jährlich stattfindenden Entwicklungsgespräche mit den Eltern.

Hier haben wir einen kleinen Überblick für euch zusammengestellt, was alles in einem persönlichen Portfolio zu finden ist:

Zusammenfassender Überblick über die angestrebten Erziehungsziele

  • Beobachtungsbögen sowie deren Auswertungen
  • Dokumentationen über das Verhalten des Kindes in bestimmten Situationen
  • Angewandte Instrumente, um ein Ziel zu erreichen oder diesem näherzukommen
  • Alle Zeichnungen oder anderen Werke, welche von dem Kind in der Kita angefertigt wurden
  • Nicht nur für die Eltern ist das Portfolio wichtig, um sich einen Überblick über die pädagogische Arbeit und die Entwicklung seines Kindes zu machen. Für die Erzieherinnen stellt das Portfolio ein wesentliches Arbeitsinstrument in deren fachlichen und pädagogischen Arbeit dar. Zudem helfen Portfolios dabei, die Kinder besser kennenzulernen, zu beurteilen und nachhaltig zu fördern. Der Kita selbst dienen die Portfolios dazu, Außenstehenden die jeweiligen Schritte verständlich zu machen.
Gut zu wissen:
Zusammen mit den Beobachtungsbögen stellt das Portfolio die Basis der pädagogischen Arbeit der Erzieherinnen dar und kann von den Eltern bei Bedarf das ganze Jahr über eingesehen werden.

Instrumente im Infans-Konzept

Für das Ausfüllen der verschiedenen Beobachtungsbögen stehen den Erzieherinnen diverse Instrumente zur Verfügung. Die Beobachtungsinstrumente sollen wiederum die unterschiedlichen sowie persönlichen Bildungs- und Entwicklungsschritte der Kinder abbilden. Zudem können die Erzieherinnen anhand ihrer Aufzeichnungen besser nachvollziehen, welche Entwicklungsschritte die ihnen anvertrauten Kinder in einem bestimmten Lebensabschnitt gemeistert haben.

Dabei stellen folgende Grenzsteine der Entwicklung ein gängiges Instrument in Sachen Beobachtung dar, um beispielsweise Verzögerungen in der Entwicklung frühzeitig erkennen zu können:

  • Sprachliche Entwicklung
  • Feinmotorik (Hand- und Fingermotorik)
  • Grobmotorik (Körpermotorik)
  • Emotionale und soziale Kompetenzen
  • Kognitive Entwicklung

Raumkonzept bei Infans

Sowohl die materielle als auch die Gestaltung der Räume nehmen einen hohen Stellenwert bei der Durchführung des Infans-Konzepts ein, denn diese haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Bildungsmöglichkeiten der Kinder. Wichtig ist, dass die Räume dem Bedürfnis nach Geborgenheit, Orientierung, Gemeinschaft und Bewegung entsprechen. Um den individuellen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, sind die Räume in den Kitas somit sehr unterschiedlich gestaltet und widmen sich jeweils einem anderen Schwerpunkt.

Zu den räumlichen Schwerpunkten zählen unter anderem folgende Bereiche:

  • Raum für Bewegung und sportliche Aktivitäten
  • Atelier zum Zeichnen, Malen und Basteln
  • Raum zum Musizieren oder Kennenlernen von unterschiedlichen Musikrichtungen
  • Bereich rund um die Sprache
  • Raum zum Experimentieren
  • Raum für Ruhe, Entspannung und zum Träumen
  • Außenbereich zum Toben und Entdecken
  • Raum zum Bauen und Konstruieren
  • Raum für den Essbereich und die Essenszubereitung
  • Leseecke zum Vorlesen oder Anschauen von Bilderbüchern

Da die Räume beim Infans-Konzept den Regeln der elementaren Bildung angepasst sind, befinden sich die offenen Regale, altersgerechten sowie pädagogisch sinnvollen Spielzeuge sowie Bastelmaterialien immer auf Augenhöhe sowie in Reichweite der Kinder und sind diesen frei zugänglich.

Zudem sollten das Spielzeug und die Materialien für die Kinder übersichtlich geordnet sein. Dabei gilt: Alles, was sich in den Räumen der Kita befindet, darf von den Kindern zum Entdecken, Spielen, Basteln und Spaß haben verwendet werden. Gleichzeitig sollten die vorhandenen Materialien die Sinne der Kinder anregen und fördern.

Vor- und Nachteile des Infans-Konzepts

Das Infans-Konzept bietet viele Vorteile für die zu betreuenden Kinder und ermöglicht den Eltern, einen besseren Überblick über die Entwicklungsschritte ihrer Tochter oder ihres Sohnes zu erhalten. Doch natürlich birgt auch das Infans-Konzept gewisse Nachteile. Damit ihr euch ein genaues Bild machen könnt, haben wir euch sowohl die zahlreichen Vorteile als auch die Nachteile auf einen Blick zusammengefasst:

Vorteile Infans-Konzept

  • Nachhaltiges Lernen wird spielerisch und mit Spaß anhand der Interessen des Kindes gefördert
  • Individuelle Fähigkeiten und Interessen der Kinder werden berücksichtigt, um festgesetzte Lernziele zu erreichen
  • Erzieherinnen entwickeln individuelle Bildungsangebote für die einzelnen Kinder und die gesamte Kita-Gruppe
  • Das Wohlergehen und die Stärken der Kinder stehen im Mittelpunkt
  • Ziele von Erzieherinnen, Eltern sowie der Gesellschaft werden mit den Interessen des einzelnen Kindes in Einklang gebracht
  • Den Kindern werden relativ viele Freiräume eingeräumt, um unter anderem die natürliche Neugierde zu befriedigen
  • Individuelle Module für die einzelnen Kinder in Kombination mit einer systematischen Planung
  • Unterschiedlich gestaltete Räume mit verschiedenen Schwerpunkten stehen zur Verfügung
  • Wünsche sowie übergeordnete Ziele der Kinder werden miteinander vereint
  • Das Konzept wird kontinuierlich weiterentwickelt, was eine stetige Anpassung der Ziele sowie Herangehensweisen ermöglicht

Nachteile Infans-Konzept

  • Die Durchführung im Kita-Alltag beansprucht sehr viel Zeit
  • Eine genaue Absprache und enge Zusammenarbeit mit den Kollegen wird vorausgesetzt
  • Weniger geeignet für Einrichtungen mit einem hohen Personalschlüssel
  • Grundlegende Umstellung im Kita-Alltag erforderlich
  • Unter Umständen werden noch nicht bekannte Themen oder neue Interessen für das jeweilige Kind vorschnell ausgeschlossen

Zusammenfassung: Infans-Konzept

Das Infans-Konzept soll unter anderem das nachhaltige Lernen der Kinder fördern, indem die eigenen Interessen und Fähigkeiten in den gesamten Lern- sowie Entwicklungsprozess einbezogen werden. Dabei stehen sowohl die intensive Beobachtung der einzelnen Kinder als auch die Dokumentation im Vordergrund des Konzepts.

Um die Ziele und Beobachtungen festzuhalten und auszuwerten, verwenden die Erzieherinnen sogenannte Beobachtungsbögen. Die angefertigten Beobachtungsbögen bilden wiederum die Grundlage für das persönliche Portfolio des einzelnen Kindes, welches den Eltern im Zuge der jährlich stattfindenden Entwicklungsgespräche zur Verfügung steht. Neben den Beobachtungsbögen enthalten die Portfolios zudem Kurznotizen, Anekdoten, fachlich kommentierte Fotos sowie selbst angefertigte Werke der Kinder.

Neben der Beobachtung und Dokumentation spielt auch das Raumkonzept eine große Rolle. So sind die unterschiedlichen Räume in der Kita nach verschiedenen Schwerpunkten aufgeteilt und die darin aufbewahrten Materialien, Musikinstrumente oder Spielzeuge sollen für die Kinder frei zugänglich und auf Augenhöhe angeordnet sein.

Das Infans-Konzept kommt immer häufiger in den Kitas zum Einsatz, was unter anderem an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung und Verbesserung liegt, da neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Kita-Alltag einbezogen werden. Gleichzeitig bringt das Konzept viele Vorteile für die Entwicklung der Kinder mit sich. So werden beispielsweise die Lernziele spielerisch und nach den Interessen des Kindes gefördert und durch das Gewähren von Freiräumen wird die Neugierde gestillt. Ein Nachteil ist jedoch, dass das Konzept sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und die Kollegen eng zusammenarbeiten sowie sich absprechen müssen.

Bitte beachten:
Um die Lesbarkeit zu verbessern, wurde in diesem Text ausschließlich die weibliche Form Erzieherin verwendet. Selbstverständlich gelten die Angaben und Informationen für Frauen und Männer gleichermaßen.

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