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Patchworkfamilie: Mit diesen 5 Tipps könnt ihr die meisten Probleme lösen!

Patchworkfamilie

Längst gibt es nicht mehr nur das klassische Familienmodell mit Vater, Mutter und Kind: So sind zum Beispiel Patchworkfamilien immer weiter auf dem Vormarsch. Doch so lustig und abwechslungsreich das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie auch sein kann, ist die neu zusammengewürfelte Familienkonstellation auch mit Problemen sowie Streitereien verbunden. Kein Wunder, denn die neuen Familienmitglieder müssen sich aufeinander einstellen und dabei die ein oder andere Hürde meistern.

Damit es in eurer neuen Patchworkfamilie harmonisch zugeht, stellen wir euch in diesem Artikel die besten Tipps vor, um Probleme zu lösen und diesen vorzubeugen. Zudem zeigen wir euch, welche Vorteile und Chancen, aber auch Schwierigkeiten und Konflikte das Leben in einer Patchworkfamilie mit sich bringt.


Was ist eine Patchworkfamilie?

Der Begriff Patchworkfamilie beschreibt die Struktur einer Stieffamilie, die wiederum dadurch definiert wird, dass mindestens ein minderjähriges Kind mit einem biologischen Elternteil aufwächst und einer der Elternteile eine neue Partnerschaft eingegangen ist. Vereinfacht ausgedrückt, nimmt also mindestens ein Partner ein oder mehrere Kinder in eine neue Beziehung mit. Nach dieser Definition muss weder eine neue Ehe eingegangen werden noch müssen beide Partner Kinder in die Familie mitbringen oder gemeinsamen Nachwuchs zeugen. Eine Patchworkfamilie kann in unterschiedlichen Varianten auftreten: So gibt es unter anderem die sogenannte Stiefvaterfamilie sowie die Stiefmutterfamilie. Bei der Stiefvaterfamilie, welche hierzulande am häufigsten vorkommt, bringt die Frau ein oder mehrere Kinder in die neue Beziehung, wohingegen bei einer Stiefmutterfamilie der Vater seinen Nachwuchs in die neue Partnerschaft mitbringt.

Bringen hingegen beide Partner Kinder mit in die Beziehung, wird aus rechtlicher Sicht von einer zusammengesetzten Stieffamilie gesprochen. Allerdings gibt es auch Patchworkfamilien, bei welchen sowohl Stiefkinder als auch gemeinsame Kinder entweder zeitweise oder dauerhaft in der Familienkonstellation leben. Bei dieser Konstellation wird dann von der komplexen Stieffamilie gesprochen. Eine Patchworkfamilie mit gleichgeschlechtlichen Partnern wird als Regenbogenfamilie bezeichnet. Spätestens jetzt ist es mehr als ersichtlich, warum dieses bunte Familienmodell eine Patchworkfamilie genannt wird: Die Variationsmöglichkeiten bei einer Patchworkfamilie sind so unterschiedlich und vielschichtig wie bei dem namengebenden Flickenteppich.

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Obwohl die Annahme relativ weit verbreitet ist, handelt es sich bei der Patchworkfamilie längst nicht um ein neues Familienmodell. Der größte Unterschied zwischen damals und heute ist allerdings, dass Patchworkfamilien früher meistens durch den Tod eines Elternteils zustande gekommen sind. Damals war eine schnelle Wiederheirat und die Gründung einer Stieffamilie oft die einzige Möglichkeit, um seine Familie sozial sowie finanziell abzusichern. Dabei ist der Begriff Stieffamilie nach wie vor negativ behaftet, was unter anderem damit zu begründen ist, dass die Vorsilbe „Stief“ auf die althochdeutschen Wörter „verwaist“ sowie „hinterblieben“ zurückzuführen ist und der Stiefelternteil somit den verstorbenen und leiblichen Elternteil ersetzt und dessen Platz einnimmt.

Heutzutage sind Trennungen oder Scheidungen die Hauptgründe für die bunt zusammengewürfelten Familien, denn dank des medizinischen Fortschritts ist der Tod eines jungen Elternteils zum Glück seltener geworden. Gleichzeitig ist die Akzeptanz gegenüber alleinerziehenden Eltern gestiegen und durch staatliche Hilfen, die unter anderem in einer finanziellen Notlage in Anspruch genommen werden können, wird der notleidenden Familie unter die Arme gegriffen. Zudem ist das Klischee der bösen Stiefmutter oder des gemeinen Stiefvaters längst nicht mehr zeitgemäß. Das Verhältnis zwischen den Stiefkindern und den Stiefeltern ist in einer Patchworkfamilie äußerst vielseitig und sowohl von einer emotionalen sowie sozialen Unterstützung geprägt.

Gut zu wissen:
Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahre 2019 um die 149.000 Ehen richterlich geschieden und somit leben in Deutschland rund 15 Prozent der Kinder in einer sogenannten Patchworkfamilie.

5 Tipps für eine harmonische Patchworkfamilie

Wie kann eine Patchworkfamilie funktionieren? Wie gehe ich mit Stiefkindern um? Diese Fragen stellen sich angehende Stiefeltern mehr als einmal, bevor sie den Schritt in das für sie neue und bis dato ungewohnte Familienmodell wagen und eine bunt zusammengewürfelte Familienkonstellation gründen. Patentrezepte für Patchworkfamilien gibt es natürlich nicht, dennoch kann der Weg zu einem harmonischen Miteinander mit den neuen Familienmitgliedern positiv beeinflusst werden.

Damit sich alle Familienmitglieder wohlfühlen, stellen wir euch die besten Tipps für eine harmonische Patchworkfamilie vor:

1. Raum zum Kennenlernen schaffen

Eine große Herausforderung bei der Gründung einer Patchworkfamilie ist das gegenseitige Kennenlernen und Beschnuppern. Dabei kann es helfen, sich vorab Gedanken über folgende Fragen zu machen:

  • Welche Rituale sind den Kindern besonders wichtig?
  • Welche Rituale sollen in der neuen Familienkonstellation beibehalten werden und welche sollen der Kernfamilie, also der leiblichen Familie, vorbehalten sein?
  • Wo kann sich das Stiefelternteil einbringen und Aufgaben übernehmen?

Führt den neuen Partner an eurer Seite zudem behutsam, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Ausflug mit den Kindern, in die Familie ein. Ein erstes Kennenlernen am Frühstückstisch oder gar im Badezimmer solltet ihr hingegen unbedingt vermeiden, um die Kinder nicht zu überfordern und vor vollendete Tatsachen zu stellen. Bevor der neue Partner persönlich vorgestellt wird, solltet ihr euren Kindern erzählen, dass ihr jemanden kennengelernt habt, den ihr sehr gerne mögt und ihr diese Person bald vorstellen werdet. So können sich die Kinder schon mal auf das Kennenlernen vorbereiten und fühlen sich von euch ernst genommen sowie eingebunden.

2. Geduld und Gelassenheit

Den Kindern die nötige Zeit geben, um sich an den neuen Partner oder die neue Partnerin und unter Umständen an die neuen Stiefgeschwister zu gewöhnen, klingt im ersten Moment banal, ist jedoch das A und O, um sich als Patchworkfamilie gegenseitig kennenzulernen und zusammenzuwachsen. Die Kinder müssen sich in ihrem eigenen Tempo auf die neue Situation einstellen und es darf nichts erzwungen werden. Zudem sollten die nächsten Schritte, wie das Zusammenziehen oder die Heirat, nicht vorschnell getroffen werden, damit sich die Kinder erstmal an die neue und sowieso schon sehr ungewohnte Situation gewöhnen können.

3. Wichtige Rituale im Alltag

Eure Kinder sind es gewohnt, dass ihr ihnen am Abend eine Gute-Nacht-Geschichte vorlest oder ihr gemeinsam das Abendessen vorbereitet? Führt die Rituale unbedingt weiterhin gemeinsam aus, damit eure Kinder in der noch ungewohnten Situation Beständigkeit haben, die ihnen wiederum Sicherheit und Geborgenheit im Alltag vermittelt. Mit der Zeit kann sich der neue Partner in die Rituale einbringen und auf diesem Wege eine Vertrauensbasis und Beziehung zu den Stiefkindern aufbauen. Bis sich die Kinder allerdings darauf einlassen und die neue Frau oder den neuen Mann an der Seite des leiblichen Elternteils akzeptieren und als zusätzliche Bereicherung ansehen, braucht es meist einige Zeit sowie Geduld. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, dennoch ist es die Anstrengung allemal wert und zum Glück sind Kinder von Natur aus offen und neugierig auf neue Erlebnisse und Erfahrungen.

4. Regelmäßige Familienkonferenzen

Indem ihr euch regelmäßig mit allen Mitgliedern eurer Patchworkfamilie an einen Tisch setzt, können aktuelle Auseinandersetzungen sowie Uneinigkeiten beigelegt und neue Konflikte vorgebeugt werden. Auf diesem Wege wird zudem die Wertschätzung gegenüber aller Familienmitglieder sowie die Achtsamkeit in Bezug auf die Gefühle sowie die Stimmungen innerhalb der Familie erhöht. Vereinbart für die Familienkonferenzen einen festen Zeitpunkt, zu welchem sich alle Familienmitglieder treffen und sich austauschen, diskutieren und über etwaige Probleme reden.

In diesem Zuge könnt ihr gemeinsam bestimmte Regeln festlegen, an die sich jeder halten muss. Diese können unter anderem festgelegte Redezeiten sein, in welchen der Sprechende nicht mit Kommentaren oder Zwischenrufen unterbrochen werden darf. So hat jeder aus der Familie die Chance, sich den anderen mitzuteilen und anzumerken, was ihn stört. Damit die Familienkonferenz nicht aus dem Ruder läuft, bietet es sich an, einen Moderator zu wählen, der die Gesprächsführung übernimmt. Am besten startet ihr die Konferenz mit einer kleinen Fragerunde, in welcher jeder Anwesende kurz berichtet, wie es ihm derzeit mit der Situation geht und was er gerne besprechen oder loswerden möchte.

Jetzt ist auch die beste Zeit, um über seine Ängste, Sorgen und Wünsche zu sprechen, wobei es wichtig ist, dass ihr ehrlich und authentisch seid, damit sich die Kinder ein Beispiel an euch Erwachsenen nehmen können. Gibt es ein Problem innerhalb der Patchworkfamilie, wird das bei der Konferenz angesprochen und gemeinsam nach Lösungsvorschlägen gesucht. Neben konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung des familiären Alltags können bei den Familienkonferenzen ebenso gemeinsame Ausflüge geplant werden oder ein Essens- oder Putzplan erstellt werden. Wie genau eure Familienkonferenzen ablaufen, könnt ihr gemeinsam festlegen und ganz individuell der aktuellen Situation anpassen.

5. Verhältnisse zwischen Kern- und Patchworkfamilie klären

Kann ein Stiefvater einen Vater ersetzen? Nein und das ist auch gar nicht die Aufgabe eines Stiefvaters, beziehungsweise einer Stiefmutter. Vielmehr sind Stiefeltern zusätzliche Bezugspersonen für die Kinder, was wiederum einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert bieten kann. Damit die neue Patchworkfamilie allerdings harmonisch miteinander leben kann, ist es wichtig, die Verhältnisse mit dem ehemaligen Partner zu klären und bestehende Konflikte aus dem Weg zu räumen. Kommen die leiblichen Eltern nach wie vor oder wieder miteinander aus, ist das eine wichtige Basis, damit sich die Kinder emotional für die zukünftige Patchworkfamilie öffnen können.

Sind die Fronten zwischen den leiblichen Eltern und den Stiefeltern geklärt, haben die Kinder nicht das Gefühl, sich auf eine Seite stellen zu müssen. Zu geklärten Verhältnissen gehört übrigens auch, dass sich die leiblichen Eltern nach der Trennung scheiden lassen und diese den Kindern erklären, dass es nicht mehr zu einer Liebesbeziehung zwischen Mama und Papa kommen wird, die Kernfamilie aber trotzdem immer bleibt, zusätzlich zur neuen Patchworkfamilie.


Schwierigkeiten und Konfliktsituationen einer Patchworkfamilie

Natürlich gibt es in jeder Familie hin und wieder Streit sowie Konfliktsituationen, dennoch haben zukünftige Patchworkfamilien zusätzliche Herausforderungen und Hürden im Alltag zu meistern, welche bei traditionellen Familien nicht auftreten. So steht am Anfang der neuen Familienkonstellation meistens eine Trennung der Eltern oder gar ein Todesfall, was den betroffenen Kindern einiges abverlangt. Die Erfahrung, ein Elternteil zu verlieren oder weniger zu sehen, muss erst verarbeitet werden und nicht selten reagieren die Kinder insbesondere in den ersten Monaten nach der Trennung mit Verhaltensauffälligkeiten sowie Widerstand gegenüber den Eltern.

Neben den verschiedenen Bedürfnissen prallen auch ganz unterschiedliche Wünsche, Ansprüche und Erwartungen aufeinander, was für viel Zündstoff sorgen kann. Selbst das neue Paar gerät sich auf diesem Wege leicht in die Wolle, denn natürlich fühlt sich immer ein Familienmitglied benachteiligt. Wird dann einmal Partei ergriffen, ist der andere beleidigt und ein neuer Streit bricht vom Zaun. So kann es durchaus vorkommen, dass banale Kleinigkeiten in Geschrei und Beleidigungen enden und sich scheinbar harmlose Situationen aufgrund der Emotionen hochschaukeln.

Ist seit der Trennung bereits eine längere Zeit verstrichen, müssen sich die Kinder erst wieder daran gewöhnen, dass Mama oder Papa nun wieder mit einer anderen Person „geteilt“ werden muss. Die Kinder befürchten, dass sie nicht mehr im Mittelpunkt stehen und nicht mehr so viel Zuwendung bekommen. Zudem muss erst nach und nach und mit viel Einfühlungsvermögen aller Beteiligten ein persönliches Verhältnis zu dem neuen Partner oder der neuen Partnerin des Elternteils aufgebaut und eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Das geschieht nicht von heute auf morgen und bedarf viel Fingerspitzengefühl und Verständnis. In den meisten Fällen sind die Kinder nach ihren Erfahrungen bezüglich der elterlichen Trennung verständlicherweise sehr skeptisch und sehen die neue Beziehung mit gemischten Gefühlen.

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung stellt natürlich auch die neue und ungewohnte Situation mit eventuellen Geschwisterkindern dar. Ist das ehemalige Nesthäkchen plötzlich nicht mehr das jüngste Kind oder ist man von heute auf morgen ein großer Bruder oder eine kleine Schwester ist das natürlich nicht so einfach und es muss erstmal damit klargekommen werden. Dass es zwischen den neuen Geschwistern gerade zu Beginn nicht selten zu vielen Konfliktsituationen kommt, ist nicht ungewöhnlich. Bis jeder seinen Platz in der neuen Familie gefunden hat, sind neben kleineren und größeren Zankereien natürlich auch Konkurrenzgefühle sowie Eifersucht zwischen den Kindern vorhanden.

Bis sich alles einigermaßen eingespielt hat und ein harmonisches Miteinander in der Patchworkfamilie herrscht, ist vor allem eins gefragt: Geduld! Hierbei muss bedacht werden, dass eine Kernfamilie ab der Geburt der Kinder besteht und die Familienmitglieder auf ganz natürliche Weise zu einer Einheit zusammenwachsen. Bei einer Patchworkfamilie hingegen kommt das Familienleben mehr oder weniger über Nacht und ganz plötzlich zustande und damit müssen sich alle beteiligten Familienmitglieder erst arrangieren. Bis eine Patchworkfamilie sich komplett aufeinander eingestellt hat und zusammengewachsen ist, dauert es laut Studien sogar bis zu fünf Jahren. Diese Zahl verdeutlicht einmal mehr, mit welchen Herausforderungen eine Patchworkfamilie konfrontiert ist, bis ein familiäres Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht.

Vorteile und Chancen einer Patchworkfamilie

Bis eine Patchworkfamilie zusammengewachsen ist und der Alltag harmonisch ist, müssen viele Herausforderungen gemeistert und der neuen Situation eine Chance gegeben werden. Nichtsdestotrotz bringt das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie einige positive Aspekte sowie Vorteile für die bunt zusammengewürfelten Familienmitglieder mit sich. So können die Kinder zum Beispiel mit vielen Bezugspersonen zusammenleben, was wiederum positive Auswirkungen auf das gesamte Sozialverhalten hat. Zudem erfahren die Kinder noch mehr Unterstützung und werden auf ihrem Lebensweg von einer Vielzahl an wichtigen Bezugspersonen begleitet. Neben neuen Stiefeltern und möglichen Geschwistern kommen außerdem noch neue Cousinen und Cousins sowie Großeltern hinzu. Langweilig wird es in einer Patchworkfamilie somit nicht so schnell.

Weitere Vorteile sind:

  • Es können neue Regeln verhandelt werden
  • Kinder aus Patchworkfamilien können besser mit Veränderungen umgehen
  • Kinder lernen Respekt, Toleranz sowie Einfühlungsvermögen
  • Unterschiedliche Erziehungsstile können miteinander kombiniert werden
  • Kommunikationsfähigkeiten werden trainiert
  • Es kann besser mit Konflikten umgegangen werden

Weg zur funktionierenden Patchworkfamilie

Bis eine Patchworkfamilie funktioniert und harmonisiert, werden in der Regel vier Phasen durchlaufen: die Kennenlernphase, die Phase des Positionsgerangels sowie der Konkurrenz- und Machtkämpfe, die Übergangsphase und zu guter Letzt die Etablierungsphase. Natürlich müssen diese Phasen nicht strikt aufeinander folgen, in den meisten Fällen gehen diese ineinander über oder es wird eine Phase übersprungen. Zudem dauern die Phasen je nach Familie unterschiedlich lang und sind mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt.

Nachfolgend erläutern wir, wie sich die unterschiedlichen Phasen auf dem Weg zur Patchworkfamilie äußern können:

Phase 1: Das Kennenlernen

Das neue Paar schwebt noch auf der sprichwörtlichen Wolke 7 und dementsprechend hoch ist die Motivation und die Vorfreude darauf, auch die Kinder an ihrem neuen Glück teilhaben zu lassen und diese in die neue Beziehung zu integrieren. Zudem ist der neue Partner an der Seite natürlich sehr neugierig auf die Kinder und kann es nicht abwarten, diese kennenzulernen und ebenfalls ins Herz zu schließen. Das Kennenlernen und Beschnuppern verläuft dann jedoch meist doch nicht so harmonisch und herzlich ab, wie erhofft, denn die Kinder werden mit einer ganz neuen Situation konfrontiert und sind damit in der Regel erstmal mehr als überfordert. Nicht selten sind die Kinder daher in der Anfangszeit abweisend und unfreundlich.

Die Kinder müssen ihre Beziehung zu den Eltern wieder neu ordnen und die Trennung sowie den damit einhergehenden Verlust verarbeiten, bevor sie sich auf das neue Familienleben einlassen und auch das Positive an der neuen Situation sehen können. Wichtig ist, dass sich der neue Partner oder die neue Partnerin davon nicht verunsichern lässt. Nehmt es euch nicht zu Herzen, solltet ihr beim ersten Kennenlernen extra das Lieblingsgericht der Kinder gekocht oder neue Spielsachen besorgt haben und dennoch wird das Essen nur widerwillig gegessen und die neue Puppe oder das Spielzeugauto wird mit keinem Blick gewürdigt. Die Kinder und das leibliche Elternteil bilden natürlich eine sehr innige Einheit, zu welcher der neue Partner eben noch nicht dazugehört. Stattdessen existiert zu den Kindern noch eine gewisse Distanz, was zusätzlich verunsichern kann.

Doch nicht nur für die Kinder und die neue Frau oder den neuen Mann in der Familie, sondern auch für den leiblichen Elternteil ist die Kennenlernphase schwierig. So muss sowohl für die Kinder als auch für den neuen Partner Verständnis aufgebracht und die Ängste und Sorgen ernst genommen werden. Allen Beteiligten gerecht zu werden, ist gar nicht so einfach und es gehört eine große Portion Geduld sowie Einfühlungsvermögen dazu, doch am Ende ist es die Anstrengung allemal wert.

Phase 2: Machtkämpfe

Ging es in der Kennenlernphase noch einigermaßen ruhig und zivilisiert vonstatten, ist es gut möglich, dass jetzt erstmal die Fetzen fliegen. In der 2. Phase testen die Kinder untereinander und mit den Erwachsenen ihre Grenzen aus und ein regelrechtes Positionsgerangel beginnt. Machtkämpfe, Konkurrenzverhalten sowie Streitigkeiten sind keine Seltenheit in dieser Phase und werden nicht mehr subtil, sondern ganz offen ausgetragen. Wer darf im Auto vorne sitzen? Wer nimmt welchen Platz beim Esstisch ein? Wer darf über das Fernsehprogramm bestimmen?

Bei all diesen Fragen und dem Gerangel geht es im Prinzip darum, wer welchen Part in der neuen Familienkonstellation einnimmt und wer welche Aufgaben übernimmt. In dieser oft sehr stürmischen Phase kann es helfen, einen sicheren und gleichzeitig stabilen Rahmen zu schaffen, in welchem wiederum Auseinandersetzungen sowie Streitigkeiten in einer produktiven Form stattfinden dürfen, aber am Ende beigelegt werden müssen. Das ist erstmal eine große Herausforderung für die gesamte Familie und insbesondere für die Erwachsenen, aber mit der Zeit werden die Streitereien weniger.

Phase 3: Übergangsphase

Diese dritte Phase wird wohl vor allem von den Erwachsenen sehnlichst erwartet, denn endlich beruhigt sich die Lage langsam, aber sicher und die Streitigkeiten lassen nach. Die Abmachungen und Anweisungen werden mehr und mehr akzeptiert und in den Familienalltag integriert. Mit der Zeit sind die Strukturen und Formen der neuen Familienkonstellation jedem Beteiligten klar und es muss nicht mehr darüber gestritten oder diskutiert werden. Zudem haben sich die zusammengewürfelten Familienmitglieder mittlerweile aneinander und an den gemeinsamen Alltag gewöhnt.

Dennoch können nach wie vor kleinste Missachtungen der aufgestellten Familienregeln, selbst wenn gegen diese nicht mit Absicht verstoßen wurde, zu Geschrei und Wutausbrüchen führen und das ganze System infrage stellen. Zwar ist die Übergangsphase zum Teil sehr zerbrechlich und bestimmt wird es auch weiterhin immer mal wieder zu Konflikten und Streit kommen, nichtsdestotrotz beruhigen sich die Gemüter meistens wieder schnell und daran könnt ihr erkennen, dass ihr auf dem richtigen Weg zur funktionierenden Patchworkfamilie seid.

Phase 4: Etablierungsphase

Jetzt ist das Schlimmste überstanden und ihr habt euch als Patchworkfamilie etabliert und meistert mittlerweile gemeinsam den Alltag. Dinge, die zu Beginn eurer gemeinsamen Reise noch absolutes Neuland waren, sind nun wie selbstverständlich in den Alltag eingezogen und werden nicht mehr hinterfragt. So weiß der neue Stiefvater längst, dass seine Stieftochter lilafarbene Klamotten nicht ausstehen kann und der Stiefsohn sein Nutella-Brot nur ohne Butter isst. Auf der anderen Seite wissen die Kinder, dass der Stiefvater im Wohnzimmer gerne auf dem Sessel und nicht auf dem Sofa sitzt. Das sind Beispiele dafür, dass sich alle zusammengerauft haben und eine Vertrauensbasis geschaffen wurde.

Sicherlich kommt es auch zu diesem Zeitpunkt immer mal wieder zu Auseinandersetzungen, aber diese gibt es genauso in jeder anderen Familie. Zudem tragen Konflikte unter anderem dazu bei, den anderen noch besser kennenzulernen und einschätzen zu können und sich in Sachen Kommunikationsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Empathie sowie Durchsetzungsvermögen weiterzuentwickeln. Klare Regeln, Strukturen und Rituale helfen dabei, einen harmonischen Alltag in der Patchworkfamilie zu schaffen.

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