Startseite Ratgeber Betreuungsschlüssel in Kitas: Was sagt der Schlüssel aus?

Betreuungsschlüssel in Kitas: Was sagt der Schlüssel aus?

Betreuungsschlüssel Kita

Kitas streben einen niedrigen Betreuungsschlüssel an und auch Eltern berücksichtigen diesen in ihrer Entscheidung, welche Einrichtung ihr Kind besuchen soll, immer häufiger. Doch was sagt der Betreuungsschlüssel über die Qualität der Betreuung in der Kita aus und welcher Wert gilt überhaupt als erstrebenswert? In diesem Artikel erfahrt ihr alles Wissenswerte über den Betreuungsschlüssel in Kitas und wir gehen unter anderem auf die unterschiedlichen Gegebenheiten in den Bundesländern ein.

Was ist ein Betreuungsschlüssel?

Bereits seit vielen Jahren ist der Ausbau der Kindertagesbetreuung nicht nur für berufstätige Eltern, sondern auch für pädagogische Fachkräfte sowie in der Politik ein heiß diskutiertes Thema. Doch was genau ist ein Betreuungsschlüssel überhaupt und was sagt dieser aus? Der Betreuungsschlüssel, welcher auch Personalschlüssel genannt wird, ist sowohl für die Leitung einer Kita als auch für die Berechnungen der Träger von größter Wichtigkeit. Er stellt mitunter einen statistischen Wert dar, der wiederum ermittelt, wie viele Kinder von einer Erzieherin in der Kita betreut werden.

Gleichzeitig kann der Betreuungsschlüssel Eltern sowie angehenden Erzieherinnen bei der Beurteilung von der Qualität der Betreuung, der Bildung sowie der Erziehung in den jeweiligen Kitas helfen und somit maßgeblich zur Entscheidungsfindung beitragen.

In der Theorie gilt dabei: Je niedriger der Betreuungsschlüssel ist, umso intensiver können sich die Erzieherinnen, beziehungsweise die geschulten pädagogischen Fachkräfte mit den einzelnen zu betreuenden Kindern beschäftigen und auf diese eingehen. So weit, so gut, doch darf in diesem Zuge Folgendes nicht vergessen werden: Der Betreuungsschlüssel berücksichtigt die gesamte Arbeitszeit der Erzieherinnen.

Wie gefällt dir der Artikel bisher?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...
Bitte bewerte den Beitrag: Betreuungsschlüssel in Kitas: Was sagt der Schlüssel aus?! Aktuell gibt es 1 Bewertungen mit 5,00 von 5 Sternen!

Damit ist gemeint, dass eben nicht nur die unmittelbare pädagogische Arbeitszeit und somit die direkte Kontaktzeit mit den Kindern, sondern mitunter auch die Vor- und Nachbearbeitungszeit, Gespräche mit den Eltern, Urlaubs- und Krankheitstage sowie die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen den Betreuungsschlüssel beeinflussen.

Da nicht nur die unmittelbare, sondern eben auch die mittelbare Arbeit sowie diverse Ausfallzeiten in den Betreuungsschlüssel einberechnet werden, verringert sich die tatsächliche Zeit für die aktive Betreuung sowie Förderung der Kinder. Im Kita-Alltag bedeutet dies häufig eine größere Anzahl von zu betreuenden Kindern für einzelne Erzieherinnen.

Unterschied zur Betreuer-Kind Relation

Der Betreuungsschlüssel darf nicht mit der sogenannten Betreuer-Kind-Relation verwechselt werden. Anders als beim Betreuungsschlüssel wird bei der Betreuer-Kind-Relation ausschließlich die unmittelbare pädagogische Arbeitszeit und nicht die mittelbare Arbeit, wie zum Beispiel Vor- und Nachbereitung sowie Gespräche mit den Eltern, sowie Urlaubs- oder Krankheitstage berücksichtigt.

Aufgrund dessen fließen auch die „kinderbetreuungsfreien“ Zeiten sowie Ausfallzeiten in die Berechnung ein, weshalb die Betreuer-Kind-Relation somit eine bessere Auskunft liefern kann, sofern man über die direkte Kontaktzeit mit den Kindern Bescheid wissen möchte. Anders ausgedrückt handelt es sich bei der Betreuer-Kind-Relation um das tatsächliche Personenverhältnis in der Kita oder dem Kindergarten.

Darüber kann ein Betreuungsschlüssel Auskunft geben

In erster Linie spiegelt der Betreuungsschlüssel das Verhältnis von der Anzahl der zu betreuenden Kinder zu einer erzieherischen Fachkraft wider. Studien zufolge hat ein niedriger und somit guter Betreuungsschlüssel positive Auswirkungen auf pädagogische Interaktionen sowie Aktivitäten für Kinder, welche die Bildung anregen und nachhaltig fördern sollen. Zudem kann ein guter Betreuungsschlüssel dazu beitragen, die sprachliche sowie kognitive Entwicklung der Kinder zu verbessern, das emotionale Wohlbefinden zu steigern und die Vertrauensbasis zu den Erzieherinnen zu festigen.

Beim Betreuungs- oder Personalschlüssel handelt es sich letztendlich nur um eine rein rechnerische Größe, um sich unter anderem einen besseren Überblick über die regionalen Unterschiede zu verschaffen. Bei der tatsächlichen Betreuungssituation in den jeweiligen Kitas oder anderen sozialpädagogischen Einrichtungen vor Ort können durchaus andere Bedingungen gegeben sein. Dies ist beispielsweise der Fall, sollte eine Erzieherin krankheitsbedingt vorübergehend ausfallen. Zudem ist die Betreuungssituation in vielen Kitas von der Qualifikation der Erzieherinnen und davon abhängig, ob es sich bei der jeweiligen Betreuung um eine Kern- oder Randzeit handelt.

Betreuungsschlüssel in deutschen Kitas

Generell kann gesagt werden, dass sich der Betreuungsschlüssel in Kitas deutschlandweit in den letzten Jahren Schritt für Schritt verbessert hat, was auch vom Statistischen Bundesamt bestätigt wird. Demzufolge lag der Betreuungsschlüssel in Deutschland im Jahr 2019 in Gruppen mit Kleinkindern und Kindern im Alter von 2 und unter 8 Jahren (ohne Schulkinder) bei 1 : 8,3. Im Vergleich dazu lag der Betreuungsschlüssel im Jahr 2012 und in der gleichen Gruppenart noch bei 1 : 9,3. Bei der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren lag der Personalschlüssel im Jahr 2019 bei 1 : 4,2 und im Jahr 2012 noch bei 1 : 4,8 (Stand: 03/2020).

Die positive Entwicklung ist in erster Linie damit zu begründen, dass durch den neuen flächendeckenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr, welcher im Jahr 2013 in Kraft getreten ist, neues Fachpersonal nötig war und noch immer ist. Um diesem neuen Anspruch überhaupt gerecht werden und um den Fachkräftemangel in Kitas entgegenwirken zu können, stellen sowohl die Länder als auch der Bund mehr finanzielle Mittel zur Verfügung.

Bis der Betreuungsschlüssel jedoch in allen Bundesländern akzeptabel ist, wird es noch einige Zeit dauern, da die Ausbildung oder Umschulung zur Erzieherin mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Somit stellt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr nach wie vor eine große Herausforderung für Kitas und die Politik dar.

Unterschiedliche Betreuungsschlüssel von Bundesland zu Bundesland

Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat das Bundesland Baden-Württemberg bei der Betreuung von Kindern mit 2 und unter 8 Jahren (ohne Schulkinder) mit 1 : 6,6 deutschlandweit am besten abgeschnitten, wohingegen Mecklenburg-Vorpommern mit einem Betreuungsschlüssel von 1 : 12,4 das Schlusslicht darstellt (Stand: 03/2020). Bei Kindern zwischen 0 und 8 Jahren (Schulkinder ausgenommen) konnte Bremen im Jahr 2019 mit einem Betreuungsschlüssel von 1 : 3,4 besser als die Bundesländer Bayern sowie Baden-Württemberg, welche beide einen Wert von 1 : 3,9 vorweisen, abschneiden (Stand: 03/2020).

Auffallend in dieser Statistik ist, dass die ostdeutschen Bundesländer einen höheren Wert aufweisen und somit schlechter abschneiden als Bundesländer im Westen. Einer der Hauptgründe hierfür ist unter anderem, dass im Osten Deutschlands mehr öffentliche Betreuungsplätze für Kinder beansprucht werden als in westlichen Bundesländern. Somit sind in den neuen Bundesländern mehr Kapazitäten in Sachen Betreuungsplätze und Erzieherinnen nötig.

Zudem herrschen innerhalb der einzelnen Bundesländer auch noch gravierende Unterschiede in Sachen Personalressourcen in Kitas. Im Klartext bedeutet dies, dass auf eine Erzieherin in Mecklenburg-Vorpommern etwa 13 zu betreuende Kinder kommen können, wohingegen in Bundesländern mit einem guten Betreuungsschlüssel, wie beispielsweise in Bremen oder Baden-Württemberg, lediglich 7 oder noch weniger Kinder gleichzeitig betreut und gefördert werden müssen.

Gibt es einen idealen Betreuungsschlüssel?

Laut einer umfangreichen Studie der Bertelsmann-Stiftung liegt der ideale Betreuungsschlüssel in einer Kinderkrippe mit Kindern unter 3 Jahren bei 1 : 3. In einer klassischen Kita- oder Kindergartengruppe mit Kindern zwischen 3 Jahren und bis zur Einschulung wäre hingegen ein Betreuungsschlüssel von 1 : 7,5 sinnvoll, um eine adäquate Betreuung sowie Förderung zu gewährleisten. In der Realität beträgt der Betreuungsschlüssel in der Krippe derzeit 1 : 4,2 und im Kindergarten liegt dieser anstelle von 1 : 7,5 bei 1 : 8,3 (Stand: 03/2020).

Bitte beachten:
Diese Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Bundesland, sondern auf das gesamte Deutschland.

Es muss jedoch beachtet werden, dass die Qualität einer Kita oder eines Kindergartens nicht ausschließlich anhand des Betreuungsschlüssels gemessen werden kann. Um sich ein genaues Bild über die Betreuung in der Kita machen zu können, muss das individuelle Engagement und der persönliche Einsatz der einzelnen Erzieherin oder ausgebildeten Fachkraft berücksichtigt werden. Eine liebevolle, abwechslungsreiche sowie altersgerechte Betreuung in Kombination mit einem etwas höherem Betreuungsschlüssel ist in der Praxis mehr wert als ein unpersönliches und eisiges Klima in einer Kita mit einem hervorragenden Betreuungsschlüssel.

Allerdings kann und darf nicht von der Hand gewiesen werden, dass ein hoher Betreuungsschlüssel eine zum Teil sehr große Arbeitsbelastung für die Erzieherinnen in einer Kita darstellt, was wiederum die Gesamtmotivation negativ beeinträchtigen kann. Zudem führt ein hoher Betreuungsschlüssel zwangsläufig dazu, dass die einzelnen Erzieherinnen oder pädagogischen Fachkräfte in der Kita oder im Kindergarten schlicht und ergreifend zu wenig Zeit für die eigentliche Betreuung haben. So können die Erzieherinnen unter Umständen nicht jedem Kind zeitlich und fachlich gerecht werden und außerplanmäßige Projekte und Ausflüge kommen häufig zu kurz.

Zusammenfassung: Betreuungsschlüssel in der Kita

In erster Linie soll der Betreuungsschlüssel Auskunft darüber geben, wie viele Kinder von einer Erzieherin in der Kita oder im Kindergarten betreut sowie gefördert werden. Umso niedriger der Betreuungsschlüssel dabei ist, umso besser können die Erzieherinnen auf die einzelnen zu betreuenden Kinder und deren individuellen Bedürfnisse eingehen. Unter anderem aus diesem Grund wird von den Leitungen der sozialpädagogischen Einrichtungen ein möglichst niedriger Betreuungsschlüssel angestrebt.

Sicherlich stellt dieser sowohl für die Kita-Leitung als auch für die Eltern einen sinnvollen und auch nützlichen Anhaltspunkt dar, dennoch hängt die Qualität der Betreuung natürlich nicht nur von dem zuvor ermittelten Betreuungsschlüssel ab. Die Qualifikationen und der Umgang der Erzieherinnen mit den Kindern tragen maßgeblich zu einer Wohlfühl-Atmosphäre in der Kita bei und dürfen nicht vernachlässigt werden. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass der Betreuungsschlüssel die gesamte Arbeitszeit der Erzieherinnen berücksichtigt und nicht nur die direkte Kontaktzeit mit den Kindern.

Bitte beachten:
Um die Lesbarkeit zu verbessern, wurde in diesem Text ausschließlich die weibliche Form Erzieherin verwendet. Selbstverständlich gelten die Angaben und Informationen für Frauen und Männer gleichermaßen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.