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Hausarrest und Stubenarrest: Ist das noch zeitgemäß?

Hausarrest und Stubenarrest

Hausarrest und Stubenarrest – eine unschöne Sache, die manche von uns aus der eigenen Kindheit kennen. Dabei griffen die Eltern zu dieser Art der Bestrafung, wenn man „etwas ausgefressen“ oder angestellt hatte oder mal wieder zur kleinen Schwester böse war. Dann wurde das Verbot ausgesprochen, das Zimmer oder die Wohnung für eine bestimmte Zeit nicht verlassen zu dürfen. Klar, zur Schule musste man trotzdem gehen und auch sonstige Pflichttermine mussten erfüllt werden.

Sind Hausarrest und Stubenarrest noch zeitgemäß oder sind diese doch eher etwas drastischen Maßnahmen in der heutigen Kinderstube gar nicht mehr vorzufinden? Sind diese Arten der Bestrafungen dazu geeignet, die Erziehung von Kindern positiv zu beeinflussen? Sind dies sinnvolle Strafen für Teenager und eventuell auch Kleinkinder? Ob Hausarrest und Stubenarrest noch zeitgemäß sind und ob dadurch Kinder besser hören, wird im folgenden Beitrag unter die Lupe genommen.


Hausarrest und Stubenarrest – sinnvolle Maßnahmen?

In den 50er und 60 er Jahren waren Hausarrest und Stubenarrest als Maßnahme der Bestrafung weit verbreitet und auch heute noch wird in manchen Familien diese Maßnahme zur Erziehung von Kindern gewählt. Allerdings kann diese Art der Strafe als gesetzeswidrig angesehen werden. Ist der Haus- oder Stubenarrest als entwürdigend für das Kleinkind oder den Teenager anzusehen, kann diese Art der Bestrafung strafbar sein. Während der § 1631 Abs. 2 des BGB regelt, dass alle Kinder ein Anrecht auf eine gewaltfreie Erziehung haben, ist allerdings nicht enthalten, in wie weit der Stubenarrest entwürdigend ist. Hinzu kommt, dass der Hausarrest als Freiheitsberaubung angesehen werden kann, was eben strafbar ist. Werden also Kinder eingeschlossen, wenn auch nur über einen kürzeren Zeitraum, ist dies als gesetzeswidrig anzusehen. Äußerst kritisch wird es, wenn die Kinder von den gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie ausgeschlossen werden, oder wenn ihnen jeglicher sozialer Kontakt verboten wird.

All dies sind Zuwiderhandlungen, die gegen das deutsche Recht verstoßen. Und oftmals hat diese Art der Bestrafung keine positive Wirkung, sondern kann teilweise dem Nachwuchs schaden. Statt sich auf dem Spielplatz austoben zu können, mit Freunden Fahrrad fahren zu gehen, wird das Kind in seinem Bewegungsdrang gehindert. Stattdessen sind Tätigkeiten im Zimmer oder im Haus durchzuführen, die je nach Art des ausgesprochenen Stubenarrests in ausgedehnten Fernseh- oder Spiele-Sessions enden. Und das soll eine Strafe sein? Viel eher kommt doch den Kindern dies entgegen.

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Hinzu kommt, dass Kinder auf den Hausarrest meist trotzig und wütend reagieren und aus diesem Grund gar keine Veranlassung sehen, ihr Fehlverhalten einzusehen und dieses auf langfristige Sicht zu ändern. Für Kinder ist der Zusammenhang zwischen dieser, durch die Eltern, ausgesprochenen Strafe mit ihrem Fehlverhalten gar nicht nachvollziehbar, sondern sie fühlen sich ungerecht behandelt.

Es zeigt sich, dass Hausarrest und Stubenarrest im Großteil der Fälle wohl eher nicht zu den sinnvollen Strafen für Teenager und Kinder zählen. Diese Strafen sollten wirklich in Ausnahmefällen angewendet werden, beispielsweise, wenn es sich um eine Schutzmaßnahme für das Kind handeln soll.


Hausarrest und Stubenarrest – in Ausnahmefällen sinnvoll

Es gibt Situationen, in denen der Stubenarrest oder Hausarrest als möglicherweise sinnvoll anzusehen ist. Nämlich dann, wenn es sich nicht um eine Bestrafung des Kindes handelt, sondern eine Schutzmaßnahme darstellt, beispielsweise, wenn euer Kind vor dem schlechten Umgang mit anderen Kindern bewahrt werden soll. Allerdings ist hier die Definition „Schutzmaßnahme“ so gemeint, dass Gefahr in Verzug ist und nicht der Hausarrest erteilt wird, weil den Eltern der Freundeskreis des Nachwuchses nicht gefällt. Schließlich sollen – und müssen – Kinder ihre eigenen Erfahrungen sammeln, auch die negativen. Denn dadurch „wachsen“ die Kinder, stärken ihre Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Eltern dürfen ihren Kindern keinesfalls diese negativen Erfahrungen vorenthalten, indem sie den Nachwuchs die sozialen Kontakte durch Hausarrest untersagen.

Denn die mögliche Konsequenz durch das Aussprechen von Verboten, sich mit den Freunden nicht mehr treffen zu dürfen, sind oftmals heimliche Treffen. Und daraus resultieren dann mangelnde Aufrichtigkeit und fehlendes Vertrauen. Um das Fehlverhalten oder die unschöne Situation dem Kind zu vermitteln, ist diese Art der Bestrafung mit Hausarrest der falsche Weg. Gerade in solchen Situationen vermittelt die Bestrafung eine gewisse Macht, die die Eltern gegenüber dem Nachwuchs ausleben.

Gibt es bessere Maßnahmen statt Hausarrest?

Eines ist klar: Kinder brauchen eine konsequente Erziehung, ihre Regeln und Pflichten. Eine durch die Eltern ausgesprochene Strafe, ganz gleich, in welcher Form, demonstriert die elterliche Macht. Und in gewisser Weise handelt es sich sogar um Erpressung, denn Aussagen wie: „Wenn du das jetzt nicht machst, dann passiert das….“ Solche Maßnahmen bringen keine langfristige Besserung mit sich, Kindern fehlt in diesen Momenten einfach die Einsicht, einen Fehler gemacht zu haben. In manchen Fällen sind die Strafen der Grund dafür, dass bei den Kindern Ängste aufgebaut werden, weil sie immer wieder mit Konsequenzen rechnen müssen. Die Folge davon können Vermeidungshaltungen sein, die nicht nur die negativen, sondern auch die positiven Verhaltensmuster ausschalten. Das heißt, mit logischen Konsequenzen anstatt Strafen wie Haus- oder Stubenarrest, können Kinder weitaus mehr lernen und durch ihr Fehlverhalten ihre entsprechenden Erfahrungen für ihren weiteren Lebensweg „mitnehmen“. Kindern sollte aufgezeigt werden, welche Folge ihr Fehlverhalten hat, um es entsprechend zum Nachdenken anzuregen, um daraus eine künftige Verhaltensänderung zu bewirken.

Alternativen zu Stubenarrest und Hausarrest

  • Möchte euer Kind täglich die Hausaufgaben nicht machen, dann akzeptiert das. Am nächsten Tag geht euer Kind eben ohne die Hausaufgaben in die Schule und wird die entsprechende Erfahrung, inklusive einer Konsequenz, machen.
  • Räumt euer Nachwuchs das Zimmer nicht auf, wird nicht das gewünschte Spiel mit den Eltern gespielt. Erst wenn das Zimmer aufgeräumt ist, ist die Zeit für ein gemeinsames Spiel da.
  • Kommt euer Kind ständig nicht zu den vereinbarten Zeiten nach Hause, beispielsweise nach der Schule, holt es von der Schule ab. Das könnte schon etwas peinlich sein, wenn die Eltern ständig nach der Schule da stehen und warten. Aber eben diese Maßnahme könnte durchaus dazu führen, dass sich der Nachwuchs zukünftig an die Vereinbarungen hält.
Ein kleiner Hinweis:
Natürlich sollten die Regeln, die ihr euren Kindern vorgebt, auch eingehalten werden. Allerdings sollten diese Vorgaben auch logisch und für den Nachwuchs nachvollziehbar sein. Regeln aufzustellen, nur, „weil es das früher schon gab“ oder „weil es einfach so ist“, sind der falsche Ansatz und unnötig.

Fazit: Hausarrest und Stubenarrest sollten, wenn sie verhängt werden, eine Ausnahmeerscheinung bleiben und nicht als Standard-Bestrafung ausgewählt werden. Nur so behält diese Strafe ihren Abschreck-Faktor und vermittelt eine entsprechende Konsequenz. Zudem darf eine Begründung, warum ihr nun so reagiert und diese Strafe wählt, nicht fehlen. Nur dadurch kann das Kind seinen Fehler erkennen und entsprechend daraus lernen. Und vielleicht solltet ihr als Eltern die Ursache dieses Fehltritts herausfinden. War die Regel nicht klar definiert oder waren Missverständnisse die Ursache. Und oftmals gibt es andere sinnvolle Strafen für Teenager und Kinder, die ebenso wirkungsvoll, aber weniger „dramatisch“ in ihrer Tragweite sind – beispielsweise Geschirr spülen oder abtrocknen oder vielleicht auch mal das Badezimmer putzen.

Die Erziehung von Kindern ist nicht immer einfach, doch körperliche Züchtigung (wie früher die Rohrstock Strafe) oder das Schlagen von Kindern sind keine Lösung, um den Nachwuchs richtig zu erziehen.

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