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Heimweh auf Klassenfahrt – Was können Eltern tun?

Heimweh Klassenfahrt

Ich will nach Hause!“. Hören Eltern diesen Satz von ihrem weinenden Kind, das sich zum Zeitpunkt des Telefonats auf Klassenfahrt, im Feriencamp oder im Sommerlager befindet, wird das Herz natürlich schwer. Die ratlosen Eltern stellen sich daraufhin die Fragen: „Warum hat mein Kind plötzlich so großes Heimweh?“, und „Was können wir tun, damit unser Kind die Klassenfahrt oder die Ferienreise ohne Eltern genießen kann?“. Oder was tun, wenn das Kind bereits Tage und Wochen vor der anstehenden Klassenfahrt in Tränen aufgelöst ist und regelrecht Panik davor hat, seine vertraute Umgebung zu verlassen?

In diesem Artikel gehen wir auf diese Fragen ein und wir stellen euch die besten Tipps vor, wie ihr eurem Kind das Heimweh nehmen und diesem im besten Fall sogar ganz vorbeugen könnt, damit die Zeit auf der Klassenfahrt in guter Erinnerung bleibt.

Woher kommt Heimweh?

Die meisten Kinder freuen sich schon Wochen im Vorfeld auf die Abenteuer mit den Freunden und fiebern der elternfreien Zeit regelrecht entgegen. Während bei der Anreise sowie der Ankunft am Ferienort noch eine aufgekratzte und aufgeregte Stimmung herrscht, schleicht sich bei dem ein oder anderen Kind in den Abendstunden oder in der Nacht auf einmal ein trauriges und ängstliches Gefühl ein, welches in diesem Fall als Heimweh bezeichnet wird. Doch woher kommt das Gefühl, sich sehnlichst nach Hause zu wünschen und das insbesondere jüngere Kinder befällt? Viele Psychologen und Wissenschaftler haben sich mit dieser Frage beschäftigt und verschiedene Antworten darauf gefunden.

Kinder mit Heimweh, die sich fernab von ihrem Zuhause und zum Beispiel auf einer Klassenfahrt befinden, leiden unter dem für sie ausgeprägten Gefühl des „Ungewohnten“. Sie werden aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, was sich wiederum mit Angst und dem Gefühl von Verlorenheit äußern kann. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Kinder auf der Klassenfahrt mit ihren Klassenkameraden und Freunden zusammen sind und sie gemeinsam neue Abenteuer erleben. Sind die Kinder dann noch übermüdet oder haben sich mit einem ihrer Mitschüler gestritten, ist das Heimweh meist umso schlimmer und die betroffenen Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder nach Hause zu fahren.

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Gut zu wissen:
Heimweh ist eine zum Teil sehr stark auftretende Gefühlsreaktion bei Kindern auf eine Trennung von den Eltern sowie ihrer gewohnten Umgebung.

Wann tritt Heimweh verstärkt auf?

Heimweh bei Kindern ist keine Seltenheit: Experten schätzen, dass starkes Heimweh bei jedem zehnten Kind auftritt, welches zeitweise von seinen Eltern und von seiner gewohnten Umgebung getrennt ist. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass manche Kinder anfälliger dafür sind, unter Heimweh zu leiden. So sind jüngere Kinder in der Regel häufiger von Heimweh betroffen, da die Bindung zu den Eltern in der Regel noch intensiver ausgeprägt ist. Doch nicht nur aufgrund des Alters, sondern auch bei folgenden Beispielen ist die Anfälligkeit für Heimweh bei Kindern erhöht:

  • Kinder in schwierigen Lebenssituationen (zum Beispiel Scheidung der Eltern, Tod eines nahestehenden Familienmitglieds oder Umzug in eine neue Stadt)
  • Pubertierende Kinder
  • Schüchterne und zurückgezogene Kinder, die schwer Anschluss finden und keine oder nur wenige Freunde in ihrer Klasse haben
  • Unselbstständige sowie sehr anhängliche Kinder

Des Weiteren macht es einen Unterschied, ob die Kinder vor der Klassenfahrt bereits bei den Großeltern oder bei einem Freund, beziehungsweise bei einer Freundin übernachtet haben. Kinder, die noch nie auswärts geschlafen oder eine Nacht ohne ihre Eltern verbracht haben, entwickeln schneller Ängste sowie Unsicherheiten, sobald sie nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung sind. Zudem spielt es eine nicht zu unterschätzende Rolle, ob das Kind freiwillig an der Klassenfahrt teilnimmt oder sich dazu gezwungen und dementsprechend von seinen Eltern „abgeschoben“ fühlt. Die Kinder sind dann häufig verletzlich und reagieren negativ auf Veränderungen, was sich mit Heimweh äußern kann.

In vielen Fällen tritt Heimweh bei dem ersten Anlass, also bei der ersten Auswärtsübernachtung oder der ersten Klassenfahrt, auf, was jedoch nicht bedeutet, dass „reiseerprobte“ Kinder nicht darunter leiden können. Auch Kinder, die bereits mehrmals bei Oma und Opa oder einem Freund übernachtet haben, sind nicht davor gefeilt, auf einer Klassenfahrt Heimweh zu bekommen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit geringer ist. Verläuft die Klassenfahrt zum Beispiel anders als erwartet, weil es mit einem Mitschüler zum Streit gekommen ist, kann es schneller zu Heimweh kommen, denn die Situation wird von den Kindern als negativ empfunden.

Symptome von Heimweh

Meistens können die Kinder mit einer leichten Form von Heimweh umgehen, nichtsdestotrotz kann es zu Stresssymptomen kommen. Diese treten meistens in Form von Weinerlichkeit, Zurückgezogenheit oder Gereiztheit auf. In einigen Fällen kann sich die Sehnsucht nach dem Zuhause sogar mit körperlichen Symptomen äußern und die Kinder leiden vermehrt unter Kopf- und Bauchweh, Zahnschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit sowie Schlafstörungen.

Bei anderen Kindern wiederum kann sich Heimweh durch aggressives und abweisendes Verhalten gegenüber den Mitschülern sowie Lehrern und Aufsichtspersonen bemerkbar machen. Dieses Verhalten tritt insbesondere bei Kindern vermehrt auf, die normalerweise durch ihre zurückhaltende und eher verschlossene Art auffallen. Wie stark die Symptome ausfallen, hängt in erster Linie vom Alter und der Persönlichkeit des Kindes sowie den persönlichen Umständen ab.

Bitte beachten:
Bei einigen Kindern sind das Heimweh und die damit verbundene Trennungsangst so stark ausgeprägt, dass sich Depressionen entwickeln können und psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

7 Tipps für Eltern gegen Heimweh

Seid ihr als Eltern unsicher und macht euch über die bevorstehende Klassenfahrt Sorgen, überträgt sich das ganz automatisch auf euer Kind. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass ihr eurem Kind bereits vor Antreten der Klassenfahrt Sicherheit, Zuversicht sowie Gelassenheit vermittelt. Denkt daran, dass euer Kind eine spannende Zeit erleben wird, was sich wiederum positiv auf dessen Persönlichkeit auswirkt.

Wir haben euch weitere wertvolle Tipps zusammengestellt, die sich bei Heimweh bewährt haben und die ihr vorbeugend anwenden könnt:

1. Über die bevorstehende Klassenfahrt sprechen

Es ist das A und O, dass ihr vor Beginn der Klassenfahrt mit eurem Kind über die Details, wie zum Beispiel den Aufenthaltsort, das geplante Programm und den gesamten Ablauf, sprecht. Schaut euch gemeinsam das Programm der Klassenfahrt an und im Internet könnt ihr Fotos von dem Aufenthaltsort betrachten, damit sich euer Kind schon im Vorfeld ein Bild machen kann. Zudem solltet ihr nur positive Formulierungen verwenden, damit sich bei eurem Kind Vorfreude und Neugierde auf das bevorstehende Abenteuer einstellt und erst gar keine Unsicherheit aufkommt.

2. Richtiges Verhalten am Abreisetag

Sobald der große Tag gekommen ist und die Klassenfahrt beginnt, ist es wichtig, dass ihr kein Drama bei der Verabschiedung macht und euer Kind eure Traurigkeit nicht spürt. Weder ist es angebracht in Tränen auszubrechen noch eurem Kind eindringlich mitzuteilen, dass ihr es unsterblich vermissen werdet. Bleibt zumindest in der Anwesenheit eures Kindes tapfer und wünscht ihm eine gute Reise. Zudem solltet ihr euer Kind motivieren, indem ihr ihm versichert, dass es auf der Klassenfahrt eine spannende und lustige Zeit erleben wird.

3. Das Auswärtsübernachten trainieren

Bevor euer Kind mehrere Tage am Stück von euch getrennt ist, sollte das Übernachten außerhalb der eigenen vier Wände und ohne euch Eltern Schritt für Schritt geübt werden. Die meisten Kinder verbringen sehr gerne eine Nacht bei ihren Großeltern oder dem besten Freund, beziehungsweise der besten Freundin. Klappt das Übernachten ohne Probleme, kann aus der Nacht auch mal ein ganzes Wochenende werden. Mit der Zeit fällt es eurem Kind immer leichter, für eine absehbare Zeit von daheim weg zu sein und die Trennungsangst ist nicht mehr allgegenwärtig.

4. Vertrauten Gegenstand einpacken

Macht eurem Kind klar, dass eure innige emotionale Verbindung auch während der Abwesenheit immer bestehen bleibt. Indem ihr eurem Kind zum Beispiel sein Lieblings-Kuscheltier, ein Familienfoto oder ein Kuschel-Kissen mit auf die Klassenfahrt gebt, vermittelt ihr ihm das Gefühl, dass sein Zuhause trotz einiger Entfernung immer greifbar ist. Zudem kann ein persönlicher Gegenstand Trost spenden und an die Eltern sowie das Zuhause erinnern. Auf lange Briefe, in welchem ihr betont, wie sehr ihr euer Kind in dessen Abwesenheit vermisst, solltet ihr hingegen verzichten, um eventuelles Heimweh nicht noch zu verschlimmern.

5. Lehrer einbeziehen

Wisst ihr bereits im Vorfeld, dass euer Kind unter Trennungsängsten leidet und Heimweh auf der bevorstehenden Klassenfahrt somit naheliegend ist, solltet ihr vor der Reise das gemeinsame Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer suchen. So kann euer Kind Vertrauen zum begleitenden Lehrer aufbauen und sich im Falle von Heimweh mit seinen Ängsten und Sorgen an diesen wenden.

6. Richtiges Verhalten bei akutem Heimweh

Hat euer Kind die Klassenfahrt gut gelaunt und voller Vorfreude angetreten und ruft euch ganz unerwartet und in Tränen aufgelöst an, gilt zunächst eins: Bewahrt Ruhe und lasst euer Kind ausführlich erzählen, weshalb es so sehr unter Heimweh leidet. Es ist sehr wichtig, die Sorgen und Ängste eures Kindes ernst zu nehmen und es ausreden zu lassen, denn akutes Heimweh darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Häufig hilft es den Kindern bereits, dass sie offen mit euch reden und ihren Tränen freien Lauf lassen können. Sobald sie sich wieder gefangen haben, sieht die Welt meist schon wieder freundlicher aus.

Bietet eurem Kind nicht sofort an, es abzuholen, sondern bringt in Erfahrung, was der Grund für das Heimweh ist und sprecht gegebenenfalls mit der Lehrerin oder dem Lehrer. Vereinbart zudem mit eurem Kind, dass es versucht noch ein paar Tage durchzuhalten und sprecht ihm Mut zu. Zudem solltet ihr auf die schönen Erlebnisse eingehen, die euer Kind im Zuge der Klassenfahrt bereits erlebt hat. Auf diesem Weg lenkt ihr die Aufmerksamkeit eures Kindes auf die positiven Aspekte der Klassenfahrt oder des Ferienlagers. Bittet zudem die begleitenden Lehrerinnen und Lehrer, beziehungsweise die anwesenden Betreuerinnen und Betreuer, ein Auge auf euer Kind zu werfen und sich um dieses zu kümmern.

So schwer es auch fallen mag, solltet ihr euch nicht zu sehr aufregen und nicht sofort in Erwägung ziehen, euer Kind abzuholen. Haltet stattdessen regelmäßigen Kontakt zu eurem Kind, indem ihr zum Beispiel einmal täglich miteinander telefoniert. Euer Kind fühlt sich durch das Gespräch mit euch sicherer und hat außerdem das Gefühl, dass ihr gar nicht so weit weg von ihm seid.

7. Abholen nur im Notfall

In den meisten Fällen gewöhnen sich die Kinder sehr schnell an die neue Situation und durch ihre Mitschüler und den vielen Ausflügen sowie Aktivitäten werden sie in der Regel von ihrem Heimweh abgelenkt. Doch nicht alle Kinder können die elternlosen Tage genießen, bei manchen Kindern sind das Heimweh und die Trennungsängste so sehr ausgeprägt, dass das Kind umgehend abgeholt werden sollte, um einen psychischen Schaden vorzubeugen. Allerdings solltet ihr eurem Kind nicht schon vor Antritt der Reise anbieten, es nach Hause zu holen, sobald sich Heimweh einstellt.

Dies ist zwar lieb gemeint und soll Sicherheit vermitteln, allerdings bekommt euer Kind dadurch das Gefühl, dass ihr ihm nicht zutraut, mit dem Heimweh zurechtzukommen. Kinder brauchen Herausforderungen, um an diesen zu wachsen und ihr Selbstvertrauen nachhaltig zu stärken. Sprecht eurem Kind stattdessen Mut zu und vermittelt ihm glaubhaft, dass ihr es nicht im Stich lassen werdet und es sich immer auf euch verlassen kann. Hat euer Kind die Klassenfahrt „überstanden“, braucht ihr hingegen nicht an Lob zu sparen.

Weitere Tipps bei Heimweh:

  • Besprecht im Vorfeld, auf welchem Weg, wie oft und wann Kontakt mit euch Eltern gehalten wird.
  • Stellt Kontakt- und Notfalladressen zusammen und gebt diese eurem Kind mit auf Klassenfahrt oder ins Ferienlager.
  • Sprecht vor Antritt der Klassenfahrt mit eurem Kind über die Vorstellungen und Erwartungen der Reise.
  • Erklärt eurem Kind, dass gelegentliches Heimweh völlig normal ist und dieses Gefühl wieder von allein verschwindet.
  • Erzählt eurem Kind, wie ihr in seinem Alter mit Heimweh umgegangen seid.
  • Erstellt gemeinsam eine Packliste für das Abenteuer Klassenfahrt, um die Vorfreude zu steigern.

Kinder nicht zwingen

Hat euer Kind bereits im Vorfeld große Angst vor der Klassenfahrt, sollte der Antritt auf keinen Fall erzwungen werden. Allerdings solltet ihr auch nicht sofort die Entscheidung eures Kindes hinnehmen. Sprecht stattdessen gemeinsam mit eurem Kind über dessen Ängste und Sorgen und hinterfragt, warum es nicht bei der Klassenfahrt teilnehmen möchte. Oft steckt hinter der Angst vor der Klassenfahrt die Befürchtung, sich mit seinen Mitschülern zu streiten oder sich nicht mit den anderen teilnehmenden Kindern zu verstehen.

Ist euer Kind jedoch partout nicht umzustimmen und hat regelrechte Panik beim Gedanken an die Klassenfahrt, müsst ihr dieses Verhalten unbedingt ernst nehmen und das „Nein“ akzeptieren. Um herauszufinden, weshalb euer Kind unter massiven Trennungsängsten leidet, solltet ihr gegebenenfalls therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

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