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Daumenlutschen abgewöhnen: So klappt es wirklich (ultimativer Ratgeber mit allen Tipps für die Praxis)

Wachsstumsschub beim Baby

Viele Ultraschallbilder zeigen: Babys beginnen bereits im Mutterleib damit, an ihrem Daumen oder den Fingern zu nuckeln. Doch woran liegt es, dass Babys auch nach der Geburt sowie jüngere Kinder häufig ihren Daumen in den Mund stecken und ausgiebig daran saugen?

Hier findet ihr alles Wissenswerte über das Daumenlutschen bei Babys sowie Kleinkindern und außerdem erfahrt ihr, in welchem Alter und mit welchen Methoden ihr eurem Schatz das Daumenlutschen am besten abgewöhnen könnt.

Daumenlutschen bei Babys dient dem angeborenen Saugreflex

Der angeborene Saugreflex ist für Neugeborene lebenswichtig. Direkt nach der Geburt stellt der Saugreflex sicher, dass die Neugeborenen trinken können. Sobald Babys Hunger haben, wird der Saugreflex, der für die Nahrungsaufnahme in den ersten Monaten unverzichtbar ist, automatisch aktiviert.

Sobald die Zunge oder die Lippen die mütterliche Brust oder auch die Flasche berühren, wird zuverlässig der Saugreflex ausgelöst. Und schon direkt nach der Geburt probiert euer kleines Wunder aus, wie es am besten Milch aus eurer Brust saugen kann. Dabei löst das Saugen an der Brust Geborgenheit und Ruhe aus. Gleichzeitig wächst das Vertrauen und die Mutter-Kind-Bindung wird nachhaltig gestärkt.

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Doch nicht nur bei Hunger kommt das Saugen zum Einsatz. Daumenlutschen hat eine ausgleichende und entspannende Wirkung, weshalb euer Liebling, auch wenn er müde ist oder sich beruhigen will, kräftig am Daumen nuckelt. So spendet das Daumenlutschen eurem Kind Trost und Ruhe. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Daumen als Ersatz erhalten muss, wenn die Brust oder die Flasche nicht sofort verfügbar ist.

Als Menschen noch in Höhlen gelebt haben, diente der Saugreflex neben der Milchaufnahme in erster Linie dazu, dass die Kleinen in Gefahrensituationen nicht zu schreien oder zu weinen beginnen. Durch das Nuckeln am Daumen haben sich die Babys beruhigt und waren entspannter. Somit wurde verhindert, dass gefährliche Tiere auf die Höhle und die Menschen aufmerksam wurden.

Bis heute dient der Saugreflex bei Neugeborenen dazu, das Bedürfnis zum Saugen zu befrieden. Wie sie es eben von der Brust der Mama gewöhnt sind. Auch wenn Babys müde oder gestresst sind, sich überfordert fühlen oder neue Eindrücke verarbeiten müssen, wird oft am Daumen genuckelt.

Zudem steht die gesamte Mundhöhle im engen Zusammenhang mit den ersten Wahrnehmungen sowie den ersten Kommunikationsversuchen des Babys. Diese Zeit wird auch orale Phase genannt, in welcher die Gesichtsmuskeln, die Zunge und auch der Gaumen einen hohen Stellenwert in der Entwicklung einnehmen. Denn unter anderem durch Lächeln, Brabbeln und auch durch das Saugen knüpft euer Baby seine ersten Kontakte mit euch und seiner Außenwelt.

Dass Babys gerne und häufig am Daumen lutschen, ist also völlig normal und muss auch nicht von euch unterbunden oder abgewöhnt werden. So wird das natürliche Saugbedürfnis befriedigt und die Kleinen können sich durch diese Angewohnheit selbst und schneller beruhigen.

Meist hören die Kinder im Alter zwischen 2 und 4 Jahren von selbst mit dem Daumenlutschen auf, beziehungsweise nuckeln nur noch bei bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel vor dem Einschlafen oder aber auch bei Langweile, an ihrem Daumen.

Gründe für das Daumenlutschen bei Kindern

Hören Kinder mit 3 oder 4 Jahren nicht von alleine mit dem Daumenlutschen auf oder verstärken das Nuckeln sogar noch, liegen jedoch andere Gründe als bei Babys vor:

Besondere Umstände: Veränderungen im häuslichen Umfeld, wie zum Beispiel ein Umzug oder ein neues Geschwisterchen, können zum vermehrten Daumenlutschen führen. Auch der erste Schultag oder Streit zwischen den Eltern sorgt bei Kindern für Aufregung und manchmal auch Angst.

Dieser Zustand ist in der Regel nur vorübergehend und sobald sich der Alltag wieder eingependelt hat, wird euer Sprössling mit dem Daumenlutschen aufhören.

Zu wenig Zuneigung: Gerade sensible Kinder benötigen sehr viel Zuneigung und Zärtlichkeit von ihren Eltern. Deshalb solltet ihr so oft wie möglich gemeinsam kuscheln und so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen.

Ängstlichkeit: Manche Kinder sind übermäßig ängstlich und zudem schneller von bestimmten Situationen und Begebenheiten überfordert. Sprecht euren Kindern Mut zu und stärkt ihnen den Rücken. So wird das Selbstbewusstsein gestärkt und der Drang am Daumen zu lutschen wird weniger.

Verhaltensstörung: In seltenen Fällen kann das verstärkte Daumenlutschen, vorwiegend bei Kindern über 3 oder 4 Jahren, auch auf eine psychische Störung oder eine Verhaltensstörung hindeuten. Wenn ihr euch unsicher seid, solltet ihr vorsichtshalber euren Kinderarzt aufsuchen und mit ihm eventuell über andere Maßnahmen nachdenken.

In der Regel braucht ihr euch allerdings keine Sorgen zu machen. Redet viel mit eurem Kind, fragt es, warum es so gerne am Daumen lutscht und versucht verständnisvoll zu sein. Wenn das Daumenlutschen nach einiger Zeit nicht sowieso von ganz alleine aufhört, könnt ihr nach einer geeigneten Lösung suchen.

Gefahren von Daumenlutschen bei Kindern

Bei Kindern um die 3 Jahren bildet sich der angeborene Saugreflex in der Regel zurück und es wird gar nicht mehr oder nur noch sehr selten am Daumen gelutscht. Bis dahin besteht auch seitens der Zahnmedizin kein Bedenken, wenn Kinder ab und zu am Daumen lutschen.

Auch wenn ältere Kinder hin und wieder Daumenlutschen ist dies kein Grund zur Sorge. Es ist durchaus normal, dass Kinder in bestimmten Situationen, zum Beispiel vor dem Zubettgehen, in ihre alten Gewohnheiten zurückfallen.

Wird das häufige und regelmäßige Daumenlutschen jedoch auch noch mit 4 Jahren oder gar bis zur Schulzeit beibehalten, kann es unter Umständen zu späteren Zahnfehlstellungen kommen und die Entwicklung des Kiefers negativ beeinträchtigen. Dies kann wiederum zu Probleme beim Abbeißen sowie bei der Lautbildung führen.

Grund für eine mögliche Fehlstellung ist häufig , dass der Daumen beim Nuckeln die oberen Frontzähne nach vorne drückt und dadurch die Gefahr besteht, dass die Schneidezähne schief wachsen. Beißen die Kinder gleichzeitig auf den Daumen, entsteht zusätzlicher Druck, der zu einer Deformierung des unteren Zahnbogens führen kann.

Außerdem kann es passieren, dass sich der Oberkiefer durch das Saugen verschmälert und ein Kreuzbiss der Seitenzähne sowie eine Rücklage des Unterkiefers oder ein Überbiss entstehen. Die Folgen sind oft lange und kostenintensive Behandlungen beim Kieferorthopäden und das Tragen einer Zahnspange.

Neben den Zahnfehlstellungen kann das anhaltende Daumenlutschen auch dazu führen, dass euer Schatz von anderen Kindern gehänselt und aufgrund des Daumenlutschens ausgelacht wird. Viele Kinder ziehen sich daraufhin zurück und es fällt ihnen schwerer Freunde zu finden und Vertrauen zu fassen.

Sanfte Tipps, um eurem Kind das Daumenlutschen abzugewöhnen

Es ist sinnvoll, eurem Kind zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr das oft heißgeliebte Daumenlutschen allmählich abzugewöhnen. Auf den Schnuller hingegen sollte ab dem Alter von 4 oder 5 Jahren verzichtet werden. So beugt ihr Folgeschäden von Kiefer und Zähnen effektiv vor und ihr verhindert, dass euer Kind womöglich von Gleichaltrigen gehänselt wird.

Auf rabiate Entwöhnungsversuche, Bestrafungen sowie Schimpfen solltet ihr auf jeden Fall verzichten. Dies wirkt sich nachteilig aus und kann den Stresspegel des Kindes zusätzlich in die Höhe treiben. Das Daumenlutschen kann sich daraufhin verstärken, weil sich das Kind durch das Nuckeln erst wieder beruhigen muss.

Um angemessen auf das Daumenlutschen reagieren zu können, solltet ihr zuerst herausfinden, in welchen Situationen euer Kind am Daumen lutscht. Beobachtet euren Zwerg genau und versucht den Grund zu ermitteln. Ist euer Kind müde oder hat Angst? Liegt es daran, dass es sich unwohl fühlt oder einfach aufgeregt ist?

Wir haben einige hilfreiche Tipps und Ratschläge für euch zusammengefasst, wie ihr eurem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen könnt:

Ruhig und verständnisvoll sein: Eurem Kind hilft es am meisten, wenn ihr Verständnis zeigt und nicht mit ihm schimpft, es ermahnt oder gar bestraft.

Ein ruhiges Gespräch, in dem ihr euch nach dem Befinden eures Schatzes erkundigt, sowie eine große Umarmung und viel Zuwendung werden dabei helfen, dass sich euer Kind entspannt und verstanden sowie geborgen fühlt.

Eine Belohnung in Aussicht stellen: Gibt es etwas, dass sich euer Kind schon lange wünscht, aber weder Geburtstag noch Weihnachten stehen vor der Tür? Vielleicht könnt ihr eurem Kind dann diesen Wunsch erfüllen, wenn er im Gegenzug auf das Daumenlutschen verzichtet. So hat euer Kind eine Motivation und es wird ihm leichter fallen, seine Angewohnheit sein zu lassen.

Und seien wir mal ehrlich: Die Aussicht auf eine Belohnung hilft doch nicht nur bei Kindern!

Ablenkung: Wenn ihr bemerkt, dass euer Schatz seine volle Aufmerksamkeit dem Daumenlutschen widmet, solltet ihr versuchen es abzulenken. Spielt ein Spiel, hört gemeinsam ein Hörbuch, geht raus an die frische Luft oder tobt euch am Spielplatz aus. Während euer Kind beschäftigt ist, wird es auch nicht an das Daumenlutschen denken.

Nuckelt euer Kind vorwiegend zum Einschlafen am Daumen, könnt ihr als Schlafritual ein Gute-Nacht-Lied singen oder eine Geschichte zum Einschlafen vorlesen.

Für Ersatz sorgen: Bietet eurem Kind einen anderen Tröster, wie zum Beispiel ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke, anstelle des Daumens an. So fällt die Abgewöhnung leichter.

Weitere Ratschläge:
Sprecht viel mit eurem Kind und ermutigt es euch seine eventuellen Ängste oder Sorgen mitzuteilen.


Erklärt eurem Kind in Ruhe warum es besser ist, mit dem Daumenlutschen aufzuhören.

Nehmt euch Zeit für euer Kind und unternehmt viel gemeinsam. Dabei ist es egal, ob ihr in den Park oder auf den Spielplatz oder aber zu Hause gemeinsam spielt oder einen Film, mit ganz vielen Kuscheleinheiten, anschaut.


Kleiner Tipp: In dieser gemeinsamen Zeit empfiehlt es sich, das Daumenlutschen zu ignorieren.

Lobt euer Kind, wenn es seit längerer Zeit nicht mehr am Daumen gelutscht hat.

Darauf solltet ihr lieber verzichten

Auf rabiate Methoden, wie den Finger in eine bittere Tinktur zu tauchen, das Überziehen eines Handschuhs oder gar den Schlafanzugärmel zuzunähen, sollte in jedem Fall verzichtet werden.

Diese Entwöhnungsversuche sind für das Kind nichts anderes als eine unnötige Bestrafung und können zudem nicht nur das Daumenlutschen verschlimmern, sondern das Eltern-Kind-Verhältnis belasten.

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