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Die Eingewöhnung in die Kita: Ablauf & Hinweise

Eingewöhnung an die Kita

Eltern haben zu ihren Kindern immer eine ganz besondere Beziehung. Umso schwieriger kann es sein, wenn es erstmals zu einer längeren Trennung kommt. Für gewöhnlich ist dies der Fall, wenn das Kind in die Kita kommt. Zumal der Gesetzgeber in den letzten Jahren den Ausbau der frühkindlichen Betreuungsmöglichkeiten stark vorangetrieben hat. Für die Eingewöhnung sollten sich die Eltern immer ausreichend Zeit nehmen. Denn die vorübergehende Trennung ist zu Beginn nicht nur für Vater und Mutter schwierig, sondern auch für das Kind. Generell gilt: Druck oder radikale Ansätze beschleunigen den Vorgang keineswegs – viel eher ist das Gegenteil der Fall. Stattdessen sind Geduld und ein liebevoller Umgang gefragt.

Ab welchem Alter sollte mein Kind in die Kita?

Grundsätzlich gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Vorgaben, was den Besuch einer Kita angeht. Ziel der Politik ist es vielmehr, dass Eltern grundsätzlich die freie Wahl haben – also nicht aufgrund fehlender Plätze zu einer Betreuung zuhause gezwungen werden. Die Entscheidung, ab wann das eigene Kind in die Kita geht, sollte daher immer individuell getroffen werden. Hört dabei am besten einfach auf euer Gefühl. Eltern wissen in der Regel, was gut für das eigene Kind ist. Wissenschaftlich bewiesen ist zudem ein Punkt: Kinder stellen sich sehr schnell auf neue Situationen ein – der frühe Gang in die Kita schadet daher nicht. Eine eigene Eingewöhnungsphase ist in der Regel für Kinder bis zu drei Jahren vorgesehen.


Hinweis
Die Eingewöhnung in die Kita kann erschwert werden, wenn das Kind zusätzlich mit anderen großen Umwälzungen konfrontiert ist – etwa ein Umzug oder die Geburt eines Geschwisterchens. Auch bei kranken Kindern sollte die Eingewöhnung wenn möglich verschoben werden.

Wie läuft die Eingewöhnung in der Kita ab?

Was den Ablauf der Eingewöhnung angeht, lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze unterscheiden: Das Berliner Modell und das Münchener Modell. Teilweise entscheidet der Träger einer Einrichtung, welches Modell zur Anwendung kommt, teilweise können die einzelnen Kitas diese Entscheidung aber auch selbst treffen. In jedem Fall werdet ihr in der Regel einige Wochen vor dem Beginn der Betreuung zu einem Informationsgespräch eingeladen. Dort trefft ihr in der Regel auf die späteren Betreuer und Betreuerinnen eures Kindes. Diese werden erläutern, welches Modell genutzt wird, wie es funktioniert und welche Vorteile es mit sich bringt. In diesem Gespräch habt ihr zudem bereits die Möglichkeit, auf Besonderheiten eures Nachwuchses hinzuweisen und eigene Ideen einzubringen.

Kita-Eingewöhnung: Das Berliner Modell

Der Grundgedanke des Berliner Modells für die Kita-Eingewöhnung ist es, den Vorgang für das Kind so einfach und natürlich wie möglich erscheinen zu lassen. Die Trennung erfolgt daher stufenweise – insgesamt besteht das Modell aus vier Schritten. Erst wenn der erste Schritt erfolgreich absolviert wurde, wird die nächste Stufe in Angriff genommen. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass euer Kind nicht urplötzlich mit einer vollkommen neuen Situation konfrontiert ist. Wissenschaftliche Grundlage sind Erkenntnisse aus der Hirn- und Bindungsforschung. Am besten wird das Berliner Modell halbtags und vornehmlich in den Randzeiten umgesetzt. So haben die Erzieherinnen ausreichend Zeit, um auf euer Kind einzugehen. Die vier Phasen des Berliner Modells sind:

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Die Grundphase im Berliner Modell

Die Grundphase dauert in der Regel drei Tage. In dieser Zeit soll sich das Kind in aller Ruhe an die neue Umgebung und die neuen Gesichter gewöhnen. Deshalb begleitet ihr euren Nachwuchs in der Grundphase täglich für einige Stunden in die Kita-Gruppe. Dort allerdings nehmt ihr eine passive Rolle ein. Konkret bedeutet dies: Ihr spielt nicht mit den Kindern und versucht auch nicht von euch aus Kontakt aufzunehmen. Eure Aufgabe besteht vielmehr darin, eurem Kind Sicherheit zu verleihen. Die Betreuerinnen werden hingegen versuchen, mit dem Neuzugang zu interagieren. Dies kann durch ein Spielangebot geschehen oder durch das Vorlesen eines Buchs. Druck wird aber keiner ausgeübt. Außerdem wichtig: Ihr bleibt die ganze Zeit bei eurem Kind. Ein Trennungsversuch findet nicht statt.

Der erste Trennungsversuch im Berliner Modell

Der erste Trennungsversuch findet in aller Regel am vierten Tag statt. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Ist der vierte Kita-Tag ein Montag, verschiebt sich der Trennungsversuch um einen Tag. Dieser läuft zunächst relativ simpel ab: Die Eltern verlassen den Raum und lassen das Kind erstmals für rund eine halbe Stunde alleine mit der restlichen Gruppe. Das weitere Vorgehen hängt dann von der Reaktion des Kindes ab:


  • Bleibt das Kind ruhig und zeigt sich nicht irritiert, kann anschließend mit der nächsten Phase begonnen werden.
  • Fängt das Kind an zu weinen, kann aber von einer Erzieherin beruhigt werden, kann der erste Trennungsversuch ebenfalls als erfolgreich gelten.
  • Läuft das Kind hinter seinem Elternteil her, fängt an zu weinen und lässt niemand anderen an sich heran, muss die Eingewöhnungszeit verlängert werden.

Die Stabilisierungsphase im Berliner Modell

In der Stabilisierungsphase laufen zwei Prozesse parallel ab:

a) Die Betreuerinnen übernehmen nun immer mehr Aufgaben, die sonst von den Eltern erledigt werden. Bei kleineren Kindern fällt darunter etwa das füttern und wickeln. Bei größeren Kindern geht es vor allem darum, als Spiel- und Gesprächspartner akzeptiert zu werden.

b) Die Trennungszeit wird nach und nach verlängert. Wie schnell dieser Prozess ablaufen kann, hängt von der Reaktion des Kindes und dessen Alter ab.

Die Schlussphase im Berliner Modell

In der Schlussphase endet eure Zeit in der Kita. Euer Kind hat nun die Betreuerin als neue Bezugsperson akzeptiert und sich an die neue Umgebung gewöhnt. Dennoch solltet ihr immer erreichbar sein und euch nicht zu weit von der Einrichtung entfernen. Denn gerade in den ersten Tagen der Schlussphase kann es auch immer noch zu Rückfällen kommen. Dann solltet ihr schnell vor Ort sein können. Wie schnell ihr die Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell abschließen könnt, hängt von der Reaktion des Kindes ab. Im Optimalfall können alle vier Schritte innerhalb einer Woche absolviert werden, es kann aber auch schon einmal zwei bis drei Wochen dauern.

Hinweis
Feste Rituale können dem Kind den Abschied erleichtern. Es macht daher Sinn immer mit demselben Satz, derselben Geste oder derselben Handlung die Kita zu verlassen.

Kita-Eingewöhnung: Das Münchener Modell

In den 1990er Jahren wurde zudem das Münchener Modell zur Kita-Eingewöhnung entwickelt. Es handelt sich aber nicht um eine inhaltliche Revolution, sondern vielmehr um eine Variante des Berliner Modells mit etwas anderen Schwerpunkten. Die wissenschaftliche Basis bilden vor allem Erkenntnisse aus der Transitionsforschung. Das Ziel ist es vor allem, dass das Kind nicht nur Vertrauen zu einer Bezugsperson aufbaut, sondern sich gleich an mehrere Vertrauenspersonen gewöhnt. So können später dann Phasen, in denen eine Erzieherin beispielsweise krank ist, besser gemeistert werden. Der Ablauf des Münchener Modells sieht fünf Phasen vor:

Die Vorbereitungsphase im Münchener Modell

In der Vorbereitungsphase kommt es zu einem engen Austausch zwischen der Bezugserzieherin und den Eltern. Auf der einen Seite werden die täglichen Abläufe und die geplante Form der Eingewöhnung dargestellt. Auf der anderen Seite werden aber auch Besonderheiten des Kindes besprochen und wenn möglich die Planung entsprechend angepasst. Wichtig: In diesem Teil sollen auch die Eltern auf den Prozess der Eingewöhnung vorbereitet werden. Denn diese haben eine gar nicht so einfache Doppelrolle zu spielen: So müssen sie ihr Kind dabei unterstützen, sich zu lösen und für längere Zeit außerhalb des gewohnten Umfelds zu bleiben. Gleichzeitig gilt es aber auch, sich selbst von dem Kind für eine gewisse Zeit zu verabschieden.

Die Kennenlernphase im Münchener Modell

In der einwöchigen Kennenlernphase nimmt das Kind gemeinsam mit einem Elternteil an den Aktivitäten der Gruppe teil. Will das Kind von sich aus, alleine aktiv werden und beispielsweise an einem Gruppenspiel teilnehmen: Sehr gut! Es findet aber kein aktiver Trennungsversuch statt. Vielmehr kann das Kind vollständig alleine entscheiden, wie stark es sich bereits emanzipieren und in die Gruppe integrieren möchte. Die Erzieherinnen sind zudem bereits präsent, die meisten das eigene Kind betreffenden Aufgaben werden aber noch durch die Eltern übernommen. Es handelt sich also um einen langsamen Gewöhnungs- und Annäherungsprozess – für den ausreichend Zeit eingeplant werden muss und der nicht überstürzt werden sollte.

Die Sicherheitsphase im Münchener Modell

Anschließend folgt die ebenfalls rund einwöchige Sicherheitsphase. In dieser sollen die Eltern als Bezugsperson in den Hintergrund rücken und nach und nach durch eine Vertrauensperson unter den Erzieherinnen ersetzt werden. Das Elternteil bleibt also weiterhin innerhalb der Gruppe präsent, immer mehr Aufgaben werden aber nun durch das Personal übernommen. Dazu gehört beispielsweise Hilfe beim Anziehen oder Unterstützung beim Essen. Die Erzieherin stellt nun zudem immer wieder direkt Kontakt zu dem Kind her und versucht eine Beziehung aufzubauen. Auch der Kontakt mit den anderen Kindern wird in dieser Phase aktiv gefördert: Die Interaktion mit gleichaltrigen Kita-Besuchern vermittelt oft Sicherheit und ist sehr lehrreich für den Neuling in der Kita-Gruppe.

Die Vertrauensphase im Münchener Modell

Die Eingewöhnung in die Kita endet schließlich für das Kind mit der Vertrauensphase. In dieser Zeit soll es Vertrauen in die Abläufe gewinnen und die Angst vor der fremden und neuen Situation endgültig verlieren. Ihr als Eltern solltet jetzt bereit sein, das Kind erstmals alleine zu lassen. Zuvor allerdings erklärt ihr eurem Nachwuchs, dass ihr jetzt gehen müsst und gleich wiederkommt. Anschließend hängt alles von der Reaktion des Kindes ab: Beruhigt es sich nach kurzer Zeit und nimmt eine aktive Tätigkeit auf, ist die Eingewöhnung abgeschlossen. Oftmals erfolgt beim ersten Trennungsversuch aber auch noch eine panische Reaktion und das Kind drängt auf eine Rückkehr des Elternteils. Diesem Wunsch sollte entsprochen werden und der nächste Trennungsversuch erst in einigen Tagen erfolgen.

Die Auswertungs- und Reflektionsphase im Münchener Modell

Die fünfte Phase wird als Auswertungs- und Reflektionsphase bezeichnet. Letztlich kommt ihr hier mit der Kita-Leitung und den zuständigen Erzieherinnen noch einmal zusammen und besprecht, welche Besonderheiten es bei der Eingewöhnung gab und ob das Kind in der nächsten Zeit noch einmal eine besondere Ansprache oder Förderung benötigt. Es wird aber auch besprochen, was gut gelaufen ist bei der Eingewöhnung.

Welches Modell ist besser geeignet für die Kita-Eingewöhnung?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Beide Modelle haben bei der Kita-Eingewöhnung von kleinen Kindern bereits sehr gute Ergebnisse erzielt. Eines ist aber wichtig: Die Erzieherinnen in einer Einrichtung sind meistens mit einem der Modelle vertraut und haben damit bereits enorm viel Erfahrung gesammelt. Es macht keinen Sinn, dort dann unbedingt die alternative Variante durchführen zu wollen. Wenn ihr in diesem Bereich bestimmte Präferenzen habt, solltet ihr euch dementsprechend eine Einrichtung suchen, die euer Wunschmodell bereits umsetzt. Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Modelle aber auch nicht in grundlegenden Fragen. Zudem werden im Kita-Alltag immer wieder Anpassungen an die konkrete Situation vorgenommen.

Bei der Kita-Eingewöhnung kommt es immer wieder zu Rückschlägen. Ist das normal?

Kinder haben gute und schlechte Tage. Es kann daher vorkommen, dass euer Nachwuchs an einem Tag begeistert alleine in der Kita spielt und am nächsten Tag überhaupt nicht mehr alleine gelassen werden möchte. Dies ist aber kein Grund zur Beunruhigung. Gerade wenn die Kinder müde sind oder unter Stress stehen, kommt so etwas immer wieder vor. Experten gehen davon aus, dass die Eingewöhnungsphase endgültig erst nach mehreren Monaten abgeschlossen ist. Gerade deswegen ist es aber wichtig, Kontakt zu den Erzieherinnen zu halten, um zu besprechen wie die Eingewöhnung läuft und ob gegebenenfalls noch zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Sollte die Kita-Eingewöhnung von Mutter oder Vater übernommen werden?

Das spielt für den Erfolg der Eingewöhnung keine Rolle. Im Idealfall wird diese Aufgabe aber immer von derselben Person übernommen. Denn für das Kind ist es deutlich schwieriger, wenn es sich jeden Tag von jemand anderem verabschieden muss. Wenn es zeitlich aber gar nicht anders geht, ist eine Eingewöhnung mit wechselnden Elternteilen immer noch besser als gar keine. Auch die Großeltern können das Kind während der Kita-Eingewöhnung begleiten – sollten dann aber auch bei allen Vorbesprechungen dabei sein.

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