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Wir essen die Welt? - Zeitaufmacher in der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 11. Mai 2006, geschriebn von Marcus Rohwetter

Sonntag, 14.05.2006. Ich lese in der renommierten Wochenzeitschrift "Die Zeit" einen der Leitartikel! Titel: "Wir essen die Welt"! Ich sitze übrigens beim Frühstück, trinke meinen teuer bezahlten Biokaffee; extra teuer, weil ich auch noch den Fairhandelzuschlag bezahle - aus Solidarität, ich esse die gesunde (?!!) Biowurst, den Biokäse, die Biomarmelade - wenn ich genau nachdenke, steht auf meinem Frühstückstisch nichts mehr, was man als "herkömmliche Lebensmittelproduktion" (ein schreckliches Wort für das Herstellen von Waren, die ich für mein tägliches Leben brauche) bezeichnen könnte. Ich finde es ja gut, wenn man uns Verbraucher immer wieder der Spiegel vorhalten will und wir erkennen sollen, wie falsch wir uns verhalten. Doch wenn ich gleich in der zweiten Überschrift des Artikels von Marcus Rohwetter lesen darf, dass ich als Konsument für billige Lebensmittel alles in Kauf nehme, habe ich den gerade noch genossenen Kaffee mal wieder sprichwörtlich auf.
Dass mir genau das die Fabrikanten, die Geschäftsleute, die Politiker usw. immer wieder einreden wollen - gut, das weiß ich einzuschätzen. Aber warum muss ich das in der "Zeit" lesen. Ich kaufe übrigens diese Zeitung, weil ich bisher immer geglaubt habe, sie hat mit Objektivität mehr im Sinn als diese Blätter mit den großen Buchstaben, geschrieben für ich weiß nicht wen.
Ich will ein für alle Mal aufräumen mit dem Schwachsinn, dass irgendeine Aktiengesellschaft für mich als den Konsumenten irgendein Tier quälen muss, den Urwald roden muss, oder die Landschaft mit Pestiziden verseuchen muss.
Und seltsamerweise rede ich allen aus der Seele, mit denen ich zu tun habe, - und das sind auch alles "Konsumenten". Wen also meint Rohwetter mit "die Konsumenten". Meint er etwa sich - dann soll er das auch schreiben oder sein Leben (endlich) verändern.
Im Gegensatz zu Marcus Rohwetter ist mir allerdings klar, dass kein Aktiengesellschaftsunternehmer in erster Linie mich als Konsumenten im Blick hat, sondern nur seinen Konkurrenten. Und den gilt es auszustechen. Noch einen Rabatt, noch ein Sonderangebot, noch eine Preissenkung, damit der "geschätze Kunde" hier und nicht dort einkauft. Nicht um den Kunden zufrieden zu stellen, sondern um den Gewinn zu steigern. Am Augenfälligsten ist das Spiel um den Kampf der Damen und Herren Unternehmer um den "Konsumenten" , der die Urwälder roden und die Tiere quälen lässt, um die Weihnachtszeit - ach was rede ich da - kurz nach den Sommerferien. Zu dieser Zeit etwa kommen nämlich inzwischen die Weihnachtssachen in die Geschäfte. Und was Herr Kollege Rohwetter glauben Sie, was mir die Geschäftsleute sagen, bei denen ich mich ob der Verdummung der Kunden beschwere. Sie sagen mir dasselbe wie Sie. Die Kunden (Konsumenten) wollen das schließlich. Ich sage: Nein - ich kenne keinen, der das will - aber ich sehe die Unternehmen und Produzenten und Geschäftleute im Einklang miteinander, möglichst immer frühzeitiger die so genannte Konkurrenz auszustehen, um vor ihr das Geschäft mit der Weihnachtsware zu machen - um die Gewinne zu steigern. Warum Herr Rowetter, lese ich das in Ihrem Artikel nicht? Warum machen Sie "den Konsumenten" zum Sündenbock für etwas, was er in keinster Weise beeinflussen kann.
Wenn ich als Konsument, die Millionen für Werbung einsetzen könnte wie die "Lebensmittelproduzenten", um denen den Spiegel vorzuhalten, dann würde ich es tun, leider habe ich das Geld nicht! Sie aber haben die Macht, mit ihrer Zeitung - denen, die den Hals nicht voll kriegen können, weil sie ja schlöießlich für ihre Aktionäre arbeiten müssen, den Spiegel vorzuhalten - warum machen Sie das nicht?

Peter Schneller

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