WAZ 2. Juli 2005
Fälschungen können teuer werden
Italien bestraft Touristen, die Luxus-Imitate kaufen
Kurz vor dem Ferienstart 2005 sorgt eine Nachricht aus Italien für
Verunsicherung bei den Urlaubern. Eine Dänin wurde mit einem Bußgeld
von 10 000 Euro bestraft, weil sie eine gefälschte Luxusbrille
gekauft hatte.
Die Touristin hatte am Badestrand von einem fliegenden Händler
eine "garantiert echte" Designer-Brille für 10 Euro erworben
und wurde dann von der Polizei gestellt. Anschließend erhielt
die Dänin einen Strafbefehl über 10 000 Euro.
Die Praxis der Polizei
an der lingurischen Küste sorgt in Deutschland für Stirnrunzeln.
.
"Diese Meldung hat uns sehr irritiert", gesteht Klaus Hoffmeister,
Leiter der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz in München.
"Offenbar soll da ein abschreckendes Exempel statuiert werden."
Auch in Frankreich gingen die Behörden inzwischen drastischer
gegen den Erwerb von gefälschten Markenwaren vor.
"Bei der Bemessung der Strafe, wird dort oftmals der Wert der
echten Rolex-Uhr zu Grunde gelegt' und nicht der Wert der billigen
Fälschung", so Hoffmeister.
In Deutschland sei eine solche Praxis nicht denkbar. Allerdings müssen
Urlauber bei der Einfuhr von gefälschten Markenwaren einige Spielregeln
beachten, damit es zu keinen Problemen kommt.
Imitierte Markenbrillen oder Luxus-Handtaschen aus EU-Urlaubsländern
können nämlich durchaus an der deutschen Grenze beschlagnahmt
werden. "Aber nur dann, wenn die Freigrenze von 175 Euro überschritten
wird. Wer sich eine Brille oder eine Uhr für den Privatgebrauch
kauft, egal ob gefälscht oder echt hat nichts zu befürchten",
so Klaus Hoffmeister. Übersteigen die mitgebrachten Waren diesen
Wert oder ergeben sich Anhaltspunkte, dass der Reisende die Waren
für kommerzielle Zwecke mit sich führt, werden die Fälschungen
beschlagnahmt.
PASCALBRUCKMANN
KOMMENTAR
Falscher Umgang mit Fälschung
Seien wir ehrlich. Irgendwie gehören die Souvenirs der besonderen
Art doch zum Urlaubsvergnügen dazu. Einmal eine "echte'
Breitling kaufen, ein "original" Gucci-T-Shirt überstreifen
oder ein Prada-Täschchen mitbringen.
Für eine Handvoll Euros können wir ganz selbstverständlich
diese Produkte auf der ganzen Walt kaufen. In der Türkei und
in Thailand und auch in New York, Rimini oder Rom. Es ist halt der
besondere Reiz, den vermeintlichen Luxus selbst einmal in der Hand
zu halten, für den andere auf der Kö oder den Champs Elysée
zigtausende Euros hinblättern.
Dass die Produktfälschungen im Prinzip illegal sind, wissen wir.
Aber wenn der deutsche Zoll die Einfuhr dieser Waren für den
Privatgebrauch toleriert und die Händler in den Urlaubsländern
ihre Luxus-Güter öffentlich anbieten können, verspüren
wir kein schlechtes Gewissen. Nun die Schock-Nachricht aus Italien.
Dort wurde eine Touristin zur Zahlung von 10 000 Euro verurteilt,
weil sie eine gefälschte Brille gekauft hatte. Diese fragwürdige
Praxis offenbart in erster Linie das eigene Versagen der Behörden.
Weil die Polizei nicht in der Lage ist, die Händler und deren
Hintermänner zu belangen, werden die Feriengäste an den
Pranger gestellt. Die wahren Täter, die Markenfälscher und
Produktpiraten, kommen dagegen unbehelligt davon, ein Skandal!
Wenn die Behörden, den Verkauf der gefälschten Waren verbieten
möchten, ist das ihr gutes Recht. Aber dann müssen die Touristen
bereits bei der Einreise via Merkzettel informiert werden, dass sie
sich strafbar machen. Zuallererst aber gehört den Händlern
selbst das Handwerk gelegt. Damit unbescholtene Urlauber nicht plötzlich
zu Verbrechern werden.
PASCALBRÜCKMANN
Da stellt sich dem Beobachter
die Frage, warum soll man überhaupt nach Italien fahren. Der beste
Weg gegen solche Unverschämtheiten seitens italienischer Behörden
ist, das Land zu meiden. Wenn erstmal tausende Touristen weniger nach
Italien fahren, wird sich das Problem von selbst lösen. |